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Ist das schön?!

Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Ist das schön?! – Interview mit Simone Naumann – Wo bist du, wenn du fotografierst? … #22

Episode #22 | 7. August 2026

Wo bist du, wenn du fotografierst?

Simone Naumann über die Kamera als Wand zwischen uns und dem Moment, das Sehen als Handwerk und das schönste Bild, das sie nie gemacht hat.

Ein schöner Moment, und schon liegt das Smartphone in der Hand. Festhalten, bevor er vorbei ist. Wir machen das andauernd und treten dabei jedes Mal einen halben Schritt aus dem Moment heraus. Hinter das Display.

Was, wenn genau dieses Festhalten uns den Moment kostet, den wir bewahren wollen? Was, wenn die Kamera unseren Blick nicht schult, sondern sich zwischen uns und das Schöne schiebt?

Darüber spreche ich mit Simone Naumann, Fotografin und Gründerin der SMARTphotoschule. Sie fotografierte bereits mit dem Handy, als die ersten Smartphones noch kaum etwas hergaben, und trotzdem, oder gerade deshalb, fragt sie sich vor jedem Bild: Brauche ich das wirklich? Wir reden übers Weglassen und Löschen, über das Sehen als Handwerk, das man lernen kann, über Bilder, die lügen, und über KI als Werkzeug, das großartig sein darf, solange klar bleibt, was echt ist. Und über das eine Bild, das Simone nie gemacht hat und trotzdem nie vergessen hat.

Am Ende, wie immer, das Quiz. Fünfzehnmal »Ist das schön?«, Ja oder Nein. Ausgerechnet die Fotografin sagt an einer Stelle glasklar Nein, als ich frage, ob es schön ist, sich selbst zu fotografieren. Warum? Hör selbst.

Simone Naumann

Simone Naumann ist Profifotografin, Autorin und Gründerin der SMARTphotoschule. Seit über 20 Jahren beschäftigt sie sich mit visueller Kommunikation, mit Schwerpunkt auf Business-Porträt, Architektur, Inszenierung und Event. Authentische Bildsprache war für sie dabei immer mehr als Technik – sie ist Haltung. 2018 gründete sie die SMARTphotoschule, um dieses Wissen weiterzugeben, heute auch für KI-Bildgenerierung. Sie hat mehrere Sachbücher über Smartphone-Fotografie veröffentlicht, zuletzt 2025 ein Buch über Bildsprache. Simone arbeitet mit Kund:innen im gesamten DACH-Raum, virtuell oder im eigenen Atelier in München, lebt privat in Norwegen.

Website: https://die-smartphotoschule.com/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/simonenaumannfotografie/

Instagram: https://www.instagram.com/simone_naumann_visual/

Instgram: https://www.instagram.com/smartphotokreativ/

Transkript

 

Jana: Ich sitze am Strand und bewundere den Sonnenuntergang. Perfekt, ja.

Sogar ein Schiff schwimmt knapp unter der Horizontlinie vorbei. Und was mache ich? Natürlich, das muss ich fotografieren.

Ich zücke mein Smartphone, schaue auf die Horizontlinie, dass sie auch gerade ist und warte, bis das Schiff auch genau in der Mitte unter dem Sonnenball steht und diese ganze Szene so richtig schön mittig auf dem Bildschirm erscheint. Schaffe ich es, den perfekten Moment im perfekten Foto einzufangen?

Wo war ich, als das Foto entstand? War ich am Strand oder war ich im Smartphone?

Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich ein paar Tage später die Fotos noch einmal anschaue. Und diese Fragen möchte ich heute ins Gespräch tragen. Zwischen dem Leben eines Moments und dem Festhalten eines Moments.

Da liegt eine feine Grenze und die Frage ist schult die Kamera unseren Blick oder schiebt sie sich zwischen das und uns, zwischen dem, was da gerade schön ist. Meine heutige Gesprächspartnerin ist Fotografin, hat die SMARTphotoschule gegründet und mehrere Bücher zum Thema Fotografie geschrieben. Sie ist Expertin für visuelle Kommunikation und auch ein bisschen Weltbürgerin, denn sie lebt sowohl in München als auch in Norwegen.

Herzlich willkommen, liebe Simone.

Simone Naumann: Vielen, vielen Dank für dieses komplett tolle Intro, Jana. Ich bin froh, dass ich hier dabei bin und dass wir heute wirklich meine Lieblingsthemen besprechen.

Jana: Als allererste Frage, was hast du denn zuletzt bewusst nicht fotografiert?

Simone Naumann: Oh, ich glaube jetzt erstmal schweigen hier im Podcast. Ich fotografiere nicht, wenn sich das Licht nicht gut ergibt. Also bei mir muss ein Bild, die Objekte müssen passen, aber es muss auch eine schöne Stimmung sein. Es muss ein schönes Licht sein. Wenn nicht, dann lasse ich es sein.

Jana: Also viele Menschen fotografieren ja tatsächlich wirklich so immer so aus dem Moment heraus, ach ist das schön. Also der Sonnenuntergang, den ich gerade beschrieben habe, der ja wirklich also genau vor einer Woche war. Es war unglaublich, es war impressionistisch, es war der perfekte Abend, warmer Sand, was weiß ich.

Aber die Frage ist ja trotzdem, ist das Leben oder ist das Festhalten von Leben? Also ich finde, das ist so eine Gratwanderung. Bist du ständig dabei zu fotografieren?

Simone Naumann: Ja, ja, ja. Und ich merke so ein bisschen, es wird zur Sucht. Viele haben das.

Raus mit dem Smartphone, ich sehe was Cooles und ich mache ein Foto. Das mache ich sehr oft, wenn die Stimmung passt, wenn der Moment passt. Für mich ist es aber auch eine Art Kommunikation.

Ich zeige es jemandem, spreche mit jemandem darüber. Ich schaue mir auch die Bilder hinterher an und habe auch so eine Art Rückblick. Ich erlebe dann den Moment auch nochmal, wenn er gut fotografiert ist.

Aber es ist in der Tat so, du siehst etwas und denkst in dem Moment, ziehst du das Handy raus, muss ich fotografieren. Mittlerweile bin ich da etwas achtsamer geworden und überlege, brauche ich das jetzt? Oder schaue ich es mir nur an?

Jana: Wenn du den Alltag fotografierst, also du sagtest jetzt gerade, ja, du zeigst es anderen, du schaust es dir auch selber an. Was macht man denn? Es ist ja auch ein bisschen die Frage, wie viele tausend Fotos sind in dem Handy, mit denen ich nie wieder was mache?

