Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Episode #21 | 17. Juli 2026
Ist es schön, etwas nicht zu können?
Über fremde Hände, ein Stück Holz und die Frage, warum das Nichtkönnen so frei macht.
Kennst du das: Sobald du etwas tust, willst du wissen, ob du gut darin bist. Ob das Ergebnis sich sehen lassen kann. Ob es reicht. Als wäre der Wert einer Sache das, was am Ende dabei herauskommt.
Was wäre, wenn er ganz woanders liegt? Im Vorgang selbst. In Händen, die etwas formen, das sie sonst nie formen. In acht fremden Menschen an einem runden Tisch. Und darin, etwas zu tun, das man zum ersten Mal tut und noch gar nicht kann.
In dieser Episode reiche ich das Mikrofon herum, denn ich war für eine Woche in die Uckermark, zu einem Bildhauerworkshop, und fragte direkt die sieben anderen Teilnehmer:innen und die Bildhauerin, was sie daran bewegt. Es geht um Holz und Werkzeug, um Wiederholungstäter und Erstlinge, um das gemeinsame Kochen am Abend. Und um die Frage, ob das Schöne vielleicht genau da beginnt, wo das Können aufhört.
Transkript
Jana: Die heutige Podcast-Episode ist ein Experiment. Denn ich hatte ja in der vorigen Woche erzählt, dass ich zu einem Bildhauer-Workshop fahre und mich hier mit etwas beschäftige, was ich bisher in meinem Leben noch nie gemacht habe, und zwar einen Holzklotz zu behauen. In der vorigen Woche ging es allerdings darum, dass ich überlegt habe: Muss man denn, um besser zu werden in etwas, kann man das nur dadurch erreichen, dass der Druck erhöht wird, dass noch mehr Energie, noch mehr Disziplin und noch mehr richtige Tools verwendet werden, um besser zu werden? Und ich glaube ja, dass dieser Ansatz des Höher, schneller, weiter gar nicht so die richtige Art ist, um etwas zu lernen bzw. besser darin zu werden.
Und jetzt fahre ich hierher zu diesem Bildhauer-Workshop und möchte etwas tun, was ich noch gar nie gemacht habe. Und da glaube ich, dass es erst recht wichtig ist, dass ich nicht mit der Vorstellung herkomme, dass ich das perfekte Ergebnis erziele und dass ich das sofort kann, sondern dass ich hierher komme und mich damit beschäftige: Wie wirkt das auf mich? Wie kann ich mit meinen Händen etwas erschaffen, was ich mit meinen Händen ja sonst nie mache? Mit welcher Freude, mit welcher Neugier, mit welcher Lust auch kann ich mich darauf einlassen? Und das ist ganz toll.
Ich bin jetzt seit drei Tagen hier. Ich bin völlig überrascht, was ich in diesen drei Tagen bereits aus dem ursprünglichen Holz herausgearbeitet habe. Aus dem Stück Stamm, kann man so sagen, herausgearbeitet habe. Zumal ich hierhergekommen bin und überhaupt keine Idee hatte, was ich machen will. Und als ich dann angefangen habe und den Stamm erst mal entrinden sollte, kam so Stück für Stück doch genau die Idee heraus. Wozu bin ich hier? Was will ich? Was mache ich? Und ja, das ist ein sehr spannender Prozess. Und ich glaube, dass dieser Weg der Neugier und auch der Freude ein großes Glück ist. Also mich auch wirklich gut führt.
