Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Episode #17 | 12. Juni 2026
Macht Angst ein schönes Business?
Maren Martschenko über Angst als Werkzeug, Eigensinn als Wurzel und das Business als schönes Leben.
Selbstständig zu arbeiten gilt als der mutige Sonderweg, als Sprung ohne Netz. Dabei ist es vielleicht das Natürlichste auf der Welt. Nur ganz frei ist dieses freie Arbeiten nie. Es gehört Angst dazu, die vor zu wenig Aufträgen, zu wenig Geld, die Angst, die niemand sieht, wenn nur ein Name auf der Rechnung steht.
Was, wenn diese Angst nicht das Gegenteil eines schönen Business ist, sondern dazugehört? Was, wenn man nicht abhärten muss, sondern durchlässig werden darf? Maren Martschenko, Markenberaterin und seit fast zwanzig Jahren selbstständig, erzählt, warum ihr angeborener Eigensinn von der vermeintlich größten Schwäche zu ihrer größten Stärke wurde, und warum das dicke Fell, das man angeblich braucht, in Wahrheit eine durchlässige Haut ist.
Und am Ende wartet wie immer das Quiz: zwölf Mal »Ist das schön?«, diesmal mit einer Gästin, die ernsthaft den Chiemsee gegen die Ostsee verteidigt.
Maren Martschenko
Maren Martschenko ist Markenberaterin mit Espressostrategie, Autorin, Speakerin und Co-Founderin des Magnetprodukt-Clubs. Ihr Credo: "Marken sind dann erfolgreich, wenn radikaler Eigensinn auf begeisterte Nachfrage trifft." Ihre Wunschkund:innen sind Unternehmer:innen, die keine Lust auf ein Copy-Paste-Business haben und lieber auf eine klare Positionierung, Angebote mit Magnetwirkung und gesundes Wachstum setzen.
Marens Website: https://marenmartschenko.de/
Magnetprodukt-Club: https://magnetprodukt.club/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/zehnbar/
Das Buch »Design ist mehr als schnell mal schön«: https://typografie.de/produkt/design-ist-mehr-als-schnell-mal-schoen/
Blog: https://magnetprodukt.club/2023/01/wie-ich-mir-als-unternehmerin-ein-dickeres-fell-zulege/
Transkript
Jana: Stell dir vor, du stehst auf einem Konferenzflur. Gleich sollst du einen Vortrag halten vor lauter erfolgreichen, durchgestylten Menschen. Aber du trägst keinen Blazer und auch kein Kleid, sondern du trägst einen Bademantel und weiße Frotteeschlappen dazu. Und wirklich nur Bademantel, weiße Frotteeschlappen. Und dann musst du erst noch 10 Minuten warten. Und die fühlen sich natürlich an wie die längste Zeit deines Lebens. Wer freiwillig dahin geht, wo die Angst ist, wo die Angst am größten ist, also der hat etwas verstanden, das mich wirklich brennend interessiert. Meine Gästin hält aber nicht nur außerordentliche Vorträge, sie hat auch ein Buch geschrieben. Und zwar „Design ist mehr als schnell mal schön“. Doch heute hier im Podcast geht es mir nicht um Design, sondern ich möchte mit ihr über das schöne Business sprechen, über Selbstständigkeit und um eine Frage, die meine Gästin und ich beide aus eigenem Erleben kennen, was passiert, wenn man dahin geht, wo die Angst ist. Sie ist Markenberaterin, Autorin und Vortragende. Schön, dass du da bist, Maren Martschenko.
Maren Martschenko: Hallo, schön, hier zu sein.
Jana: Maren, du bist ja auch schon seit über zwei Jahrzehnten selbstständig. Ich auch. Und für die meisten Menschen ist das ein Sprung ohne Netz oder der mutige Sonderweg. Für mich ist es im Grunde genommen das Natürlichste auf der Welt. Wie ist das für dich? Selbstständigkeit, Ausnahme oder der eigentliche Normalzustand?
Maren Martschenko: Nach fast 20 Jahren, ich bin noch nicht über 20, aber fast 20 Jahre selbstständig, ist es der, würde ich sagen, natürliche Normalzustand. Begonnen hat es allerdings mit einem Zufall zwischen einer Festanstellung und einer weiteren Festanstellung. Und es fühlte sich damals gar nicht mutig an, sondern eher selbstverständlich, meinen ersten Auftrag durchzuführen, der ja nur überbrückungsweise stattfinden sollte. Und dann habe ich aber gemerkt, das ist wirklich cool, so zu arbeiten, wie ich das immer wollte und dachte, aber in der Anstellung nie durfte. Wir waren gerade zu einer Zeit, als die Finanzkrise tobte, und Menschen mich fragten, bist du denn bescheuert, dich jetzt in dieser großen Unsicherheit selbstständig zu machen und nicht angestellt zu arbeiten? Und ich dachte, nee, genau, meine Zeit ist jetzt. Also zumal ich wusste, dass in Agenturen die Jobs sicher nicht krisenfest sind. Ich war in der Agentur angestellt gewesen vorher und ich wollte doch lieber gerne selber am Drücker sitzen, wenn ich die Dinge gestalte, die dafür sorgen, dass ich Arbeit habe. Diese Selbstbestimmtheit da drin, die habe ich schnell erkannt, und vielleicht ist es die goldene Seite des Kontrollwahns, der in mir tobt, oder eine große Gestaltungsfreude. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo sich das bewegt. Aber ich mache das jetzt sehr erfolgreich seit fast 20 Jahren und habe eben eine wichtige Lektion gelernt, die auch dazu geführt hat, dass ich den erwähnten Vortrag im Bademantel gehalten habe, nämlich mein Eigensinn, der mir angeboren war, der für viel Widerstand gesorgt hat, der mir entgegengetreten ist, eben die Dinge auf meine eigene Art machen zu wollen oder machen zu müssen. Und lange dachte ich, dass das eine große Schwäche ist, aber das ist eigentlich nur in den Systemen anderer eine große Schwäche. Aber in der Selbstständigkeit ist das eine Riesenstärke, wahrscheinlich meine größte Stärke. Und weil, wenn wir diesem, sozusagen unserem eigenen Sinn folgen, also dem, was uns wichtig ist, wofür wir stehen, dann ist der Weg auch immer richtig. Also der entsteht ja im Gehen. Und dieses Momentum des Vortrags im Bademantel war so etwas, wo ich wusste, wenn ich das mache, werden Türen aufgehen, die ich auf keine andere Art und Weise öffnen kann oder die sich nicht auf irgendeine andere Art und Weise öffnen werden. Und so war das auch. Ich hatte kurz vorher das Buch gelesen von Brené Brown. „Daring Greatly“ heißt das auf Englisch. Und sie erzählte von einer Postkarte, die auf ihrem Schreibtisch steht: Was ist es wert zu tun, auch wenn du damit scheitern könntest? What is worth doing, even if you fail? Und als ich das Buch las, hatte ich noch keine Antwort darauf. Aber als ich nach Berlin fuhr, um diesen Vortrag zu halten, und da ging es um ungewöhnliche Wege, wie Kundinnen zu dir kommen, dachte ich, es wäre doch schlau, die ungewöhnlichste Geschichte zu erzählen, wie Kundinnen zu mir gekommen sind. Nämlich als ich einen Tag im Bademantel genetzwerkt habe, also nackt und im Bademantel. Und noch glaubwürdiger wäre das doch, wenn ich diese Geschichte dann auch nackt im Bademantel erzähle. Ich finde das ja schon schräg. Mutig. Und ich weiß gar nicht, ob, also natürlich, also es gab diese zwei Möglichkeiten. Das ist, es wird für immer im Gedächtnis bleiben. Also das war sicher, es wird für immer im Gedächtnis bleiben. Aber es kann schon auch passieren, dass in diesem Event von ganz vielen hochkarätigen Frauen, die schon viel gesehen und gehört haben, das Ganze lächerlich wirkt und ich so eine Lachnummer werde. Aber dann dachte ich, dann ist das Ziel erreicht. What is worth doing even if you fail? Dann bin ich gescheitert und dann kann ich sagen, ich habe es gemacht. Aber es war eben genau das Gegenteil passiert.
Jana: Aber ich würde da auch tatsächlich gerne mal einhaken, weil … aus heutiger Sicht, das ist ja nun auch schon ein paar Jahre her, wusstest du nicht irgendwo tief in deinem Innern, dass es Türen öffnen würde, also dass es eine kluge Inszenierung ist? Oder hast du wirklich damit gerechnet, dass man dich auch auspult?
Maren Martschenko: Also im tiefsten Innern wusste ich schon, dass da Türen aufgehen werden. Aber weil ich so anders aufgetreten bin als alle anderen, und ich kannte das Event, ich war so zum dritten Mal als Speakerin eingeladen, da habe ich schon gedacht, das könnte passieren. Und eine Person hat auch, nachdem ich drei Sätze gesagt habe, unmittelbar den Raum verlassen. Aber 99 sind geblieben, und ich glaube, 80 haben in den Raum gepasst. Und ich bin noch Jahre später auf diesen Vortrag angesprochen worden, und dass sich das Leben einer Person verändert hat. Und irgendwie wollte ich diese Postkarte sozusagen für mich, den Spruch auf der Postkarte für mich, abhaken können, also sagen können, ich habe das gemacht, also ich wusste, das ist so etwas. Und es war wirklich der Durchbruch zu ganz vielem, mich so verletzlich zu zeigen. Und ich bin extrem daran gewachsen. Also ich würde sagen, das war mein Wachstumsjahr, weil sich danach eben ganz viel ergeben hat. Unter anderem wurde ich eben auch zu einem TED-Talk eingeladen, um über diese Geschichte im Bademantel zu sprechen und eben diese tiefe Erkenntnis für mich zu gewinnen, dass meine vermeintlich größte Schwäche meine größte Stärke ist.
Jana: Was wäre deine vermeintlich größte Schwäche? Der Eigensinn?
Maren Martschenko: Der Eigensinn, genau. Also mit dem ich eben als Kind meiner Eltern, in der Schule und in der Ausbildung doch sehr oft angeeckt bin. Ich habe, als ich gegen Ende meiner Ausbildung eines sehr renommierten Versicherungsunternehmens meine Personalakte mal angeschaut habe, hatte der Personalchef im Bewerbungsgespräch „kapriziös“ über mich aufgeschrieben. Ich musste erst mal nachschauen, was das eigentlich ist. Aber ja, es ist ein Synonym für Eigensinn. Dann dachte ich, ah ja.
Jana: Ist es nicht vielleicht so, dass die Selbstständigkeit, also dass Eigensinn ja irgendwo auch eine Basis für Selbstständigkeit ist?
Maren Martschenko: Voll. Also absolut. Ich habe letzte Woche ja auf LinkedIn auch darüber geschrieben, warum ich das Wort authentisch nicht mag, sondern viel lieber den Ausdruck radikaler Eigensinn. Und ich sehe viele Selbstständige, die so ein bisschen unsicher sind oder ängstlich und sehr stark dann Schablonen von anderen folgen und eine vermeintliche Sicherheit darin suchen, die es aber dort nicht zu finden gibt. Weil natürlich eine Selbstständigkeit dann besonders erfolgreich ist, wenn du einzigartig bist. Also wenn du erkennbar, spürbar, erlebbar dein Eigenes bringst, deine ganzen Stärken einbringst. Weil das schafft die Exzellenz, weil dann bist du mit Freude dabei. Und da gibt es auch keine, also es gibt natürlich mal Umwege, ein Ausprobieren, ein Nicht-genau-Wissen, aber ich habe zu keiner Zeit meiner Selbstständigkeit jemals das Gefühl gehabt, ich wüsste nicht, was ich zu tun habe, oder ich weiß jetzt gar nicht mehr weiter, egal wie unsicher die Welt da draußen ist.