Simone Naumann: Ja, das ist richtig. Aber ich muss sagen, was das betrifft, bin ich echt diszipliniert. Ich lösche ganz viel raus. Ich lösche auch sofort wieder raus.

Was macht man? Für mich sind diese Smartphone-Fotos, es ist eine Mischung. Ich mache künstlerische Fotografie damit, Minimalismus, aber auch ganz klein ins Detail gehen.

Du kannst ja mit dem Smartphone, kriegst du so eine gute Qualität, dass du Bilder auch schon drucken kannst. Ich drucke aus. Ich habe so einen ganz kleinen Printer immer bei mir.

Also ich kaufe auch keine Postkarten, sondern ich kaufe mir so Karten, die man dann bekleben kann mit dem Fotopapier, um meine eigenen Momente auch zu verschicken. Also ich mache damit auch viel mehr weiter. Ich mache ein Jahrbuch.

Es klingt banal, das machen sehr viele, aber es ist so ein schöner Moment, wenn wir Besuch kriegen und die Leute nehmen das Buch in der Hand. Du hast sofort Gespräche. Egal welches Lebensalter, ob es mit Kindern ist.

Meine jüngste Enkeltochter ist ein Jahr, wenn ich das Buch raushole. Die kriegt große Augen. Mama, Papa.

Und die hat natürlich nicht so viel Geduld. Aber wir können so viel machen. Das ist Kommunikation.

Und nicht nur Kommunikation, die dann auf der Festplatte liegen bleibt, sondern auch mit denen wir, die uns helfen, weiter zu kommunizieren.

Jana: Da gehen mir gleich mehrere Fragen durch den Kopf. Das eine ist natürlich, wie glücklich bin ich darüber, dass ich Fotoalben von meinen Eltern habe. Du sagst Disziplin. Ich habe die nur wenig. Die Disziplin, auch noch meinen Fotoordner aufzuräumen, ich kaufe mir eher mehr Speicher.

Simone Naumann: Es gibt Leute, die kaufen sich auch neue Smartphones.

Jana: Aber es ist eine Gratwanderung. Also eine Gratwanderung, ich rede jetzt mal nicht vom Business, sondern ich rede tatsächlich ja über den Alltag, über das, was das ständige Fotografieren mit uns macht. Wir verbrauchen unfassbar viel Energie, indem wir andauernd alles fotografieren.

Teilen wir es tatsächlich? Nutzen wir es so, wie du es gesagt hast, wie du es gerade für dich beschrieben hast? Ist das manchmal ein Thema für dich, Nachhaltigkeit?

Simone Naumann: Ja, das ist ein sehr großes Thema, auch wenn wir in Richtung KI-Bilder schauen, dass wir uns wirklich genau überlegen müssen, jetzt wirklich jedes Bild neu reproduzieren? Oder ist mein Prompt wirklich gut genug, dass ich nicht so viel an dem Bild arbeiten muss? Das ist zum Thema Nachhaltigkeit wichtig.

Aber ich gehe das wirklich in der Tat bewusst an. Ich sehe ein Motiv und denke, meine Hand geht schon automatisch so hinten in die Hosentasche rein oder meine kleine Handytasche. Das muss ich festhalten.

Aber meine Challenge ist wirklich, brauche ich dieses Bild? Brauche ich dieses Bild wirklich? und früher haben wir analoge Fotografie gehabt, da sind wir viel sorgsamer damit umgegangen.

Es wurde gut überlegt, was wir fotografieren sowieso. Das Bild wurde ausgedruckt, es wurde eingeklebt. Es hatte einen gewissen Wert.

So wie du sagst, wir haben jetzt die Alben von unseren Eltern und Großeltern, die uns auch ein Stück Lebenserinnerung mitgeben. Auch für uns natürlich selber. Das finde ich ein Thema.

Aber weniger fotografieren und genau überlegen, was mache ich mit dem Bild, das wäre schon sinnvoll.

Jana: Naja und die Frage ist ja tatsächlich abzuwägen, ist der Moment jetzt der gelebte Moment und bleibt er in mir als Erinnerung erhalten oder ist der Moment ein fotografierter Moment? Also wie ich es im Info sagte, wo bin ich dann in dem Moment, wo ich es fotografiere? Wie geht es dir?

Simone Naumann: Ich sehe das Motiv. Ich bin ja Fotografin und ich sehe Motive. Und mein Mann kennt immer so einen schönen Spruch, den ja gerne allen erzählt. Simone hat ein Bild gesehen, das muss ich noch machen. Also so arbeite ich wirklich. Ich sehe ein Foto und dann mache ich es.

Ich bin vor vielen Jahren zurückgegangen nach Hause, habe mir die Kamera geholt, bin an den Ort und habe das Bild gemacht oder habe mir das passende Equipment gesucht. Das brauchen wir alles nicht mehr. Jetzt haben wir das Smartphone. Es liegt eine gewisse Distanz dazwischen. Die haben wir jetzt nicht mehr, aber die sollten wir uns wieder so ein bisschen erarbeiten.

Ganz, ganz oft ist man in der Kamera, aber ganz oft. Das gebe ich für mich ehrlich auch zu, weil mir einfach dieses Festhalten von Motiven, von Momenten, dieses visuelle Storytelling macht mir so einen Spaß, dass ich fotografiere und dass ich auch viel lösche. Das ist nicht ohne. Das macht mir auch wahnsinnig viel Arbeit.

Mein Enkelkind hat mich gefragt, Oma, wieso machst du so viele Fotos? Die war völlig mit dem Kopf geschüttelt, weil am Ende sitzt du dann da und sortierst auch die Bilder alle wieder aus. Es gibt Momente, wenn ich über das Motiv gut nachdenke und mir Gedanken mache, dann bleibt es auch in meinem Kopf und nicht nur auf der Festplatte.

Das heißt, wir müssen uns mit den Motiven ein bisschen mehr auseinandersetzen und die wirklich die Frage stellen, warum fotografiere ich das jetzt?

Jana: Ich habe da sogar auch noch eine andere Theorie. Denn ich habe mal sehr tief in mich hineingehorcht. Wie viel Erinnerung habe ich an meine Mutter?

Was erinnere ich, wenn ich an meine Mutter denke? Ich sehe vor meinem inneren Auge die alte Frau. Also als sie hochbetagt war, vielleicht bis vor zehn Jahren oder so.

Und was ich aber fast nicht mehr erinnere, ist, wie sie als junge Frau war, als ich Kind war. Ich habe eigentlich keine Bilder davon in Erinnerung. Beziehungsweise ich erinnere mich, weil ich Fotos gesehen habe.