Das Interessante aber ist: Dieser Workshop wird durchgeführt von Susanne Auslender. Sie ist Bildhauerin aus Berlin, aus Darmstadt, aus ich weiß nicht wo, und gibt diese Workshops schon über viele Jahre an den unterschiedlichsten Orten. Wir sind hier acht Teilnehmer, und von den acht Teilnehmern sind vier bereits mehrere Male zu verschiedensten Workshops gewesen, auch bei Susanne, und sind sozusagen schon Profis, wenn man so will. Und vier sind aber, dazu zähle auch ich, völlig unbedarft, völlig ohne jegliche Erfahrung mit dem Medium, mit dem, was hier passieren wird. Und es ist sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich wir acht Leute, die aus den unterschiedlichsten Berufen und Gegenden Deutschlands kommen, wie verschieden wir auch an die Arbeit mit dem Holz herangehen und wie verschieden die Art und Weise ist, mit dem Holz und mit dem Werkzeug umzugehen.
Und da mich das so beschäftigt, habe ich beschlossen, einfach mal die Frage zu stellen: Ja, was findest du denn schön daran, das hier zu machen? Und zwar jeden einzelnen Teilnehmer. Und das ist das Experiment, was ich heute mache, weil ich habe ja keinen solchen Podcast, wo ich jetzt lauter verschiedene Interviews führe, obwohl ich ja manchmal Interviews führe. Mal schauen, was dabei rauskommt. Ich werde jetzt ein ganz kurzes Gespräch führen mit jedem einzelnen Teilnehmer. Und vielleicht ist es für dich ja ganz interessant, mal zu erfahren, was die Motivation ist, die in den Einzelnen drinsteckt und was sie dazu sagen. Also sei neugierig und bleib dran.
Wie ich gerade sagte, habe ich mir vorgenommen, mit allen acht Teilnehmern einfach mal eine Runde zu reden. Und den ersten, den ich mir rausgepickt habe aus der Gruppe, das ist Christoph, und er ist Wiederholungstäter. Christoph, wer bist du? Stell dich mal ganz kurz vor.
Christoph: Also ja, ich heiße Christoph, komme aus Darmstadt, fahre 740 Kilometer bis hierher, um bei der Susanne bei diesem wunderbaren Holzbildhauer-Workshop teilzunehmen.
Jana: Du machst das nicht zum ersten Mal?
Christoph: Nein, ich mache es nicht zum ersten Mal. Also in Holz mache ich das seit 2014, glaube ich.
Jana: Oh, wow.
Christoph: Susanne war früher in der Darmstädter Gegend. Auf dem Kühkopf haben die da solche Workshops gemacht. Und da habe ich einmal teilgenommen. Und vor zehn Jahren ist sie ja weggereist aus Darmstadt. Und ich bin hier immer hinterhergereist, weil das einfach klasse ist. Mit solchen Leuten, auch wenn die Qualität natürlich nur auf der Lehrerseite ist, das muss man ja schon sagen, ist das unglaublich, einfach mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten, und mit den Tipps kannst du wirklich was anfangen.
Jana: Und was ist das, was dich immer wieder dazu treibt, genau das zu machen, also genau zu diesen Workshops zu fahren?
Christoph: Ja, das kann ich auch sagen. Ich mache auch figürlich mit Ton und Bronze. Und ich habe vor 25 Jahren mal den Plan gehabt, eine eigene Bronzefigur, also eine richtige große Bronzefigur selber herzustellen. Das war der ursprüngliche Plan, weswegen ich überhaupt damit angefangen habe. Ich habe solche Tonkurse mitgemacht bei der Volkshochschule und habe dann auch eine gewisse Fertigkeit gehabt. Und 2019 habe ich mir den Traum dann wahrgemacht, dass ich eine Figur habe von einem Kunstgießer gießen zu lassen.
Ich bin total stolz. Als ich damals in Biedenkopf war und mir das Ding abgeholt habe, ich schwebte auf einer Wolke, weil das ein wirklich langer Traum war, den ich versucht hatte zu verwirklichen. Und wenn man einmal mit Ton anfängt, figürlich zu arbeiten, dann wirst du irgendwann mal auch Holz probieren.
Ton ist ja so, kannst du alles, was abfällt, wieder dran pappen. Beim Holz, was ab ist, ist ab. Und das ist schon wieder eine ganz andere Herausforderung.
Jana: Und was ist daran schön?