Jana: Da hake ich mal ganz kurz ein, weil das ist nämlich eine Frage, die ich mir tatsächlich auch vorher notiert hatte zu dem Thema Selbstständigkeit. Gab es eigentlich in der ganzen Zeit mal einen Moment, wo du dachtest, das hätte ich eigentlich vielleicht lieber doch besser anders gemacht? Oder ist deine Selbstständigkeit dann irgendwie so selbstverständlich geworden, dass du darüber gar nicht mehr nachgedacht hast?
Maren Martschenko: Ja, die ist tatsächlich selbstverständlich für mich geworden, weil ich glaube, sozusagen mir darin und in meinen Überzeugungen, angefangen von dem allerersten Auftrag, den ich damals eben zufällig über eine Freundin bekommen habe, und alles so gemacht habe, wie ich dachte, dass man das machen sollte. Und zum ersten Mal wurde alles eins zu eins umgesetzt. Der Kunde war hochzufrieden,
Jana: sind Leute noch in Verbindung.
Maren Martschenko: Und etwas geschaffen zu haben, was wirklich trägt, das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Und eine der Grundhaltungen ist immer dabei: Ich arbeite mit meinen Kundinnen und nicht für meine Kunden. Und das war mir so, wo ich dachte, nee, also der weiß doch am besten, was sein Unternehmen kann und wer er ist. Und ich muss ihm doch nicht sagen, wie er die Dinge zu tun hat. Wichtig ist, dass ich alles möglichst schnell lerne. Und dann natürlich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung zum Thema Marke, Strategie, Positionierung, Geschäftsmodell, dass ich da gut durch den Prozess führe. Aber es geht nur miteinander. Deswegen hatte ich zum Beispiel auch nie das Gefühl, ich arbeite alleine. Weil, wie viele andere Selbstständige sagen, ich möchte gerne Teil eines Teams sein oder ich möchte nicht alleine arbeiten. Ich hatte noch nie das Gefühl, ich arbeite alleine. Und ich habe tolle Peers, die ich fragen kann. Ich habe ja auch Netzwerkpartner, um Marken zu entwickeln. Das ist gar kein Alleingang, denn nachher braucht es DesignerInnen wie dich, TexterInnen, FotografInnen. Das heißt, das geht alles so Hand in Hand. Und ich glaube, dieses Gefühl, also steht zwar nur mein Name auf meiner Rechnung, aber trotzdem hatte ich nie das Gefühl, darin alleine zu sein. Und das hat mir auch eine Sicherheit gegeben, dass ich wie in so einem Netz getragen bin, vielleicht auch generell in meinem Leben. Und deswegen bin ich da so selbstverständlich selbstständig. Mein guter Beratungskollege Sascha Theobald sagte mal, selbstständig sein heißt, ständig ich selbst zu sein. Und das fand ich die beste, treffendste Definition für mich. Und ich glaube, das ist eben das, was ich so cool dabei finde,
Jana: dass ich tatsächlich ich sein kann. Ja, und übrigens ist genau dieser Satz, also der Satz, der mir in meiner Selbstständigkeit ja auch immer wieder begegnet: selbstständig sein heißt, ständig selbst zu sein. Und das wird so abgewertet, so ein bisschen despektierlich. Oh, da musst du ja immer mit dir und immer alles alleine und alles und so. Selbst und ständig, ja. Selbst und ständig. Und erstens mal denken die Leute, man arbeitet 24-7, was ich absurd finde. Weil ich bin ja einfach ein Mensch und ich habe ja Rhythmen und Bedürfnisse, die auch anderer Art sind, nicht nur die des Arbeitens. Und dieses Selbstsein ist ja eben gerade die große Freiheit, wenn ich es mal so sagen darf, die große Freiheit, die da drinsteckt, zu sagen, ich kann das eben genau so machen, ich kann das Team zusammensuchen, ich kann mit den Leuten arbeiten. Ich bin auch nie alleine in dem Sinne, wenn ich an Projekten arbeite, weil da gehören immer auch andere Leute dazu. Und ja, also ich kann das voll nachvollziehen. Übrigens, da wir ja mit dem Thema Angst auch gestartet sind, Angst im Business, Angst vor der Selbstständigkeit, kannst du dich, also wie ist das bei dir so mit dem Thema Angst, dann doch mal zu wenig Kunden zu haben, keine Aufträge zu haben, kein Geld zu haben? Ist das für dich, also du hast, ich vermute, du hast im Laufe der Zeit ein System erarbeitet, was dich auch trägt. Oder kennst du die Angst noch?