Im Grunde genommen erinnere ich mich an Bilder auf Fotos sozusagen, an meine Mutter auf Fotos. Mich beschäftigt schon die Frage, ob das nicht tatsächlich ja wirklich auch die schöne Seite an den Fotos ist, dass sie uns ermöglicht, Dinge zu erinnern, die wir auf natürliche Art und Weise eigentlich nicht erinnern würden.

Simone Naumann: Ja, das ist natürlich ein anderes Thema als diese tägliche Massenfotografie, das Essen fotografieren oder das Spielzeug vom Sohnemann oder so. Aber du sprichst da echt ein ganz wichtiges Thema. Es ist ja im August meine Mutter verstorben und wir haben sie auch begleitet, meine Geschwister und ich.

Und ihr Wunsch war es, die Beerdigung so minimalistisch wie möglich zu halten. Am besten gar nichts. Und ich habe gedacht, das kann ich nicht machen.

das wollte ich auch den Enkelkindern nicht antun. Die brauchen eine Erinnerung an ihre Oma. Die haben ihre Oma geliebt. Und ich habe dann beschlossen, anhand der Fotos, die ich hatte von meiner Familie, von meiner Mutter, von ihrer Jugend, weil viel erzählt hat sie mir auch nicht, aber es gab schon viele Fotos, ihren Lebenslauf so ein bisschen am Grab darzustellen.

Und ich habe aus den Bildern eine Grabrede gemacht. Und die war sehr schön. Das war auch für mich eine Art Verabschiedung.

Also in dem Moment sind Fotos wirklich ganz wichtig. Ja. Wie sollte man sich dann auch anschauen?

Und vielleicht gibt es auch Erzähler und Storys, die man dann mit den Bildern verknüpfen kann.

Jana: Ja, genau. Und dafür sind Fotos schon toll.

Simone Naumann: Ja, ja. Ich sage es auch immer, Menschen, die sich nicht gern fotografieren lassen, denen erzähle ich dann wirklich diese Geschichte, weil das war für mich auch ein Erlebnis. Ich hatte das nicht geplant. Ich habe nur gedacht, wie mache ich jetzt die Grabrede? Ich habe es versprochen, um Gottes Willen. Und dann fielen mir die Fotos an. Ich habe das Thema Fotografie und das Fotoalbum auch in die Rede eingebunden. Was habe ich gesehen? Was habe ich entdeckt? Und das fand ich unheimlich wertvoll.

Jana: Ja, das glaube ich dir. Gehen wir doch mal in eine andere Richtung. Und zwar gerade, also du hast ja mehrere Bücher veröffentlicht, gerade dein letztes jetzt eben vor allen Dingen auch zum Smartphone und Fotografieren mit dem Smartphone.

und da geht es dir ja schon um die Qualität des Fotografierens und darum, den Blick zu schulen. Also wie und auch was wir sehen und das so ein bisschen genauer nachempfinden, also genauer da reingehen in die Thematik. Kann man dann sehen, lernen oder sieht man einfach?

Simone Naumann: Nee, man kann es lernen. Du kannst dir jeden Tag so jede Woche Aufgaben geben, auch mit Farben. Probier es mal aus.

Ich habe das mit Kindern in Ferienworkshops gemacht. Kamera sieht rot. Wir haben einen Tag alles fotografiert, was rot war.

Wir haben das Rot nicht mehr aus dem Kopf rausgekriegt. Ja. Ich habe in meiner Ausbildung, ich habe an der Prager Fotoschule in Österreich Fotografie studiert, war eine Aufgabe in einem Basissemester, eine S-Kurve zu fotografieren.

S in der Landschaft, egal wo. Mein Mann und ich, wir haben jahrelang nur noch S-Kurven gesehen. Also in Wegen, in Bäumen, überall.

Also du kannst das wunderbar trainieren. Und das macht auch wirklich Spaß und du entdeckst die Welt auch nochmal neu. Und plus dazu natürlich die Gestaltung, das, was du siehst, dann wirklich auf den richtigen Platz setzen und mit der richtigen Aufnahmetechnik, Schärfe, Unschärfe, Licht.

Dann noch gestalten, wie das Auge durch das Bild wandert. Und das ist Kommunikation, was du als Fotograf, Fotografin machen kannst.

Jana: Ja, naja, dieses Sehen in einer Szene, was ich erst mal nicht sehe, würde ich fast dazu sagen. Das ist ja das Spannende, indem ich durch das Smartphone gucke, ich fotografiere nun auch sehr gerne und klar, ich habe sehen gelernt. Ich habe mir das Titel schon ausgesucht.

Mit dem Beruf, genau. Mit dem Beruf und ich fotografiere auch sehr, sehr gerne. Und ich finde das total klasse, wie unterschiedlich gesehen wird.

Das kann ich auch zum Beispiel sagen, als ich meinen Mann kennenlernte, haben wir uns Fotos angeschaut, die er auf einer Reise gemacht hat. Und mein Mann schaut komplett anders. Denn ich habe für mich irgendwann mal den Slogan rausgehauen, wie du mit der S-Kurve.

Für mich irgendwie gibt es in meinen Fotos immer die Linie in der Landschaft. Ich habe immer irgendwie Linien integriert. Warum auch immer, keine Ahnung.

Und mein Mann fotografiert eher vorne, hinten, Menschen, Chaos. Also, oder Struktur und Chaos und so. Also so, der hat oft mehrere Ebenen.

Kontraste. Verschiedene Kontraste. Und ja, also ja, Kontraste, genau, Kontraste.

Egal, ob im Thema, im Motto oder auch in der Lichtqualität. Nun hat er sich allerdings auch mit Fotografie beschäftigt. Also das ist auch nicht völlig ungebildet sozusagen, was Fotografieren angeht.

Aber er ist kein Profifotograf.

Simone Naumann: Aber das kannst du ja lernen. Und das auch, was du selber liebst, wirst du auch in deinen Bildern wiederfinden.

Jana: Ja.

Simone Naumann: Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Minimalismus. Auch in der Landschaft. Weißt du, so ein einzelner Baum auf dem Feld, da ziehe ich die Kamera raus.

Und wenn das Licht dann noch stimmt. Ich mag diese ruhigen, minimalistischen Bilder und auch Natur, die strukturiert ist. Das gefällt mir total.

Und nun lebe ich ja seit drei Jahren jetzt in Norwegen und ich habe die Landschaft um mich herum und ich bin eigentlich keine Landschaftsfotografin. Ich sehe den Wald und ich sehe eine Blume und ich mag das und ich fotografiere das, aber es ist jetzt nicht so mein Thema. Also suche ich den Minimalismus in der Natur und das finde ich total spannend.