Christoph: Für mich kann ich einfach nur sagen: Wenn ich arbeite, ist das Seele baumeln lassen. Das ist so toll, auch wenn es anstrengend ist, aber der Vorgang, hinterher irgendwas gemacht zu haben, der ist für mich eigentlich das Entscheidende. Nicht das dann zu besitzen; ich brauche das nach einem halben Jahr nicht mehr. Das ist einfach nur der Vorgang, dass ich das hingekriegt habe. Und für mich immer: Ich setze meine Messlatte immer fest. Und wenn ich das schaffe, bin ich immer sehr zufrieden. Tolle Sache.
Jana: So, Nummer zwei ist genauso wie ich eine, die es zum allerersten Mal macht. Und das macht mich ganz froh, dass ich hier nicht die Einzige bin. Hallo, sag doch mal, wer du bist und woher du kommst.
Korinna: Hallo, ich bin Korinna. Ich komme hier aus dem Ort Wartin, lebe hier schon immer. Reimt sich. War letztes Jahr schon mal hier schnökern im Workshop von Susanne. Und ja, und habe gedacht: »Mensch, das kannst du doch mal ausprobieren.« Und war neugierig, was auf mich so zukommt, oder ja, mit Händen überhaupt zu arbeiten, wie es sein wird, so draußen in der Natur zu stehen. Und ich habe die alle hämmern sehen und habe gedacht: Das möchte ich mal ausprobieren. Und als ich es ausprobiert habe, hatte ich so ein Glücksgefühl, weil es so herrlich ist, aus so einem Stück Holz was zu schaffen mit eigenen Händen. Und das ist so schön. Das macht so einen Spaß.
Jana: Du hast es schon auf den Punkt gebracht, das ist so schön. Also einfach so, man hat erst mal diesen Klotz vor sich, soll den entpellen, und dann ist erst mal so: Was mache ich hier? Und mit der Zeit entwickelt sich was, dieser ganze Prozess, dieses Thema so mitmachen.
Korinna: Das hatte ich vorher nie.
Jana: Du hast das noch nie gemacht?
Korinna: Nein, noch nie. Es war das erste Mal, und ich bin total begeistert.
Jana: Wirst du zur Wiederholungstäterin?
Korinna: Wahrscheinlich, ja. Also ja, ich denke schon. Ich denke auch. Ja, genau. Es macht echt Spaß. Ja, und wie gesagt, mit den Händen. Diese Arbeit, das hat mir schon immer Freude gemacht, ein bisschen Töpfern und so weiter, aber das jetzt mit Holz war eine ganz neue Erfahrung.
Jana: Was ja das Verrückte an diesem Holz ist, dass man im Gegensatz zum Töpfern ja nicht wieder was ankleben kann.
Korinna: Nicht ankleben, und vor allem ist es schwer. Jetzt merke ich, weiß ich, wie hart Holz ist und dass man sehr viel Kraft auch braucht, aber auch mit der Technik, dass ich irgendwie rausfummeln kann. Und wir kriegen ja auch viele Tipps von Susanne, oder sie unterstützt uns ja dann. Aber ja, also ist schon eine andere Nummer: Holz gegen Ton.
Jana: Ich danke dir. Ja, und schon geht es weiter. Jetzt die dritte im Bunde ist Thekla. Und auch sie ist genauso wie ich Ersttäterin sozusagen. Stell dich doch mal ganz kurz vor, was machst du?
Thekla: Ja, mein Name ist Thekla, ich komme auch hier aus Wartin und ich bin Zahntechniker. Also ich habe schon ein bisschen Vorstellung, wie man was modelliert, aber natürlich im winzig Kleinen. Und nun wollte ich das auch gern mal, irgendwas Großes. Und ich war so begeistert von Susanne, ihrer Kunst, von diesen Blüten, von den Skulpturen, die sie macht. Und dadurch, dass wir so gut wie Nachbarn sind und ich letztes Jahr schnökern war, hier mit Tini zusammen, da haben wir gesagt: Das machen wir.
