Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.
Episode #7 | 3. April 2026
Das Herz ist kein Organ mit fester Größe.
Eva Scheller über das offene Herz als Weltbeitrag, Stille als Fülle und die Frage, ob man auch einen Laster lieben kann.
Kann man sein Herz offenhalten?
Auch für das, was einem Angst macht? Auch für Menschen, deren Haltungen man ablehnt?
Das klingt nach einer frommen Absicht. Oder nach einer Überforderung. Aber Dr. Eva Scheller würde sagen: Es ist eine Übung. Wie jede andere auch.
Wir üben Sprachen. Wir üben Instrumente. Wir üben, früher aufzustehen. Warum nicht Liebe üben? Freude üben? Schönheit üben?
Eva Scheller ist Gründerin der Inner Education Academy, Autorin, Freude- und Stilleaktivistin und sie unterstützt als Mentorin Frauen in Veränderungs- und Umbruchprozessen. Gerade jetzt bietet sie an, Menschen dabei zu begleiten, sich in sich selbst zu verwurzeln. Herzwurzeln, nennt sie das.
Herzwurzeln. Ich finde schon das Bild ganz toll. Weil das Herz ja in mir ist. Es muss sich also in mir verwurzeln. Tief genug, um offenzubleiben.
In der aktuellen Episode sprechen wir darüber, was das konkret bedeutet: Die Metta-Meditation, die mit dem eigenen Wunsch beginnt “Möge ich glücklich sein.” bevor sie sich nach außen öffnet. Die Frage, ob Stille Enge ist oder Fülle. Und wie sie in einem 15-Tage-Programm Herzwurzeln wachsen lässt.
Dr. Eva Scheller
Eva Scheller ist Gründerin der Inner Education Academy, Autorin, Freude- und Stilleaktivistin und sie unterstützt als Mentorin Frauen in Veränderungs- und Umbruchprozessen. Eva ist überzeugt davon, dass der Weg zur Veränderung zuerst nach Innen führt, denn ohne ein heiles Innen kann es kein heiles Außen geben. Wenn wir uns daran erinnern, was unser ganz eigener und besonderer Beitrag zum Leben in diesen Zeiten ist, sind wir alle Mosaiksteine der Veränderung.
https://inner-education-academy.de
Texte und Bilder: https://eva-scheller.de
LinkedIn: linkedin.com/in/dr-eva-scheller-b7867211b
Herzwurzeln-Kurs – https://inner-education-academy.de/herzwurzeln/
Buch: »Spaziergang zum Hochzeitsbaum und 33 weitere Anstiftungen zur Freude« – https://shop.tredition.com/search/RXZhIFNjaGVsbGVy
Transkript
Jana: Mein heutiger Gast ist der Überzeugung, dass Transformation von innen kommt und dass wir dafür unbedingt unser Herz offenhalten müssen, gerade wenn es eng wird. Als wäre das offene Herz eine Art Weltbeitrag. Den Satz finde ich sehr spannend, den habe ich gefunden bei Dr. Eva Scheller. Sie studierte Juristin und Anwältin, die sich später zur Heilpraktikerin für Psychotherapie weiterentwickelte, als Autorin tätig ist und inzwischen in Norddeutschland lebt. Ihr heutiges Selbstbild ist, ich möchte mal sagen, eine Sammlung vieler Mosaiksteine der Veränderung. Herzlich willkommen, Eva Scheller.
Eva Scheller: Ja, Jana, danke für die Einladung und hallo. Ich freue mich, hier zu sein.
Jana: Du hast Jura studiert, du warst Anwältin und du hast das alles an den Nagel gehängt. Wann hast du gemerkt, dass das nicht dein Weg ist, sondern etwas ganz anderes kommen musste? Und war dieser Moment, als du das bemerkt hast, schön?
Eva Scheller: Dieser Moment war auf jeden Fall überraschend. Und was schön war, war, dass ich dieser inneren Stimme, die mir gesagt hat, ich müsse jetzt das aufhören, was ich tue, gefolgt bin.