Jana: Ja, ja. Ja, toll. Und wie geht es dir eben mit der Technik? Ich meine, du hast es schon angedeutet. Ich frage mal anders. Die Menschen, die zu dir kommen oder die dein Buch kaufen, ist das wirklich so, dass man sich mit dem Smartphone, also in die Tiefen des Smartphones reingräbt und tatsächlich an den Stellschrauben schraubt? Wie ist denn da deine Erfahrung?

Simone Naumann: Meine Erfahrung ist, es gibt ganz viele unterschiedliche Gruppen. Viele machen einfach und gucken, was rauskommt. Eine Kundin hat mal zu mir gesagt, manchmal mache ich ein schönes Foto und ich weiß nicht warum. Und deswegen bin ich mehr im Workshop. Das war übrigens dann auch die Einleitung von meinem letzten Buch.

Jetzt erst vor kurzem habe ich eine begeisterte Smartphone-Fotografin kennengelernt in Dresden. Die macht wahnsinnig schöne Bilder. Und die hat sich dasselbe erarbeitet um drei Ecken.

Die hat nicht den fotografischen Weg, wie stelle ich jetzt meine Handykamera ein, sondern die hat sich alle möglichen Tricks überlegt, wie komme ich denn trotzdem zu dem Ergebnis. Und das finde ich so schön, das macht die Smartphone-Kamera so intuitiv. Du kannst auch selber dir eigene Wege suchen.

Deswegen bin ich auch als Profi-Fotografin zur Smartphone-Fotografie gekommen. Weil das Smartphone damals mit iPhone 4, habe ich angefangen, hat ja überhaupt nichts hergegeben. Für mich war immer die Herausforderung, was kann ich aus dieser kleinen Scheibe rausführen, was auch meine große Kamera kann.

Und jeder geht anders ran. Wenn ich aber dann in den Workshops dann schon zeige, wie stellst du das Licht ein? Wie achtest du auf die Schärfe?

Was kannst du in Portrait-Modus noch alles machen, indem du die Schärfe im Hintergrund änderst? Mittlerweile ist das ja jetzt wirklich auch schon Standard gewesen. Aber wie machst du eine Langzeitbelichtung mit dem Smartphone?

Bewegung einfrieren. Dann kommt immer der große Aha-Moment. Also da denken immer viele, wow, so geht es.

Früher war das große Wow, wenn ich gesagt hätte, putz erstmal deine Linse, damit dein Autofokus funktioniert. Das war immer so mein erstes Slogan, erst Linse putzen. Und jetzt ist es, wenn wir so mit dieser Technik kommen, um kreative Fotografie zu machen.

Jana: Also Linse putzen, das kann sehr hilfreich sein. Das weiß ich tatsächlich. Mir geht es, je neuer das Smartphone ist, je perfekter die Kameras werden, bin ich auch ein bisschen genervt. Weil ich merke, dass ich, wenn ich einfach so das Smartphone benutze, der Handyrechner, da kommen wir schon fast zu KI, einfach aus den Fotos etwas macht, was ich nicht wirklich unbedingt wollte. Und ich muss praktisch in die Einstellungen gehen und muss sagen, ich möchte die und die Belichtung oder ich möchte eben den Fokus dahin haben und nicht dahin haben, um meiner Kamera Grenzen zu setzen im Smartphone.

Simone Naumann: Ja, du kannst es aber in den, also bei vielen Modellen kannst du das einstellen, den Grundeinstellungen, dass die KI da nicht zugreift oder dass die Bilder nicht automatisch verschönt werden, bevor du sie überhaupt zu Gesicht bekommst. Aber das ist etwas, was mich auch nervt. Also ich habe da jetzt noch keine Lösung und das wird ja immer mehr.

Ja, das wird immer mehr. Der am Ende vorschreibt, ich denke, das ist eine völlig andere Art von Fotografie, die wir in Zukunft bekommen und umso wichtiger ist es natürlich, sich um Bildsprache zu kümmern, weil wir wahrscheinlich mit unserem Werkzeug, Smartphone-Kamera, irgendwann gar nicht mehr so viel machen können. Sondern unsere eigene Kreativität und Intuition, was sehen wir, was können wir daraus tun, das ist gefragt, um gute Bilder zu machen.

Jana: Womit wird? Das wird die Zukunft sein. Ich meine, früher, als es die normalen Spiegelreflex-Kameras gab, die guten, die gibt es ja heute noch, also nicht früher.

Die Systemkamera. Spiegelreflex gibt es auch nicht mehr. Es gibt nur noch Systemkameras.

Ja, gut, weil ja alles digitalisiert ist. Das ist richtig, ja, Systemkameras. Obwohl sie, glaube ich, aber immer noch auch über Spiegel funktionieren oder nicht mehr.

Doch, ne? Ja, ja. Ich habe keine mehr.

Ich habe tatsächlich keine Kamera mehr. Ich habe sie noch, aber ich nutze sie nicht mehr, weil ich halt alles mit dem Smartphone mache. Aber was zum Beispiel bei den Kameras früher ja wirklich so war, wenn ich zum Beispiel im Hintergrund eine Lichtquelle habe, also meinetwegen ein Fenster, dann ist entweder der Vordergrund total dunkel und das im Fenster sehe ich, was durch das Fenster hindurch scheint, oder umgekehrt, der vordere Bereich ist total scharf und das Fenster erscheint nur noch als weiße Lichtquelle.

Und mit dem Smartphone, ich gucke zwei Sekunden auf mein Display und plötzlich erscheint alles. Und das ist eben das, was ich schon bedauere, wo ich dann eben keinen Einfluss mehr habe. Das ist so ein Beispiel, wo ich so denke, warum macht das mal jetzt diese Dinge?

Simone Naumann: Ja, also ein bisschen Einfluss hast du schon noch, was die Lichtgestaltung betrifft. Du kannst ja immer noch im Live-Bild das Licht anpassen. Andererseits kannst du in den neuen Modellen, hast du schon auch ein bisschen so eine Art Profi-Einstellung drin, dass du das Licht rund einstellen kannst, ohne dass sich das jedes Mal wieder verändert, wenn du die Kamera ausmachst.

Das bringe ich auch gern meinen Kunden bei, wenn die Events fotografieren. Wenn sie sozusagen an einer Stelle viele Fotos machen, kannst du schon von Grund herein die Kamera einstellen und sagen, ich will diese Farbtemperatur, ich will das Licht. Das geht inzwischen schon gut, richtig gut.