Jana: Und ja, du als Zahntechnikerin, du arbeitest so ganz winzig, mini, klein.
Thekla: Und jetzt mal so richtig aus dem Vollen.
Jana: Und wie fühlst du dich dabei? Ist das schön?
Thekla: Es ist sehr schön. Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen, teilweise beim Arbeiten. Ich muss dann denken: »Jetzt mach mal deinen Mund wieder zu.« Nein, es macht so viel Spaß. Man vergisst auch irgendwo alles um sich herum. Es ist richtig meditativ. Dieses Hämmern und die anderen Hämmern und dieses Pickern und Klopfen.
Jana: Ja. Ich finde das auch meditativ. Ganz ehrlich. Also dieses Einsinken. So völlig. Und jeder kloppelt da vor sich hin. Also pickert. Kloppeln ist ja nochmal wieder was anderes. Aber wunderbar. Ich danke dir, dass du das hier hast.
Thekla: Ich bin noch gar nicht fertig.
Jana: Du bist noch gar nicht fertig?
Thekla: Mir fällt gerade noch was ein.
Jana: Ja, sag mal.
Thekla: Und zwar finde ich es auch schön, wenn man neue Leute kennenlernt und hier so wie in Gemeinschaft kocht, was wir vorhin schon gesagt haben beim Essen, dass es echt auch eine Bereicherung ist. Man lernt andere Rezepte kennen und wie jeder so drauf ist, wie jeder so lebt, dass man einfach mal was anderes sieht und kennenlernt.
Jana: Ich finde sogar, dass das ein richtig riesengroßer Mehrwert ist, diese Gemeinschaft. Also acht Menschen treffen aufeinander. Gut, ein paar kannten sich vorher. Ich kannte niemanden außer die Künstlerin. Und wir sind sehr unterschiedlich, finde ich. Wir haben ja auch verschiedene Alter. Aber alle, also gerade in den Pausen, dann wird eine gemeinsame Mittagspause gemacht, dann wird abends gekocht, immer zwei. Und dann gibt es Menü und dann wird über Rezepte geredet. Und man unterhält sich auch über alles Mögliche andere, über Bücher, Filme, sonst irgendwas. Und das ist so, man ist sich erst ganz fremd und plötzlich erschließen sich so Geschichten.
Thekla: Und man ist nachher eine richtige Gemeinschaft auch schon.
Jana: Ja, voll, also ganz toll. Und das finde ich schön. Das findest du schön, ich finde das auch schön. Dankeschön.
Diesmal ist wieder einer dabei, der bereits Wiederholungstäter ist, also schon mehrere Male. Hallo, lieber Uwe.
Uwe: Hallo.
Jana: Woher kommst du und was bist du? Stell dich mal kurz vor.
Uwe: Okay, ich bin Uwe aus Berlin. Selbstständig, Elektroingenieur, gestresster Mensch, und suche hier meine Erholung.
Jana: Und du hast das ja nun wirklich schon ein paar Mal gemacht.
Uwe: Ja, genau.
Jana: Wiederholungstäter.
Uwe: Wiederholungstäter mit Leidenschaft.
Jana: Verrate mir bitte den Grund, weshalb du hier diese Workshops mitmachst.
Uwe: Ja, also Kunst, Plastik, Architektur hat mich schon immer interessiert. Man braucht ja irgendwie so ein bisschen einen Ausgleich zu der Elektrotechnik. Und Bauhaus-Fan, und daraus abgeleitet ergibt sich das Gefühl, plastische Sachen herzustellen mit eigenen Händen. Und das fasziniert mich.
Jana: Das findest du schön?
Uwe: Ja, absolut. Ich bin also ein Liebhaber von Plastiken, von Museen, von Kunstfiguren aus der Antike bis in die heutige Zeit. Also Kunst, die auch fantasievoll ist, wo man sich ausleben kann, wo man Ideen entwickeln kann.