Jana: Das macht nicht jeder.
Eva Scheller: Ja, ich weiß, und ich bin am meisten davon überrascht, dass ich es gemacht habe, beziehungsweise anders gewendet. verwendet. Ich glaube, wir alle haben so etwas, was ich die innere Instanz nenne, das innere Management, sage ich gerne, mein inneres Management. Und das innere Management spricht zu uns eigentlich dauernd. Wir hören es nur nicht, weil wir so mit anderen Dingen beschäftigt sind und vor allem mit der Überzeugung, wie es sein soll. und das nicht hören wollen, weil es meistens unbequem ist. Und ich wusste, dass ich das ernst nehmen muss. Warum ich das wusste, das kann ich nicht beantworten. Aber die Botschaft war, ich müsse jetzt aufhören, weil ich sonst richtig krank würde. Und viele Leute, also auch Menschen, mit denen ich arbeite und gearbeitet habe, werden erst krank, bevor sie was verändern.
Jana: Ja. Die Krankheit ist ja dann sozusagen das Bild dafür, dass sich was ändern muss.
Eva Scheller: Es ist eine sehr starke Ausbremsung. Und dann sind wir nochmal anders vor eine Entscheidung gestellt.
Jana: Ich habe dich heute hier in den Podcast eingeladen, weil wir uns schon eine ganze Weile kennen. Ich habe ein Buch für dich gestaltet, das du herausgegeben hast. Und du hast in der Zwischenzeit, in der letzten Zeit, deine Inner Education Academy gegründet. Und im Grunde genommen geht es ja da genau um das, was du gerade beschrieben hast. Und zwar das, was wir als gelernte Muster, als Erfahrungen in uns drin haben, infrage zu stellen. Und mal zu schauen, ist das eigentlich das, was von außen erwartet wird? Oder ist das, was ich wirklich innerlich will? Ich schweife aber ab, denn dich einzuladen hat dein letzter Newsletter bewirkt, in dem eine Überschrift steht, die ich ganz großartig fand, und zwar: Herzwurzeln wachsen lassen. Herzwurzeln wachsen lassen. Ich finde schon das Bild ganz toll, weil das Herz ja in mir ist. ist. Es muss sich also in mir verwurzeln. Und ich kann das sehr, sehr gut nachvollziehen, weil, wie oft verlieren wir uns im Außen? Doch was ist das jetzt ganz genau für dich?
Eva Scheller: Ja, die Frage, die ich mir immer wieder stelle und die für mich auch eine zunehmende Dringlichkeit bekommt, angesichts der Veränderungen in der Welt, die jetzt nicht so zum Besten sind, zumindest was die Nachrichtenlage ausmacht. Und diese Frage ist: Wie kann ich es schaffen, in Balance zu bleiben und nicht dem Angstmuster zu verfallen? Und meine Antwort, die ich immer wieder finde, ist: Wir brauchen eine Verankerung in uns selbst, die uns wirklich trägt. Und wir brauchen eine Verankerung in unseren Herzen. Also wir sind eingeladen, uns selbst im Herzen zu verwurzeln. Und diese Wurzeln immer stärker werden zu lassen, diese Verwurzelung immer stärker werden zu lassen, damit wir eben unsere Herzen offenhalten können.
Jana: Herzen offenhalten können, das ist ja genauso ein Bild wie Herzwurzeln schaffen. Ich stelle mir ein offenes Herz vor, also bildlich. Und was du aber in deinem Newsletter auch ausgedrückt hast, ist ja, dass es uns manchmal so schwerfällt. Und gerade wenn die Nachrichten von außen immer beängstigender werden, wird es noch viel stärker, dass es uns so schwerfällt, die Andersartigkeit anderer Menschen anzunehmen. Das andere Denken, andere Kulturen, andere Sichtweisen zu sehen und sie eher in eine Form von Bereicherung in uns aufzunehmen und nicht in noch mehr Angstschrecken und Ablehnungen zu driften. Und ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb es dir darum geht, das Herz zu verwurzeln, um es offenlassen zu können für das, was von außen an Andersartigkeit auf uns einströmt, was uns ja zum Teil viel Angst macht. Ich würde mich freuen, wenn du das noch ein bisschen mehr erklärst.