Andererseits haben wir immer so diese kleine Sonne auf dem Display, zack, nach oben, nach unten und schon hast du eine ganz andere Bildwirkung. Also das ist uns noch nicht genommen worden, Gott sei Dank.

Jana: Ja, Gott sei Dank. Und ich muss mir dessen aber bewusst sein. Und das ist ja eben auch das Thema.

Ich muss mir dessen bewusst sein. Ich muss es bewusst anwenden. Also auch die Technik.

Ja, absolut. Komme ich doch mal ganz kurz doch in die Ecke künstlicher Intelligenz. Das ist ja praktisch ein zweites Thema, in dem du ja auch schon sehr, sehr tief drinsteckst.

Du hast auch immer wieder Kurse im Angebot gehabt oder auch immer noch, um mit KI Bilder zu erzeugen. Ich habe aber auch mal in einem LinkedIn-Post von dir sehr dezidiert gelesen, Selbstportraits auf gar keinen Fall mit KI. Erzähl mir doch mal einfach ein bisschen was zu dem Thema, was dich da bewegt.

Simone Naumann: Ich bin mittlerweile ein bisschen abgekommen, um mir die einzelnen KI-Tools genau anzuschauen. was kann jedes Tool und wenn ich überlege, wo wir vor einem Jahr waren und was jetzt, Nano Banana, ChatGPT, was diese Tools alles können, jetzt ist es wirklich an der Zeit, genau Klarheit reinzubringen, für was benutze ich diese Bilder und für was nicht. Und da mache ich mich wirklich gerade stark oder erhebe meine Stimme, um auch zu sagen, liebe Kunden, nimm KI-Bilder, nutze sie, aber nicht, um dich persönlich darzustellen, um deine Marke darzustellen.

Das sieht man ja sehr viel auf LinkedIn. Für mich ist KI in erster Linie ein Werkzeug, genau wie die Kamera. Das ist noch ein Stück schwieriger, auch für uns Fotografen, weil wir nämlich jetzt ganz genau beschreiben müssen, was wir eigentlich sehen.

Und wir haben sehen gelernt und ohne Worte kann ich kommunizieren, indem ich die Bilder gut gestalte. Und das genau muss ich jetzt auch gut beschreiben können. Das heißt, es gibt Fotografen, die auch gerade in Midjourney einstellen, welche Kamera haben sie benutzt, welches Objektiv brauchen sie, von welcher Seite kommt das Licht, um genau diese Motive auch zurückzubekommen.

Und die zweite Sache ist, worauf ich mich fokussiere, ist die Bildsprache. Das heißt, hab eine eigene Bildsprache, definiere sie, schreib sie klar nieder, dass sie auch immer wieder Wiederholungen hat, deiner Marke auch entspricht. Und dann kannst du auch viel einfacher dir einen Prompt-Guide erstellen und dann Bilder kreieren.

Keine Porträts, das ist für mich echt ein No-Go. Keine Porträts, keine Live-Berichte mit KI. Man kann Erklärbilder mit KI machen und das geht richtig cool.

Auch Serien. Wir hatten doch mal in unserem Training, da warst du glaube ich dabei, wo eine Kollegin dabei war, die so Fotos vom Kinderschwimmen machte. Und die hat so ein richtig schönes Erklärheft gemacht, um den Kindern gewisse Schwimmübungen beizubringen.

Damals wusste aber die KI dann nie, was ein Bikini ist. Und die hatte immer so einen Träger. Die war immer sozusagen mit halb schulterfreiem Wasser, bis wir dann auf die Idee kamen, der KI zu sagen, nimm doch mal ein T-Shirt und dann kriegt sie plötzlich so einen Bikiniträger in ihrem Wasser.

Das war die Situation, das werde ich nie vergessen. Also solche Sachen kannst du großartig mit KI machen. Was mir richtig gut gefällt, ist Kreativität, kreative, künstlerisch gestaltete Bilder.

Und damit kannst du dich auch gut abheben. Also ich habe jetzt auf Midjourney mir ein Moodboard angelegt mit meinen Farben, mit meinen CI-Farben und die wiederholen sich immer wieder in meinen Bildern. Also ganz abstrakte Fotografie, die aber Momente enthalten, Motive enthalten, die aussagekräftig sind.

Jana: Ja, ich finde, deine Bilder übrigens sind ja immer wie kleine Kunstwerke. Also das ist ja wirklich so. Ja, doch.

Also ich staune immer wieder, also ob das Straßenschluchten, Straßenperspektiven sind oder wie du da so tatsächlich ja deine ganz, ganz eigene Bildsprache aufgebaut hast. Und Bildsprache ist ja so ein Thema. Also du gestaltest ja eben auch Kommunikation mit Fotografie beziehungsweise mit Bildern.

Das ist Authentizität. Das ist so ein ganz wichtiges Thema für dich auch. Kann man denn Bilder, also auch egal, ob jetzt mit KI generiert oder fotografiert, Bilder tragen Werte, oder?

Simone Naumann: Ja, ja. Bilder tragen Werte. Bilder kommunizieren mit deinem Unterbewusstsein.

zu kommunizieren. Du nimmst Bilder auf und es macht was mit dir. Wenn jetzt jemand sagt, ich stehe für Klarheit und er postet ein Bild, was chaotisch ist, was vielleicht auch warme Farben hat.

Du guckst dir das Bild an, du findest das Bild vielleicht auch toll, aber es macht nichts mit dir. Praktisch, es verstärkt die Kommunikation, den Content nicht. Und das ist ja die Aufgabe eines Bildes.

Das heißt, es muss, und das bist du ja als Grafikerin, bist du ja da auch eine Expertin, es muss ein Gesamtpaket ergeben. Und gerade Bilder nehmen wir schneller auf. Das heißt, in unserem Gehirn wird es sofort verarbeitet. Wir haben sofort eine Information, wenn wir ein Bild sehen. Und umso wichtiger ist es eigentlich auch, das entsprechend gut zu gestalten. Das geht los mit der Leserichtung. Wie lesen wir? Wie gestalten wir Licht? Hauptmotiv ist nicht im Licht, sondern vielleicht der Hintergrund ist heller.

Wir schauen immer zuerst in helle Momente in einem Bild. schon wenn du das Licht nicht gut setzt im Bild, ist das Licht, ist das Bild unruhig da geht das Auge vielleicht auf den Hintergrund ah der ist hell dann sehe ich deine Blume, die ist scharf ah ok und ist die Blume jetzt das Motiv um was geht es, dann suche ich weiter und irgendwann steht eine Person vielleicht mit dem Wanderrucksack und im Hintergrund ist dieser hell belichtete Berg das ist für mich im Suchbild, wo das Auge überlegen muss was ist hier die Aussage und das können wir Das können wir, wenn wir ein Foto machen, klar rüberbringen.