Jana: Wie bist du eigentlich auf Susanne gekommen?
Uwe: Ja, ich hatte einen Ort gefunden, wo ich mal war, wo ich mit meiner Frau geheiratet habe, und da lag ein Flyer rum, vor ein paar Jahren.
Jana: Echt, so einfach?
Uwe: Genau. Ich habe allerdings immer schon gesucht, einen Bildhauer oder eine Bildhauerin. Und in Berlin so richtig nichts gefunden, weil ich bin nicht so ein Typ, der mit Kettensägen arbeiten möchte, sondern wirklich mit hier und mit so, und richtig rausgearbeitet, handwerklich, und Formen kreieren möchte. Ich habe tausend Ideen, werde die hoffentlich alle verwirklichen können.
Jana: Super. Ich danke dir, dass du mir das jetzt erzählt hast. So, meine nächste Interviewpartnerin ist die Kristina. Und ich lege mal gleich los. Woher kommst du und was machst du eigentlich in deinem Leben?
Kristina: Also, ich komme jetzt aus dem Norden. Ich bin Physiotherapeutin von Beruf. Und ja, das war's.
Jana: Du kommst aus dem Norden.
Kristina: Und ich pendle zwischen Mülheim an der Ruhr und Norden, wo ich jetzt seit 2019 fest wohne.
Jana: Norden ist eine Stadt. Norden, nicht immer Norden.
Kristina: Immer Norden.
Jana: Ja, stimmt, das hattest du gestern auch schon mal erzählt. Und sag mal, du bist ja nun auch schon zum wiederholten Mal. Wie viele Mal machst du das?
Kristina: Also ich bin zufällig auf diesen Workshop über meine Tochter gekommen, und da waren wir in Birkholz. Also ich war das erste Mal, und da war ich total begeistert. Weil, erst mal, ich arbeite sehr gerne mit der Hand. Also ich finde, alles, was man geschaffen hat mit den Händen, das ist was Besonderes. Und das hat mir so gefallen, dass ich das seit fünf Jahren weitermache. Und das ist einfach in meinem Sommerprogramm, und solange ich lebe, mache ich das.
Jana: Große Begeisterung auch für Susanne.
Kristina: Ja, auf jeden Fall. Susanne ist einfach fantastisch. Ich bewundere ihre Werke, und als Künstlerin, als Betreuerin jetzt der Gruppe ist das schon eine Bereicherung. Ich finde die Gemeinschaft einfach, dass wir uns total gut verstehen. Wir haben wirklich alle hier so gute Beziehungen zueinander, obwohl wir total fremde Menschen sind aus verschiedenen Berufen. Und man hat unheimlichen Austausch, nicht nur was Kunst angeht, sondern auch im anderen Bereich, weil wir zusammen kochen und man erfährt da und da was Neues. Also sehr schön.
Jana: Also der nächste Teilnehmer, der jetzt auch in dem Workshop mitmacht, ist Thomas, und auch er macht das zum ersten Mal. Und ich frage einfach mal so: Wo kommst du her und wie bist du auf diesen Workshop gekommen? Wie ist das zu dir gekommen?
Thomas: Also das ist wirklich eine sehr gute Frage. Ich komme aus Berlin und hätte eigentlich so gar nicht daran gedacht, aber meine Frau hat mir zu Weihnachten einen Workshop geschenkt. Und da konnte ich nicht Nein sagen.
Jana: Sehr lustig. Das ist doch auch mal was richtig Tolles. Und du machst das zum ersten Mal. Und? Wie fühlst du dich dabei?
Thomas: Ich fühle mich sehr gut. Also nicht nur in der wunderschönen Umgebung hier vom Ort Wartin, sondern es macht auch richtig Spaß, in Gesellschaft mit vielen anderen Enthusiasten ein Stück Holz zu zerlegen, mit der Hoffnung, dass man auch hinterher was erkennen kann.