Maren Martschenko: Voll, also natürlich. Ich bin gar, also grundsätzlich, ich bin ein super ängstlicher Mensch. Ich habe Höhenangst, Angst vor Spinnen. Und natürlich, also es gab auch Phasen, ich hatte mal einen Fahrradunfall und mir ist jemand vors Fahrrad gelaufen, auf dem Radweg. Und diese Person war also wirklich darauf aus, dann von mir ganz viel Geld zu bekommen, und hatte eine Rechtsschutzversicherung und mich verklagt. Und da stand dann irgendwie, kam so ein Brief an, man will jetzt 37.000 Euro von mir, und das fand ich so obszön. Ich dachte, der ist mir doch vors Fahrrad gelaufen. Auf jeden Fall, das zog sich über drei Jahre, bis dieses Gerichtsverfahren entschieden war. Und dieses Damoklesschwert, dass 37.000 Euro von mir sozusagen weggenommen wurden. Aber das war wirklich ein krasser Scheiß, weil ich war alleinerziehend mit drei Kindern. Ich konnte uns, würde ich sagen, ein solides Leben in München finanzieren. Aber 37.000 Euro hatte ich wirklich nicht rumliegen. Und das hat mir Angst gemacht. Gleichzeitig habe ich aber total viel Support erfahren. Also Freunde, Familie haben gesagt, wir helfen dir da, wenn das wirklich so kommen sollte. Und da war ich auch wieder aufgefangen in so einem Netz. Trotzdem hatte ich die Zuversicht in mich, dass das wieder wird. Diese Angst, dass ich nicht genug Kunden habe, das habe ich nicht. Ich mache das ja jetzt das 18. Jahr und weiß, dass immer wieder Kunden kommen. Und eigentlich ist es auch so, dass ich in Krisen eigentlich immer noch mal zu Hochform auflaufe. Also als Corona kam und für viele, für mich auch, innerhalb von einer Woche mit dem Lockdown so viel weggebrochen ist, habe ich mich neu erfunden. Da habe ich dann den Magnetprodukt-Club gestartet, wobei das hieß ja nicht Magnetprodukt-Club, sondern das war ja erstmal eine Selbsthilfegruppe für Selbstständige, die sich in Corona neu erfinden wollen. Und daraus ist dann dieses neue Geschäftsmodell entstanden. Ich habe mich in der Finanzkrise selbstständig gemacht mit dem Credo, man sollte sich auf das Wesentliche und Wirksame konzentrieren, so wie beim Espresso die Essenz des Kaffees das Wesentliche und das Wirksame ist. Und das trägt mich bis heute. Und auch jetzt, wo wir in einer Rezession sind, kommen weiterhin Kunden auf mich zu, weil sie gerade jetzt gut aufgestellt sein wollen. Und ich bin durch diese Gestaltungskraft, die ich in mir trage, und Veränderungsfähigkeit immer in der Lage, mich anzupassen. Deswegen blicke ich immer positiv in die Zukunft.
Jana: Übrigens, also um nochmal auf deinen Angsttext zurückzukommen, du beschreibst ja in dem Angsttext schon auch, dass es sehr wesentlich ist, sich ein dickes Fell, irgendwie auch ein dickes Fell zu entwickeln. Also so, klar, du hast jetzt gerade die Geschichte mit dem Radfahrer erzählt, also du warst Radfahrerin mit dem Unfall, und da geht es ja auch darum, sich ein dickes Fell anzueignen und so ein bisschen. Und alles, was du beschreibst, ist ja sozusagen eigentlich ein bisschen auch das Gegenteil. Das heißt, also was du dort schreibst, bewusst wahrnehmen, atmen, sich selbst spüren, in die Dinge hineinfließen und so weiter. Und das ist für mich ja keine dicke Haut, sondern eher Durchlässigkeit, also eher auch eine dünnere Haut sozusagen. Nicht so abhärten, sondern eher so, wie soll ich sagen, ist das härtere, also ist das weichere, sozusagen das verletzlichere, dann ja in dem Sinne sogar der größere Schutz, also sich da so reinzugeben?
Maren Martschenko: Ich denke, ja. Also das dicke Fell von den Tieren ist ja auch Haut. Also die Haut bleibt ja durchlässig. Also das ist kein Panzer, sondern bei den Tieren schützt sie vor Kälte. Und das meinte ich so ein bisschen mit dickerem Fell, also nicht im Sinne einer Schutzschicht, sondern, das mir bewusst, also in Anführungsstrichen, ein Fell zuzulegen im Sinne von einer Werkzeugkiste, die ich habe, um damit umzugehen. Und du hattest gefragt, ist Selbstständigkeit der mutige Weg? Mut ist ja eben nicht die Abwesenheit von Angst, also in meinen Augen, sondern auch das, was Brené Brown ja in ihrem Buch „Daring Greatly“, wo es vor allen Dingen um das Thema Scham geht, diese Durchlässigkeit herzustellen und das bewusst aufzunehmen, das ist wie so eine, ich sag mal so, weiß ich nicht, vielleicht Ausweichbewegung, oder also immer so diese allererste Hilfe, wenn mich Angst oder wenn mich irgendwas aus der Fassung bringt. Das gibt es ja auch noch, Projekte, die irgendwie plötzlich, die nehmen so eine komische Wendung, und menschliche Enttäuschungen, all das passiert ja im Leben. Sozusagen erste Hilfe, Werkzeugkasten, Füße auf den Boden stellen, atmen, in den Körper atmen, so wirklich den Körper auch zu nutzen, wahrzunehmen, das wird ja oft auch total getrennt. Also als hätten wir in der Arbeit nur einen Kopf und Körper ist irgendwie so auch dabei, aber im Gegenteil, das finde ich ein wahnsinnig hilfreiches Werkzeug. Und dann zu sagen, okay, was ist es genau, was mich beunruhigt, weil darin immer auch der Lösungsweg drinsteckt. Angst ist für mich auch keine Schwäche. Wir leben, glaube ich, schon in so einer Gesellschaft, wo die Mutigen gefeiert werden oder die, die anscheinend angstlos wirken. Ich habe viel mehr Respekt vor Menschen, die sagen, das macht mir jetzt Angst, und dann in der Lage sind, mit dieser Emotion umzugehen, wie wir überhaupt mit allen Emotionen am besten umgehen können sollten. Also nicht nur Freude, Euphorie, sondern auch Unsicherheit, Angst, Wut, und das nicht wegdrücken, sondern damit arbeiten. Und ich habe ja vor einigen Jahren dieses Reflect and Learn für mich eingeführt. Eigentlich ist es so eine Konsequenz aus dem OKR-Framework, ein Zieleplanungstool, mit dem ich gucken kann, bin ich noch auf dem Weg oder nicht? Oder wo bin ich jetzt falsch abgebogen vielleicht? Oder vielleicht auch überraschenderweise richtig?
Jana: Das sind so deine Strategien, die du ja … Genau, und dann ist es wichtig, da zu reflektieren.