Eva Scheller: Also das Thema ist auch dieses Andersartige und Andere, weil bei uns so viel Politik damit gemacht wird, mit Ausgrenzung. Und es bedeutet aber noch viel mehr. Und zwar ist die Frage: Kann ich meine Handlungen in der Liebe wurzeln? Das ist die grundlegende Frage, und zwar bei allen Handlungen. Und die schließen dann auch unliebsame Zeitgenossen ein. Also diese Frage: Kann ich mein Herz offenhalten, auch gegenüber den Menschen, die dafür verantwortlich sind, dass so schlechte Politik gemacht wird für die, die anders sind, für Frauen, für Minderheiten, für Menschen aus der queeren Community und so weiter? kann ich das? Und das ist mein Anliegen. Ich möchte mein Herz immer offenhalten können. Ich möchte nicht, dass die Menschen, über die ich mich natürlich aufrege und deren Handlungen ich natürlich ablehne, meine Gefühle in einer Weise beeinflussen, dass ich in Wut und Zorn und Ohnmacht gehe. Ich möchte die schon auch lieben können. und trotzdem sagen, ich bin nicht einverstanden mit dem, was du tust.
Jana: Das ist ein großes Thema, die Liebe. Und die Liebe offen zu halten, auch für das, was ich sozusagen nicht wirklich gut finde, also mein Herz offen zu halten, das ist schon ein ganz schön anspruchsvoller Ansatz. Ist diese Liebe schön, wenn ich versuche, das zu lieben, was ich eigentlich nicht mag?
Eva Scheller: Ja, das ist schön, weil das ein schöneres Gefühl ist, als in Abwehr und Kampf zu gehen. Also es ist schöner, das Herz liebevoll offen zu halten, als zu hassen und abzuwerten und recht haben zu müssen und zu kämpfen.
Jana: Auf jeden Fall. Das unterschreibe ich sofort. Also, du hast die Herzwurzeln für dich als Sinnbild gefunden. Mein Herz sollte ich in mir verankern können, so gut wie möglich, um es offenhalten zu können, auch für das andere und für das Außen. Jetzt hast du dafür ein neues Programm, einen Kurs entwickelt, der in unterschiedliche Teile geteilt ist, also Meditation und Austausch. Erzähl mir doch mal, was dieses Herzwurzeln-wachsen-lassen als Programm beinhaltet.
Eva Scheller: Also der Grund, warum wir unsere Herzen nicht offenhalten können, ist, dass wir in reaktive Muster gehen. Und reaktive Muster bedeuten, wir sind in einem Überlebensmodus, also im Stressmodus: Kampf, Flucht, sich totstellen. Das sind diese drei Hauptreaktionsformen. Und dann gehen wir aus den Beziehungen raus. und das ist biologisch begründet. Also immer, wenn ich mich über jemanden wahnsinnig aufrege, jemanden wahnsinnig ablehne, dann gehe ich aus dem biologischen Beziehungssystem raus. Das fährt dann runter. Weil, wenn wir im Überlebensmodus sind, dann hat Bindung überhaupt keinen Platz. Da muss ich dafür sorgen, dass ich weglaufen kann, dass ich kämpfen kann. Dann kann ich mich nicht mit Bindung, Verbindung, Beziehung und mit sozialen Kontakten herumschlagen. Deshalb sind Menschen, die in so einer Wut- und Ablehnungsspirale drin sind, auch meistens gar nicht mehr zu erreichen, weil sie aus dem Kontakt, aus dem Bindungssystem, aus dem sozialen Sein herausgehen. Und vor diesem Hintergrund stellt sich immer wieder die Frage, denn natürlich passiert mir das auch, dass ich mich dann so ärgere. Das Mimimimimi, so wie ein kleines Rumpelstilzchen. Und dann stellt sich die Frage: Wie kann ich das schaffen, mich immer wieder so in Balance zu bringen, dass ich dieser Haltung