Jana: Ja, ein Stück heute zu zerlegen, das ist ja jetzt wirklich so ein bisschen … Aber was ist denn jetzt ganz genau, wenn du jetzt so sagen würdest: Warum mache ich das, und was ist das, was es für dich bringt?
Thomas: Also ich habe mich über das Geschenk gefreut, weil ich die Zeit dafür habe, und auch über diesen Weg einfach … Ich liebe Skulpturen, habe mir auch schon viele Skulpturen gekauft, in den Garten gestellt, in die Wohnung. Und einfach, um auch die Künstler, von denen ich etwas erworben habe, so ein bisschen wertschätzen zu können, die Arbeit wertschätzen zu können, wollte ich auch mal gucken: Wie ist das eigentlich, mit einem Stück Holz umzugehen, wie geht man an die Arbeit ran, die Technik. Und ja, und das hat mich immer fasziniert, was da so …
Jana: Ist ja auch tatsächlich ein echt schöner Gedanke zu sagen: Ich kaufe mir nicht einfach nur Kunst, sondern ich eigne mir mal an, was an Arbeit da drin steckt. Weil ich glaube, das wird oft echt unterschätzt. Man denkt immer so: Oh ja, man braucht ganz viel Kreativität und man muss so tolle Ideen haben. Aber am Ende ist es ja auch ein Handwerk. Und dieses Handwerk selbst mal auszuüben und das Werkzeug in die Hand zu nehmen und zu sehen, wie ein Objekt entsteht, was man erst mal nur im Kopf hatte, und dann bildet sich das so langsam raus. Das ist ja an sich, also das ist ein toller Gedanke, finde ich, ein ganz schöner Gedanke.
Thomas: Ja, genau so. Und auch fängt man dann auch noch mehr an, seine eigenen Arbeiten, also die Arbeiten der Künstler, die bei mir zu Hause sind, zu lieben.
Jana: Oh, okay.
Thomas: Und daher ist das eine schöne Bereicherung. Und vielleicht bleibe ich auch dabei hängen und werde es auch mal wieder in Angriff nehmen, ein Stück Holz eine schöne Form zu geben.
Jana: Und die achte im Bunde ist jetzt die Ulla. Und Ulla ist auch bereits mehrere Male bei der Susanne zu verschiedenen Bildhauer-Workshops gewesen. Stell dich mal ganz kurz vor, woher kommst du und was machst du?
Ulla: Eigentlich bin ich Rheinländerin, aber dann eben in Darmstadt gelandet. Und ich bin Theater- und Kunstpädagogin. Ich unterrichte eigentlich seit Ewigkeiten Kunst in diversen Malschulen. In der Psychiatrie hatte ich lange ein Atelier. Habe auch noch Regieassistenz, Kostümentwurf gemacht. Und bin so durch die Welt gezogen. Eigentlich immer mit der Kunst.
Jana: Immer mit der Kunst.
Ulla: Und Susanne habe ich dann in Darmstadt tatsächlich 1994 kennengelernt durch unsere Söhne. Und dann haben wir uns angefreundet, und so ist natürlich der Kontakt über die vielen Jahrzehnte auch nach hier, Berlin, bestehen geblieben. Und ich liebe die Kurse bei Susanne, weil es bringt einen künstlerisch auch immer weiter, weil sie ist selber so eine hervorragende Künstlerin. Und kann einfach die Atmosphäre in den Sommerakademien von Konzentration, Ernsthaftigkeit, aber eben auch Freude vermitteln.
Also das ist so eine schöne Gruppendynamik, aber wir arbeiten eben auch ernsthaft an unseren Sachen, und das finde ich so schön. Also das finde ich so gut, dass sie … Sie gibt ihre Unterstützung, wo sie gebraucht wird, aber sie lässt Raum. Und das finde ich einfach eine hervorragende Arbeit, weil sie natürlich als selber bildende Künstlerin auch weiß, wie das ist: wenn man zu viel reinredet, wenn man gar nichts sagt. Und das kann sie einfach. Also sie hat das Gleichgewicht, das ist einfach fantastisch.