Maren Martschenko: Aber ich habe das dann einfach erweitert um emotionale Komponenten. Also nicht nur, wo sind Blocker, sondern wo habe ich auch wirklich Widerstand, wo habe ich Angst, wo war die Freude. Unsere gemeinsame Magnetprodukt-Kollegin Eva Scheller, die sagt ja, folge der Spur der Freude. Und das müssen wir ja wahrnehmen lernen. Also diese Wahrnehmungsschulung. Und das halte ich für eine ganz wichtige Komponente der Selbstführung in der Selbstständigkeit, um auch entscheidungsfähig zu bleiben.
Jana: Und dem Selbst zu begegnen und dergleichen.
Maren Martschenko: dass wir da nicht ausgebremst sind.
Jana: Was ich bei dir auch immer wieder lese und wahrnehme, ist, dass du deine eigenen Kundinnen dafür nutzt, indem sie dir zum Beispiel so eine Dusche geben an Lob oder an, warte mal, du hast das so herrlich, also wirklich so ein Schauer. Die Love-Schauer.
Maren Martschenko: Die Love-Schauer, genau. Ich lasse mir mal von meinen Kundinnen sagen, was sie an mir schätzen, wofür sie mich lieben, wofür sie mich feiern, was sozusagen für sie der große Wert ist, mit mir zusammenzuarbeiten. Und das ist ja auch eine Form, der Angst zu begegnen, also indem ich mir mal bewusst werde, klar habe ich Angst, aber es gibt ja so viel, was ich mir von außen auch holen kann, was mich schützt. Und ich komme auf den Gedanken übrigens, weil du sagtest, dass bei dem Fahrradunfall, bei der ganzen Geschichte mit dem fehlenden Geld am Ende viele Menschen in deinem Hintergrund waren, die gesagt haben, hey, alles gut, wir finden da eine Lösung, wir helfen dir. Ich glaube, dass das zum Beispiel ein ganz schöner Weg ist, sich mit seiner eigenen Angst zu verbinden und in seinem Business einfach auch stabil zu bleiben.
Maren Martschenko: Ich sage ja immer, Marketing ist Beziehungsarbeit. Es geht darum, gute Beziehungen aufzubauen, zu pflegen, weil aus guten Beziehungen gute Geschäfte entstehen. Also das war schon immer so, solange Menschen von Menschen kaufen, ist das der Zyklus, in dem wir uns bewegen. Und diese Beziehungsarbeit, das ist so, dass, ja, also ich kann jeden Tag Beziehungen gestalten, positiv gestalten, egal was um uns herum passiert. Das kann ich. Das ist möglich. Das kann auch ein Gespräch über die Angst sein und sagen, das hat mir gut getan, und gehe gestärkt daraus hervor, aus einem solchen Gespräch. Ich glaube, viele haben das irgendwie gar nicht auf dem Schirm, habe ich manchmal das Gefühl, dass sie über diese guten Gespräche gute Beziehungen pflegen, und dass das das Wichtigste ist, und der Rest ergibt sich daraus. Wenn ich klar positioniert bin, wenn die Leute wissen, was es bei mir gibt, das ist schon die Hausaufgabe, aber ich kann das gar nicht erzwingen. Also dieses Thema Akquise, ich kann nicht Akquise, aber ich sage mal, du kannst doch Beziehungen pflegen, oder? Ja, natürlich. So, dann kannst du auch Akquise. Also das ist nicht, du sprichst wildfremde Leute an, sag, kauf bei mir. Das ist nicht Akquise, sondern es ist eben Beziehungsarbeit.
Jana: Und da ist zum Beispiel dieser Bademantel-Vortrag natürlich, also auf der einen Seite machst du dich total angreifbar, total verletzbar. Auf der anderen Seite zeigst du aber eben auch, hey, hör zu, ich bin angreifbar, ich bin verletzbar, ihr könntet mich jetzt auch einfach mal platt machen hier. Und dann bleibst du aber andersherum im Gedächtnis. Du hast dich positioniert, du hast dich gezeigt in allem und beeindruckst damit. Und das führt ja wiederum dazu, dass das Gegenüber diesen berühmten Satz sagt, so will ich haben, will ich auch. Also, boah, wie macht die das? Und in dem Moment schon hast du ja eine Beziehung, die du aufgebaut hast.
Maren Martschenko: Vor allen Dingen über Jahre tatsächlich. Ja, das bleibt über Jahre. Also das war, glaube ich, 2016 war ich da, also zehn Jahre ist das her. Und die Menschen, die da dabei waren in dem Raum, erinnern sich heute noch. Also Markenversprechen, die lange halten, das ist da definitiv gelungen. Aber es erfordert eben schon auch, dass wir uns in einer gewissen Weise nackig machen. Also im Sinne von zeigen, wer wir sind. Und da sind wir ja wieder bei diesem radikal-eigensinnig-Sein. Das bedeutet aber auch, dass du dir bewusst bist, wer bist du, wofür stehst du, was sind deine Stärken, wo sind deine Grenzen.
Jana: Und damit kommen wir übrigens nochmal auf den zweiten Teil, weil das eine ist ja die Außenwirksamkeit und das so, wie gehe ich auf andere Menschen zu, wie kann ich Kunden für mich begeistern und so weiter. Das andere an der Selbstständigkeit, und ich glaube, das macht vielen auch Angst, und das ist für mich aber auch ein ganz wesentlicher Teil, ist ja, ich muss nicht etwas werden, um wahrgenommen zu werden, sondern, und das beschreibst du nämlich auch ganz, ganz schön bei dir, die Zeit, mein Lernen in der Selbstständigkeit führt ja dazu, dass ich immer stärker genau das entdecke, was längst da ist, was meine Fähigkeiten sind, was meine Kompetenzen, was meine Art ist. Ja. Und du sagst, freilegen wie einen Diamanten aus dem Fels. Also nicht irgendwas, irgendeine Hülle über Hülle helfen, ein Kleidungsstück oder eine Form oder was weiß ich, sondern eher so freilegen. Sich freilegen. Ist das schöne Business, um nochmal auf das Business zu kommen, ist das schöne Business am Ende, also weniger ein Bauen und mehr ein Freilegen für dich?