Jana: Wie ist das mit der Frage, können Bilder lügen?

Simone Naumann: Ja, total.

Jana: Die können total lügen.

Simone Naumann: Ja, du kannst ja mit Ausschnitten Dinge weglassen, Dinge einfach nicht zeigen. Schummeln. Green Screen.

Ja, du benutzt ganz einfach, statt im Super-Weitwinkel benutzt du Teleobjektiveinstellung, weil du weißt, das zieht die Motive zusammen. Das heißt, bei einer Veranstaltung mit leeren Sitzreihen und vielen leeren Stühlen, die machst du nie mit dem Weitwinkel, weil du da viele leere Flächen hast. Du willst ja zeigen, dass du viele Besucher hast.

Also habe ich früher immer so meine große Kanone, mein Teleobjektiv rausgeholt. Jetzt kannst du es mit dem Smartphone ein bisschen annähern. Du gehst mal nach rechts, nach links.

Und ein Fotograf, Fotografin zeigt ja das, was sie selber sehen möchte, was sie selber sieht und was sie kommuniziert.

Jana: Das ist auch die Frage der Lüge. Ich setze jetzt mal die Lüge tatsächlich in Anführungszeichen, weil ich erinnere mich gut, dass du auf LinkedIn einen Post hattest, auch minimalistisches Bild. Das war, glaube ich, eine Terrassentür.

Auf dem einen Bild saß eine Katze, gleiches Motiv. Auf dem anderen Bild saß ein Hund. Und du fragtest, welches ist echt?

Ich vermute, der Hund, weil du einen Hund hast. Es war nicht zu unterscheiden. Ich fand, es war nicht zu sehen.

Es war nicht zu sehen, dass die Katze praktisch durch KI, vermute ich, dass du das nicht selbst reingeschnippelt hast. Oder dass du zwei Haustiere hast, die genau so da sind. Ja, absolut.

Das ist schon krass. Auch. Also auch daran werden wir uns ja gewöhnen müssen in der Zukunft. Wir können das ja nicht mehr rückgängig machen.

Wir können es ja nicht mehr ausschalten. Wir können uns ja praktisch nie 100% sicher sein, ob das, was auf dem Foto jetzt ist, also wo man früher geschummelt hat, durch andere Brennweiten, durch andere Oder im Labor. Oder im Labor.

Ja genau, durch Abwägen. Das kenne ich auch noch. Oder eben, indem ich einen Ausschnitt wähle.

mir genau überlege, was ich zeige. Das müssen wir heute, das können wir heute immer noch tun. Und ein Profi macht das auch.

Aber mit der KI geht das natürlich noch ein ganzes Ende weiter. Wir können ja ganze Details austauschen.

Simone Naumann: Ja, das machst du auch schon mit dem Handy. Ich hatte jetzt bei meinen Wanderungen in Norwegen hat mich die gelbe Leine meines Hundes gestört auf dem Bild. Der saß so schön auf dem Fels und hat nach unten geguckt.

Dann war diese hässliche gelbe Leine. Da bin ich so mit dem Finger durchgefahren und prompt war die Leine weg. Das ist keine Fotografie mehr in dem Sinne von Fotografie.

Und KI, dafür nutze ich aber auch KI-Referenzbilder für meine Workshops zum Beispiel. Ich habe ein Foto gemacht und möchte Lichtsituationen zeigen. Habe ich natürlich jetzt hier nicht auf meinem Rechner und ich gehe auch nie nochmal los oder fahre jetzt nach Oslo rein, nehme zwei Stunden Zeit, um verschiedene Lichtsituationen zu sammeln, sondern ich gebe dieses eine Bild in die KI ein und sage, mach mir das mit weichem Licht, mit hartem Licht, mit Licht von oben, Licht von unten und Nano Banana oder ChatGPT produziert mir das.

Sowas auch mit dem Hund und dem Katzenbild. Was wir aber jetzt schon haben und da bin ich sehr, sehr froh, ab 1. August tritt ja die Kennzeichnungspflicht von KI-Texten und Bildern in Kraft.

Und die Betreiber, also die Plattformbesitzer, die müssen das ja schon machen. Das sind dann so versteckte Markenzeichen, die in den Bildern sind. Aber auch wir müssen es machen.

Weil am Ende hat es was für mich mit Vertrauen zu tun. Ich würde meinen Kunden nie ein KI-Bild vor die Nase setzen, wo nicht drunter steht, das ist KI generiert. Würde ich nie machen.

Wenn ich etwas beschreibe, eine Situation, wenn ich etwas von meinem Leistungsangebot zeige, dann will ich auch zeigen, dass es wirklich real existiert. Ich habe schon Fotos gesehen auf LinkedIn, Personal Coach, ein Porträt von einer Person. Ich sehe natürlich, dass es KI ist, also noch sehe ich als Fotografin.

Aber wenn diese Person, die diese Dienstleistung verkauft, dann sechs Finger hat. Und da steht nicht drunter KI generiert. Das ist für mich das größte Problem, dass du genau überlegen musst, was verkaufe ich meinen Kunden, wie stelle ich mich dar, ist es vertrauenserweckend.

Jana: Oh, das darf aber nicht mehr passieren, also sowas muss ich einfach sehen, also das ist ja so ganz gruselig.

Simone Naumann: Ja, also es gibt eine gewisse Ethik und Werte und die habe ich als Fotografin. Auch wenn ich Menschen fotografiere, ich würde nie Menschen in einer schlechten Situation darstellen, in einer negativen Situation, ist auch uns Fotografen nicht erlaubt. Da gibt es auch Regelungen.

Das Gleiche gilt auch für Smartphone-Fotografie und das Gleiche gilt auch für KI. Also eine ehrliche Offenheit. Ich schreibe jetzt auch hin, wenn ich es KI bearbeitet habe.

Oft gebe ich hier ein Bild rein und lasse es verändern, mache aus dem Hochformat ein Querformat. Und ich denke, wenn diese Transparenz geschaffen ist, das macht es dann ein bisschen einfacher, auch mit KI ein bisschen entspannter umzugehen. Weil eigentlich ist es ein cooles Tool.

Es ist ein sehr cooles Tool.