Jana: Ich finde ja auch so sehr schön, dass sie praktisch keine Vorgaben macht. Also wir konnten auswählen zwischen zwei verschiedenen Hölzern und so einen Stamm schnappen. Und die einen kamen ja mit ganz klaren Vorstellungen hierher, was sie machen wollen. Und ich kam komplett ohne Vorstellung hierher, was ich machen will. Und sie lässt ja völlig Raum. Also man muss nicht … du machst jetzt, alle machen ein Porträt oder so was. Sondern es ist halt: Jeder macht das, was er möchte oder was sie möchte. Und ich finde es auch so schön zu sehen, wie unterschiedlich sich das alles entwickelt bei den einzelnen Teilnehmern.
Ulla: Ja, und das finde ich auch. Und die Gruppenzusammensetzung ist halt immer wieder spannend und immer wieder inspirierend, weil man ist natürlich auch durch jeden, der neu kommt, inspiriert und sieht: Was macht derjenige? Und man macht natürlich trotzdem immer seine eigenen Sachen. Und das ist wirklich auch sehr, sehr schön. Und man geht mit so einem zufriedenen Gefühl: Man hat was gemacht, was zu einem passt auch.
Jana: Ja, ach, das ist toll. Man hat was gemacht, was zu einem passt. Das ist doch mal ein tolles Schlusswort, würde ich sagen.
Was ich nämlich jetzt noch mache: Ich hole jetzt mal die Susanne, die imaginäre Susanne, von der jetzt schon einige gesprochen haben. Und jetzt kommt die imaginäre Susanne, also die Bildhauerin, die zu diesem Workshop eingeladen hat. Und sie hat mir eben gerade schon verraten, dass sie das seit 30 Jahren macht, seit 1996. Susanne, woher kommst du?
Susanne: Oh je, also woher ich komme, das ist nicht so einfach. Also geboren bin ich in Saarbrücken, willst du das wissen?
Jana: Nö, wo hast du studiert? Du bist ja nun schon sehr lange Bildhauerin.
Susanne: Ja, das stimmt. Also aufgewachsen eher in Oldenburg, aber auch Brasilien, was sehr spannend war, als Jugendliche von 16 bis 18 Jahren. Und dann in München studiert, Bildhauerei. Und dann lange in Darmstadt gelebt und dort eigentlich meine Kurse aufgebaut, aber vor allem Bildhauerei betrieben. Bildhauerkurse waren immer nur im Sommer, ein Kurs eigentlich, und den Rest der Zeit selber produziert.
Jana: Du bist ja dann nach Berlin gezogen. Wir kennen uns übrigens auch aus Berlin, und zwar vom Singen. Wir beide singen zusammen im Chor, weil das ist ja auch immer ganz spannend. Wie kommen die Menschen zu dir? Einer hat mir erzählt, er hätte es zu Weihnachten geschenkt bekommen von der Frau. Der andere hat es als Flyer gefunden, ausgelegt hier im Umfeld. Du bist dann zehn Jahre in Berlin gewesen und bist jetzt aber aus Berlin wieder fortgegangen und in die Uckermark gezogen, nach Wartin, wo ja jetzt auch begeisterte Anhänger dazugekommen sind in Form von Einwohnern. Also ich finde das total klasse, wie sich die Menschen hier zusammensetzen, die in deinem Kurs sind, und auch wie unterschiedlich es ist, dass sie zu dir gefunden haben und dir auch hinterherreisen. Was ist jetzt für dich … ich meine, 30 Jahre ist ja eine ewig lange Zeit, und 30 Jahre solche Kurse zu machen: Was ist das Schönste daran, dass du das immer wieder tust?