Maren Martschenko: Also, es ist definitiv ein Freilegen. Das ist nicht immer schön. Nein. Also, das ist nicht immer schön, sich selber freizulegen in seinen, ja, ich sag mal, jede goldene Sonnenseite hat ja immer auch eine Schattenseite, auch damit konfrontiert zu sein, wo sind meine Grenzen, das ist also nicht immer schön, aber ich glaube, dass, ja, also das ist ja mit der Schönheit immer so, dass sie, also ich persönlich finde ja Schönheit immer auch da, wo Brüche sind, und deswegen glaube ich auch so diese Arbeit mit dem Altholz, also wo so, na, da sind Risse drin, und das ist gelebt, das ist so, und das strahlt, aber für mich persönlich war es schön, obwohl es völlig asymmetrisch und eben nicht perfekt ist. Aber ich glaube, es ist die Gestaltungsfreude in der Arbeit, die ich so schön finde, also dass ich tatsächlich etwas gestalten kann, dass ich etwas schaffen kann, gemeinsam mit anderen Menschen. Das ist eigentlich für mich das Schönste. Also das ist dieses, wenn ich auf den Tag zurückblicke, wann war das ein guter Tag oder wann war es ein schöner Tag, wenn das das da drin hatte. Aber eben nicht nur das, sondern dass es mir das schöne Leben ermöglicht. Also dass ich mit, ich würde sagen, mit meiner Hände Arbeit, aber ich arbeite ja gar nicht mit meinen Händen, mit meinem Kopf arbeite, oder mit dem, was ich da in die Welt bringe, dieses wahnsinnig schöne Leben mir ermögliche. Ich wohne ja, mit Kindern aus dem Haus, wohnen wir jetzt am See, am Chiemsee in Bayern. Ich saß gestern Abend mit meinem Mann am Steg und wir guckten auf den See und die Berge und die Schiffe und die untergehende Sonne. Ich hatte diesen Freiraum an Zeit, dort einfach eine Stunde zu sitzen und zu gucken, auf den Tag und die Woche zurückzuschauen, das ist bei uns so ein Ritual, ein gemeinsames, diese Lebensinsel dem anderen zu teilen, wo ich auch wieder so schöne Sachen entdeckt habe in meiner Woche. Und das ermöglicht mir meine Arbeit, also dass ich ortsunabhängig arbeiten kann und mich auf diese Termine freue, die dann kommen, die nächste Woche, unser Gespräch als Wocheneinstieg, die Kundentermine, die dann anstehen und so. Das ist das Schöne. Und dass ich weiß, dass ich das ermöglicht habe, nicht jemand anders. Dass ich zwischendurch eben eine Holzbank zimmern kann, dass ich diesen Freiraum habe, das ist das Schönste für mich dabei. Nicht nur die, also es hat mit der Art, wie ich arbeiten kann, zu tun, dass ich 100% ich sein kann, dass ich mich nicht verstellen muss, dass ich einfach ich sein kann, und dadurch dieses schöne Leben habe. Ich habe auch nicht das Gefühl, ich muss auf etwas hinarbeiten, sondern alles ist eben schon da. Ich muss nichts erreichen. Ich habe bei vielen Selbstständigen das Gefühl, die sind so getrieben. Also irgendwie gibt es so einen Antreiber nach noch mehr Umsatz oder noch mehr Gewinn oder noch mehr, und es ist noch nicht genug. Und das Schöne ist, ich weiß genau, was genug ist, und alles, was, so habe ich das Gefühl in meinem Leben, alles, was ich jetzt noch erlebe, ist Bonus, den ich gerne nehme. Und diese Art von Arbeiten, das lässt mich offen sein für Chancen, für Möglichkeiten, weil ich nicht auf irgendeinem Kurs bin, auf einem Gleis, der mich irgendwo hinfährt in einer Geschwindigkeit, die niemand kontrollieren kann, sondern ich bestimme das Tempo, entsprechend meines Rhythmus.
Jana: Mir kommt, weil du jetzt gleich sagtest, dann auch tatsächlich so eher das Bild, ich habe ja die Möglichkeit zu schauen, wo es Weichen gibt und wo ich auch mal einfach in eine andere Richtung gehen kann. Also ich kann ja viel, viel mehr meiner Neugier folgen oder eben den äußeren Umständen auch einfach folgen. Also auch das hat wieder was mit diesem Weichsein zu tun, mit dieser Beweglichkeit. Nicht, so wird das gemacht, sondern ich kann schauen, was ist notwendig, was wird gebraucht, was brauchen die Kunden. Aber auch, was brauche ich selbst, um damit ein schönes Business führen zu können und schön weitergehen zu können. Ich hatte gedacht, ich komme nochmal auf dein Buch zu sprechen, „Design ist mehr als schnell mal schön“. Wollte aber eigentlich gar nicht so sehr auf das Buch und den Inhalt eingehen, sondern es beschreibt ja, darin beschreibst du ja ganz intensiv die Arbeit von Designern und dass es eben darum geht, nicht irgendwie einfach nur etwas schön zu machen, also Design ist mehr als schnell mal schön, sondern es beschreibt ja, wie komplex das Ganze ist und welche großartigen Fähigkeiten Designer haben, eben also viel umfänglicher, viel größer zu denken und zu sehen und dadurch auch anders zu gestalten. Also das ist schon, und wenn ich das jetzt auf die Arbeit eben überführe, dann würde ich schon auch sagen, die Arbeit, die selbstständige Arbeit, mit meinen Worten würde ich sagen, die ist einfach schön, genau weil ich diejenige bin, die darüber bestimmt. Siehst du das auch so?