Jana: Also für den heutigen Moment würde ich sagen, ist der KI-Act ein unglaublich wichtiges Mittel. Ein wirklich wichtiges Mittel. Ich finde das auch.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es in der Zukunft so sein wird. Es wird eher immer mehr. Irgendwann werden wir darauf gar nicht mehr dezidiert hinweisen müssen, weil es sowieso so ist.

Es gab auch Beispiele in den Trainings.

Simone Naumann: Ich habe ja viel beim öffentlichen Dienst, trainiere ich auch. Ich finde es großartig, was die Leute im Rathaus oder in anderen Instanzen Ideen haben für Social Media Content. Wir möchten darauf hinweisen, es ist glatt im Winter, ihr müsst streuen. Ja, wo willst du jetzt schnell ein Foto her haben? Wir haben dann mit Nano Banana die lustigsten Fotos entwickelt und haben dann zum Beispiel aus dem gleichen Stand und dann vielleicht auch noch ein Frühlingsbild gemacht oder ein Herbstbild. Das dient ja zur Information.

Es ist ja kein Echtheitsfoto hier sowas in dem Moment, sondern ich informiere dich über ein wichtiges Thema und das Bild uns dabei. Und dafür ist es natürlich sinnvoll und dafür ist es eigentlich großartig, das zu nutzen.

Jana: Ja. Switchen wir doch nochmal in der Thematik. Und zwar, du hast es selbst schon im Gespräch angedeutet, beziehungsweise in meinem Intro ist es auch ein klitzkleines Moment schon eingeflossen.

Du lebst in zwei Ländern seit drei Jahren, sagtest du, lebst du in Norwegen. Jetzt ist ja gerade Norwegen, also ich finde Skandinavien zwar schon toll, Und im Moment hast du ausgesprochen viel Licht. Aber die Umkehrung der Medaille bedeutet, du hast in den Wintermonaten extrem wenig Licht.

Lebst du auch im Winter in Norwegen?

Simone Naumann: Ja, leider. Nein, das ist Quatsch. Es ist übertrieben.

Ich lebe ja südlich von Oslo und wir haben dort in den tiefsten Wintermonaten sechs Stunden Licht. Das beeinflusst den Tagesablauf enorm. Das ist nicht viel. Das kann man gut, man steht frühmorgens auf, sitzt halt länger bis mittags am Schreibtisch und nutzt dann das Tageslicht, um rauszugehen. Das kannst du gut organisieren. Was ich aber schon merke, ist die Energie, die dir die Dunkelheit rauszieht.

Und das kommt schleichend. Trotz Sport oder Vitamine nehmen, Tageslichtlampe, also ich gehe jetzt in den vierten Winter, ich weiß jetzt schon, was ich alles brauche. Merkst du das dann erst so ab Februar, März merkst du, wie du immer müde wurdest, wie dir dieses Vitamin B fehlt.

Und also frag mich nicht, wie es den Menschen in Nordnorwegen geht, die ja bei Dauerdunkelheit leben. ja mit Dauerlicht und die haben ja dann im Winter ist es Dauerdunkelheit. Am Polarkreis ist ja die Linie.

Da sind wir auch zweimal durchgefahren. Bei uns hier unten geht es, es wird nicht richtig dunkel im Sommer und ich habe wahnsinnig viel Energie im Sommer. Also das ist so gut.

Wenn Licht kommt, ist die beste Zeit und ich muss einfach schauen, wie man zwei Monate gut überbrücken kann.

Jana: Licht und Energie, ja genau. Andersherum habe ich so einen Moment In Norwegen, das ist doch relativ schneesicher noch, oder? Also man hat doch durch Schnee viel Reflexion, viel Licht, was sozusagen wiedergespiegelt wird. Wie intensiv wirkt das?

Simone Naumann: Sehr, sehr. Das macht unheimlich viel aus. Also gerade in Nordnorwegen, wir haben da Familie zu leben.

Also die brauchen den Schnee, um gut durch den Winter zu kommen. Straßenlaternen, alles reflektiert, alles ist viel heller. Und hier auch, ich schaue hier von meinem Schreibtisch aus in den Wald rein.

Das ist ein Unterschied, ob der im Winter dunkel, schwarz ist oder weiß. Total, das macht großen Einfluss, ja.

Jana: Ein weißer Wald, der dunkle, dunkle Wald oder der weiße Wald. Ja, genau. Wie fotografiert man denn Schönheit, wenn kaum Licht da ist?

Simone Naumann: Das ist eigentlich ganz, ganz schön. Man konzentriert sich mehr auf Linien, auf Strukturen, auf Umrisse. Man muss ja nicht alles fotografieren.

Du hast natürlich im Smartphone, sind wir wieder bei der Smartphone-Kamera, den Nachtmodus, der die Situation zum Tag macht. Aber so ein Feld mit Bäumen herum, also die Bilder habe ich wirklich gemacht und der helle Vollmond drüber. Und unten ist alles in verschiedenen Grautönen.

Und oben der gelbe Mond, das ist einfach fantastisch. Ich fotografiere gerne bei wenig Licht und auch bei Nebel. Weil du dann nimmst die Farben raus aus dem Bild und zeigst damit mehr den Inhalt.

Es wird ruhiger, das Auge fokussiert sich mehr und du zeigst die Linien und Formen mehr. Jetzt überlegen wir uns gerade, wie so ein Bild aussehen könnte.

Jana: Oh, da muss ich gar nicht so lange überlegen. Also vielmehr ist es so, dass tatsächlich mein inneres Bild dann in dem Moment dahingeht, dass ein Nebel in meiner Kindheit, die ich ja zum Teil an der Ostsee zugebracht habe, immer ein fester Bestandteil war. Auch im Sommer mit dem sogenannten Seenebel.

Und dass es kaum noch Nebel gibt. Also ich bin dann gleich wieder in einer Klimakatastrophe. Das ist einfach so.

Alle meine Empfindungen gehen dahin. Und ich jetzt gerade versucht habe mir vorzustellen, also ich habe natürlich Nebelbilder im Kopf, aber Nebel ist echt wirklich selten geworden, richtig selten. Die Luftfeuchtigkeit ist so niedrig.

Also so niedrig. Es gibt so wenig Regen. Und das ist ganz deutlich zu merken an dem Thema Nebel.

Es gibt kaum noch.

Simone Naumann: Und genau diese Motive habe ich jetzt hier in Norwegen zurückbekommen. Wir haben den ganzen Novembernebel. Da gibt es, Da sieht man nicht mal mehr das Nachbarshaus.

Aber ich habe es jetzt auch im Urlaub gehabt in Nordnorwegen am Fjord. Sowas habe ich noch nie erlebt, dass der Fjord, dass die Wolke im Fjord hin. Praktisch unten war ein bisschen Wasser, da kam der Wolkenstreifen und oben drüber war wieder Himmel.