Susanne: Ja, also jetzt ganz speziell hier freue ich mich sehr, das machen zu können an einem Ort, der mein Ort ist, also den ich gefunden habe und den ich wunderschön finde und der mich inspiriert. Und ich finde es einfach sehr, sehr schön, diesen Ort anderen zugänglich zu machen. Die können hierherkommen und können sich wohlfühlen und können kreativ arbeiten. Und die Gruppe, die hat ganz viel Dynamik untereinander, von der ich auch profitiere. Also ich genieße es richtig, bin ja sonst sehr viel alleine bei der Arbeit, und ich genieße jetzt diese Woche als volle Kanne Kommunikation, Lachen, sich verstehen, sich gegenseitig unterstützen. Ich habe heute Morgen für mich formuliert:
»Ich schwimme in einem Meer von Freundschaft und Wohlwollen.«
So fühlt sich das gerade an. Und das ist doch mehr, als man sich überhaupt wünschen kann.
Jana: Aber das ist natürlich wunderschön, dass man als Workshop-Herausgeber oder als die Bildhauerin, die das Ganze hier anleitet, auch ein solches großes Wohlbefinden dabei hat. Das ist ja sehr, sehr bereichernd, finde ich. Richtig großartig. Ich finde übrigens auch wirklich sehr, sehr schön diesen Ort. Es ist ein zauberhaftes Fleckchen Erde. Und es ist auch unheimlich schön an diesem Workshop, dass diese sehr, sehr unterschiedlichen Menschen sich dann immer auch zum Essen noch zusammenfinden oder jeweils zwei kochen am Abend, und für alle. Und dann gibt es noch so viel Austausch. Also, weil die Arbeit ist ja schon auch körperlich anstrengend. Also ich habe zwar jetzt keinen tierischen Muskelkater, aber ich merke das und bin immer ordentlich hungrig und auch müde. Und das hat so … also das ist so dieses Gesamtding des Workshops. Das ist an sich auch wirklich so eine ganz große Sache. Kinderferienlager für Erwachsene, hat auch ein Teilnehmer gesagt.
Susanne: Sehr schön. Sehr schön. Man kann sich austoben, man kann sich entspannen, man kann fröhlich zusammen sein. Das ist schön. Und die Menschen sind alle sehr fleißig. Sie sind auch so, genau so: entspannt, fröhlich, fleißig auch. Das ist auch toll zu sehen. Es kommen immer schöne Sachen raus zum Schluss. Am Anfang ist es immer ein bisschen mühselig, aber dann, so am dritten, vierten Tag, dann kommt das Lächeln immer stärker raus. Und das macht mir natürlich auch Freude.
Jana: Ja, das waren die acht Teilnehmerstimmen, plus zuzüglich die Bildhauerin, die den Workshop gibt. Ich finde ja, dass da so viel verschiedene Schönheit drinsteckt, eben in der Gemeinschaft, im Tun, im Lachen, im gemeinsamen Essen, im Entdecken der eigenen Fähigkeiten. Und was ich auch ganz großartig finde, ist, dass so gar keine Konkurrenz in den Dingen drinsteckt. Jeder hat irgendwie so sein ganz eigenes Bild vor sich, was er oder sie erreichen möchte in dieser Zeit. Am Montag dachte ich so: »Gott, was soll das überhaupt werden?« Kein Plan. Heute ist Donnerstag, und ich denke, ich werde nie im Leben fertig. Mal schauen, was am Ende dabei herauskommen wird. Es ist wie so eine kleine Reise, und wie eben schon ein Teilnehmer sagte oder ich eben gerade nochmal wiederholte: Es ist ein bisschen wie Kinderferienlager für Erwachsene.
Viel Entspannung, viel Erholung und voll aktiv. Eine tolle Erfahrung: etwas tun, was ich noch nicht kann, was ich noch nie gemacht habe, ohne mich dem Perfektionismus hingeben zu müssen, ohne sofort eine weltberühmte Künstlerin werden zu wollen. Einfach machen. Das ist schön.