Maren Martschenko: Auf jeden Fall. Also in dem Buch schreibe ich ja über die gestaltende Beratung, was für mich der treffendere Begriff ist für Design. Also Design heißt für mich eben, das ist ein Prozess, das ist kein Ergebnis. Und es geht schon gar nicht um ästhetische Schönheit, sondern es geht darum, dass etwas gut funktioniert für Unternehmen. Und dieser Prozess will aber gut begleitet werden von Menschen. Und genau darin sehe ich die große Kraft von DesignerInnen, die eben genau das können, die aus Problemen Lösungen bauen, gestalten. Und da sehe ich die große Kraft. Eigentlich beschreibe ich meine Arbeit, also meinen Beratungsansatz, um festzustellen: Eigentlich berate ich so, wie DesignerInnen das sowieso immer machen. Und ja, wahrscheinlich finde ich es deshalb auch so schön. Aber ich habe diese Freude zu sehen, dass meine Beratung und die Begleitung zu einem schönen Leben von anderen führt, weil sie leichter Entscheidungen treffen können, weil sie sich so sehr darüber freuen zu erkennen, wer sie sind und welchen Wert sie haben. Ich glaube, das ist doppelt schön. Also der Prozess ist schön, auch wenn es nicht immer schön ist. Also eben diese Momente der Erkenntnisse, auch dessen, was eben nicht mehr funktioniert oder wo man vielleicht zu lange dran gehangen hat, das sind natürlich nicht schöne Momente, wichtige Momente. Aber sie führen am Ende zu etwas Schönem. Und ich liebe diese Arbeit. Manchmal denke ich auch, dafür bin ich in die Welt gesetzt worden. Dieses, das bin ich und dafür bin ich da. Und ich suche nicht nach einem Sinn, sondern ich lebe das. Und ich freue mich aber auch so dann an dem, was entsteht. Und das muss eben gar nichts Neues sein, am besten, sondern du findest in dem Ergebnis alles sozusagen, die Wurzeln wieder, das Alte, das Tragende, das Immerwährende, so das, den Kern.
Jana: Das ist aber bei dem Diamanten.
Maren Martschenko: Ja, wobei, also der Diamant, also das ist so ein Bild, das ist natürlich sehr, also das verstehen Menschen sofort. Aber eigentlich, wir sind ja Menschen, keine Steine. Wir sind ja organische Wesen. Vielleicht so die, weiß ich nicht, was ist denn bei den Pflanzen so der Kern, die DNA, also ja.
Jana: Ja, die DNA vielleicht. Aber im Grunde genommen beschreibst du ja, also hast du das jetzt aus meiner Sicht sogar richtig toll beschrieben. Auf der einen Seite beschreibt dein Buch den Prozess, aber auf der anderen Seite ist eben Selbstständigkeit, so wie du sie lebst, so wie ich sie auch lebe, irgendwie einfach ein Prozess, in dem es nicht unbedingt um höher, schneller weitergeht, sondern es ist ein Prozess, in dem sich wie das Leben oder die Arbeit vor einem ausrollt, immer genau den Situationen und Umständen mitgehend, mit diesen Situationen und Umständen, wie sie gerade kommen. Und ja, Krisen gehören dazu und die Angst gehört dazu. Aber das Schöne, das sagtest du vorhin auch, ist ja das Wissen. Es ist nicht so, dass nie wieder Kunden kommen. Es ist halt ein Veränderungsprozess, also entweder durch äußere Umstände, wie zum Beispiel eine Rezession oder eine Pandemie. Aber es entstehen immer wieder ja neue Dinge. Es entstehen, und daraus generieren sich unweigerlich auch immer wieder neue Kunden. Das ist einfach so ein bisschen.
Maren Martschenko: Die sind ja auch schon alle da.
Jana: Ja.
Maren Martschenko: Also ich sage mal so, wenn wir erwachsene Menschen begleiten bei irgendwas, dann sind die alle schon auf der Welt. Also niemand wird jetzt geboren und dann warten wir 17, 18, 20 Jahre, sondern die sind alle schon da. Und was ich wahnsinnig beruhigend finde, also ich muss mir die nicht backen, ich muss mir die nicht bauen, ich muss ihnen nur eine Möglichkeit geben, zu mir zu finden. Ich sag mal, das ist so ein bisschen wie so eine Schneise in diesen Dschungel, diesen dichten Dschungel aus LinkedIn-Nachrichten, im Feed oder im Internet oder im echten Leben. Man muss den Zugang ermöglichen, diese Verbindung aufzunehmen, den Menschen eine Chance zu geben, Vertrauen aufzubauen, das geht ja nicht von jetzt auf gleich. Und wir leben ja in einer Zeit mit zunehmender Unsicherheit.
Jana: Und Geschwindigkeit. Zunehmender Geschwindigkeit, muss man auch dazu sagen.
Maren Martschenko: Also, ja, technologisch verändert sich viel schnell, aber eigentlich ist meine Beobachtung, dass genau in dieser Unsicherheit Menschen sich viel mehr Zeit nehmen für Entscheidungen. Also es ist das Gegenteil. Also wenn wir jetzt sozusagen im Feld der Kundengewinnung schauen, dann geht es ihnen nicht schneller, sondern noch langsamer. Weil die sich mehr Zeit lassen, weil sie eben unsicherer sind. Und die suchen Sicherheit. Deswegen ist das Vertrauen so wichtig. Also das sehe ich eigentlich als meine Hauptaufgabe, sozusagen auch in meiner Außenkommunikation, also erstens diese Schneise zu schlagen in diesem Dickicht, dass sie zu mir finden können über relevante Inhalte, aber auch eine Sicherheit auszustrahlen, eine Zuversicht. So wie ich auch sage, du hast alle Zeit der Welt, dich zu entscheiden, mit mir zu arbeiten. Ich habe da keinen Druck, ich habe da keinen Drang. Ich weiß, was ich kann, und ich weiß, was ich dir bieten kann, aber du musst es auch wollen. Du musst diesen Weg gehen wollen. Und ich halte gar nichts davon, da Leute unter Druck zu setzen. Und ich sehe auch, dass das immer weniger funktioniert. Klar, man kann mit der Angst spielen, der Menschen.