War der Berg. Berge waren dann auch da hinten, genau. Also das war fantastisch, weil du hast zum Beispiel, das war eine riesen Fabrik, du hattest praktisch die Hälfte von einem Kran, hast du nicht gesehen.

Unten war Kran, der spiegelte sich im Wasser und oben guckte die Spitze aus dem Nebelstreifen raus. Ich bin dann sofort ins Hotel, da habe ich dann die große Kamera geholt, weil ich dachte, da ist der Prozess, das Fotografieren mir auch ganz wichtig. Also das war schon toll.

Umrisse, Strukturen. Ja, aber du hast recht, im Süden ist es natürlich anders, dass der Nebel dann sich verflüchtigt recht schnell.

Jana: Ja, ganz lustig, ähnliches Motiv, also noch anders, also so kleine Erinnerungen, auch um wieder an den Strand zurückzukehren, an den Sonnenuntergang. Am Tag, als ich abgereist bin, war ich auch noch mal kurz am Meer, musste in die Fluten springen, schaute und siehe da ein schwebendes Segelboot. Weil das sind natürlich so die Momente, die ich auch immer gerne erinnere, wenn so richtig ganz heiße Tage sind, ganz, ganz heiß und man ist am Strand und alles flimmert so ein bisschen, das Licht vibriert praktisch.

dann passiert es, dass man durch die Spiegelungen, ich weiß nicht, was das jetzt physikalisch gesehen tatsächlich ist, aber dass Schiffe aussehen, als würden sie schweben, als würden sie gar nicht im Wasser sein. Hast du das fotografiert? Nee.

Ich fotografiere tatsächlich nicht alles. Ich gehe manchmal sogar ohne Smartphone aus dem Haus an den Strand und so. Ich habe es meistens dabei, aber ich entscheide mich manchmal bewusst, auf das Smartphone zu verzichten, weil ich auch ein Leben ohne Smartphone führen möchte.

Simone Naumann: Ja, das ist gut, wenn eben die Welt dann ganz, ganz anders war. Und wie gesagt, ich habe es ja anfänglich auch gesagt mit dem Thema Fotografieren, dass ich jetzt auch immer hinterfrage, brauche ich das Bild? Aber auch in Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich so lange überlegt, was habe ich denn für Momente, die in meinem Kopf so hängen geblieben sind. Und das sind tatsächlich die Momente, die ich nicht fotografiert habe. Es gibt ein Bild, das ist natürlich spektakulär. Ich habe lange in den Niederlanden gelebt. Ich bin in Rotterdam gewohnt, Amsterdam gearbeitet, bin früh mit dem Motorrad nach Amsterdam gefahren, über die Felder, über die Landschaftsstraßen.

früh um sechs. Die Sonne geht auf. Ich fahre in so einer Kreisverkehr.

Ganz weit hinten steht eine Mühle, eine Windmühle und dahinter geht die Sonne auf. Der runde Ball. Kriege ich gleich Gänsehaut.

Ich bin dreimal in dem Kreisverkehr gefahren, um mir das Bild immer wieder anzuschauen. Das hat sich bei mir so festgebrannt. Eigentlich bin ich froh, dass ich da die Kamera nie hatte.

Jana: Das verstehe ich. Das ist ein ganz doofer Abschluss. Nein, das ist überhaupt kein doofer Abschluss, sondern das ist so ein ganz tolles Schlussbild, finde ich. Fotografie ist toll und ich liebe es, ich mache es selbst. Ich glaube, wir können uns auch für später sehr bereichern, indem wir eben gute Fotos machen.

Aber wir sollten uns auch unser Erinnerungsvermögen bewahren und dafür ist das ja ein ganz, ganz tolles Beispiel. Das leitet jetzt tatsächlich über zu dem, was ich immer mache. Du erahnst es sicherlich schon, mein Quiz. Zwölf Fragen, die du bitte mit Ja oder Nein beantwortest.

Liebe Simone, ist ein unscharfes Foto schön? → Ja. Wenn es komplett unscharf ist.

Ist dein Selfie schön? → Ja.

Findest du KI-generierte Porträts schön? → Nein.

Ist dein Gesicht mit Falten schön? → Ja. Ja.

Ist ein Foto ohne Schatten schön? → Ja.

Ist ein Moment schön, den man nicht fotografiert? → Ja.

Ist es schön, 30.000 Fotos auf dem Handy zu haben? → Nein.

Ist ein Bild schön, das außer dir niemand je sieht? → Ja.

Ist Dunkelheit schön? → Ja.

Sind Polarlichter schön? → Oh ja.

Und findest du Schnee schöner als Sonne? → Kann ich jetzt gar nicht mit Ja oder Nein antworten. Nein, beides sehr schön.

Ist es schön, im Regen zu fotografieren? → Oh ja, ja.

Und ist es schön, sich selbst zu fotografieren? → Nein. Sehr schwierige Fragen.

Ja, zwei habe ich noch. Findest du es schön, in zwei Ländern zu Hause zu sein? → Ja, sehr, sehr.

Und findest du einen Augenblick in der Erinnerung schöner als auf dem Foto? → Es gibt ja viele Augenblicke.

Jana: Es war jetzt gerade ein sehr, sehr interessantes Thema mit dir, über Fotografie und das Leben zu reden. Ich möchte dir am Schluss noch eine Frage stellen, wo ich dich darum bitte, sie vielleicht sogar in einem einzigen Satz zu beantworten. Was findest du schön an deiner Arbeit?

Simone Naumann: mit guter Bildsprache zu kommunizieren, zu erzählen.

Jana: Aber die Bildsprache ist eben auch eine Ausdrucksform.

Simone Naumann: Es ist die älteste Sprache der Welt. Die Menschen haben ganz ursprünglich mit Bildern kommuniziert, als es noch keine Sprache gab. Und diese Sprache können wir sofort umsetzen, anwenden.

Nur wir nehmen es halt nicht so bewusst wahr, dass unser Gehirn sofort Bilder sieht, wenn wir uns die Werbebilder anschauen. Es gibt so spannende, coole Werbefotografien, die so richtig inszeniert sind, die uns sofort ansprechen, aber wir wissen eigentlich gar nicht, warum. Und das ist halt die versteckte Bildsprache und das finde ich wahnsinnig spannend.

Jana: Das ist ein tolles Schlusswort.

Simone, ich danke dir von ganzem Herzen für dieses wunderbare und auch aufschlussreiche Gespräch

Simone Naumann: Ich danke dir

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