Jana: Verknappung und alles so was.
Maren Martschenko: Ja, Zeitdruck und jetzt oder nie. Aber das führt meines Erachtens nicht zu guten, nährenden, langanhaltenden Beziehungen. Das ist so, ich habe das Gefühl, ich vergleiche das so gerne mit so Instant-Ramen-Nudeln. Meine Söhne, als sie in der Pubertät waren, die hatten so einen schier unendlichen Hunger und irgendwie war nie genug Essen da, also wir hatten also immer Instant-Ramen-Nudeln im Schrank, da mussten die sich nur heißes Wasser aufkochen um 23 Uhr und dann aufgießen, essen. Und so habe ich das Gefühl, suchen manche jetzt auch nach Lösungen, Instant-Ramen-Nudeln. Bei mir gibt es aber keine Instant-Ramen-Nudeln. Bei mir gibt es nährende, nachhaltig gesunde Kost für UnternehmerInnen. Und dafür brauche ich das volle Vertrauen in den Prozess. Und deswegen sehe ich da meine Aufgabe auch in der Kommunikation, die Chance zu geben, das Vertrauen aufzubauen in seinem eigenen Tempo. Und deswegen habe ich das Gefühl, wir sind eigentlich was, also Aufmerksamkeit ist schnell wieder weg, ja, aber Verbindung entsteht noch langsamer als früher.
Jana: Wir leben in einer sehr schnelllebigen technologischen Entwicklung und es fühlt sich alles an, als müsse alles schneller gehen. Aber ich teile ja voll und ganz deine Ansichten, beziehungsweise deine Beobachtungen. Ich würde gerne nochmal ganz kurz, aber auch auf die Selbstständigkeit zurückkommen. Wenn du jetzt, wir sind ja in dem Podcast „Ist das schön“, auf dein Business guckst, was ist denn das Schöne an deiner Arbeit?
Maren Martschenko: Ich darf mein Leben und mein Business so gestalten, dass sie zu mir passen. Das ist, glaube ich, das Schönste. Teil meiner Arbeit ist, dass ich Menschen helfen darf, ihren eigenen Weg zu finden und dabei jeden Tag meinen eigenen Weg ein Stückchen gehe. Also das ist eigentlich das Schönste. Dem, was ich am schönsten finde, Menschen auch dazu zu verhelfen, wenn sie das auch am schönsten finden, ihren eigenen Weg zu gehen. Also das muss man schon mögen. Und dann ist man bei mir richtig. Und das ist das Schönste. Und natürlich weiß ich auch nicht, wer in vier, fünf Monaten oder nächstes Jahr meine Miete bezahlen wird. Aber ich weiß, da kommen immer wieder die Menschen, weil ich diesen Zugang so gebaut habe, sie haben die Möglichkeit anzudocken und sich da einzusortieren und sagen, ich glaube, bei der Maren Martschenko bin ich richtig mit diesem Anliegen. Und wenn das dann eins zu eins so ankommt, wie ich mir das wünsche, wie ich sage, das ist schön, dann ist das einfach schön.
Jana: Dann ist das einfach schön, und das ist ein super schönes Schlusswort. Und damit komme ich nämlich zum Quiz, das ich ja jedes Mal mache mit meinen Gästen. Und das sind zwölf Fragen. Und ich bitte dich darum, mit Ja oder Nein zu antworten. Es gibt da so andere Antwortmöglichkeiten.
Maren Martschenko: Und ich bin gespannt, ob ich das schaffe, nur mit Ja oder Nein zu antworten. Das ist immer wieder ein Vergnügen.
Jana: Wollen wir? Dann starten wir.
Also, findest du Montagmorgen schön? –> Ja.
Kann eine Rechnung schön sein? –> Ja.
Ist es schön, allein zu arbeiten? –> Ja.
Kannst du einen Fehler schön finden? –> Ja.
Ist Eigensinn schön? –> Wunderschön, ja.
Ist ein aufgeräumter Schreibtisch schöner als ein chaotischer? –> Ja.
Findest du es schön, Nein zu sagen? –> Nein.
Ist Angst schön? –> Nein, aber was daraus entstehen kann, wenn man sich einlässt.
Ist ein Espresso schöner als ein Latte Macchiato? –> Auf jeden Fall, ja. Ausrufezeichen.
Ist es schön, gesehen zu werden? –> Ja.
Ist der Chiemsee schöner als die Ostsee? –> Ja. Du fragst ja mich. Na klar. Ganz subjektiv gesehen. Und ich sage dir auch warum. Die Ostsee ist natürlich wunderschön, aber wenn ich über den Chiemsee schaue, sehe ich noch die Berge.
So, die Frage Nummer zwölf lautet: Ist das Wort Personalbranding schön? –> Nein.
Und ich habe eine Bonusfrage: Ist das schön, was wir hier gerade gemacht haben? –> Voll.
Das war doch kein Ja. –> Ja. Ja, das ist schön. Das ist schön, weil ich liebe ja gute Gespräche. Und ich glaube, das war ein gutes Gespräch.
Jana: Ja, super, gerne, freue ich mich. Liebe Maren, es war mir ein ganz großes Vergnügen, wenn ich das sozusagen vom Anfang angucke bis jetzt zum Ende, würde ich die Behauptung in den Raum stellen, dass wir beide die Selbstständigkeit außerordentlich schön finden, mit allen Ängsten, die damit verbunden sind. Ich freue mich total, dass du bei mir warst, und sage Danke.
Maren Martschenko: Ich sage Danke für die Einladung und den ZuhörerInnen fürs Zuhören. Das empfinde ich als großes Geschenk.