oder diesem Anspruch, den ich an mich habe, nämlich mein Herz offen zu halten, gerecht werden kann? Und dafür gibt es sehr, sehr alte Methoden, die von alten Traditionen geübt worden sind. Du hast die Meditation angesprochen. Ich habe hier eine besondere Form von Meditation, die ich mit in dieses Programm nehme. Das ist die sogenannte Metta-Meditation. Mit der üben wir Metta. Das ist ein alter Begriff aus der altindischen Sprache Pali. Der heißt übersetzt Freundlichkeit und liebende Güte. Und dieses Metta wird anhand von vier Wünschen, die wir innerlich leise sprechen, geübt. Und diese Wünsche, die sprechen wir uns zunächst selber zu. Also in der Tradition geht es mit mir los. Und der erste Wunsch ist: Möge ich glücklich sein. und mit diesem Wunsch übe ich nicht, um eine besondere Gefühlslage herbeizuführen, sondern um einfach zu merken: Was macht denn das mit mir, wenn ich mir sage: Möge ich glücklich sein. Also im Westen sind viele Menschen dann in heller Aufruhr, weil das egoistisch ist und der Esel sich selbst zuerst nennt, aber in diesen alten buddhistisch-tibetischen Traditionen bist halt du erstmal dran, weil, wenn du nicht stabil bist und nicht gut verankert bist, du nichts für andere tun kannst. Und dieser Wunsch oder diese Wünsche werden dann nacheinander anderen Menschen zugesprochen. Und das macht zum einen etwas mit unserem Nervensystem, also es beruhigt uns, und zum anderen unterbricht es negative Gedankenspiralen im Hirn. Also wie Mantren halt auch funktionieren. Das ist die Aufgabe von Metta. Da gibt es tatsächlich auch eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirkweise von Metta-Meditation. Der zweite Punkt ist, kurze körperliche Übungen zu lernen, also Atemübungen zum Beispiel oder auch so Visualisierungen. Ich stelle mir vor, dass ich meine Füße in der Erde verankere und meinen Kopf praktisch in den Himmel. Ich erde und ich himmle mich. Das wäre eine Möglichkeit, sich auszurichten. bestimmte Atemübungen, die aus dem Yoga kommen und die dann in dem Notfallkoffer sind, wenn ich merke, ich verliere es jetzt, also ich kriege jetzt richtig Zustände. Und der dritte Punkt ist, den eigenen Schmerz anzuerkennen, denn ich kann nicht wirklich im Herzen offen sein, wenn ich nicht selber meinen Schmerz anerkenne. Wir drücken das so gerne weg in unserer Kultur. In unserer Kultur geht es immer um Optimierung und alles ist easy und super und fröhlich und so. Und dass ich anerkenne, dass es richtig weh tut, was mir vielleicht im Leben passiert, oder dass die Umstände so sind, wie sie sind, ist ganz wichtig. Und das Anerkennen bedeutet aber nicht, dass ich jammere und ein Opfer bin, sondern das ist die Tür für die andere Seite: Freude kultivieren. Also: Den eigenen Schmerz anerkennen und Freude kultivieren, das sind zwei Seiten einer Medaille. Weil beides immer gleich da ist. Die Freude ist immer da, wenn ich gelernt habe, die zu finden. Im Schmerz gibt es kleine, funkelnde Momente, wo einem das Herz dann wieder aufgeht. Und diese beiden Aspekte, das sind dann die dritte Säule dieses Kurses.
Jana: Ich mag das mal zusammenfassen, wie das jetzt bei mir angekommen ist. Und zwar, was ich sehr spannend finde, ist der erste Gedanke, dass ich als allererstes erst einmal mir selbst gut bin und mich sozusagen in mein Inneres ausrichte. Das finde ich total wichtig, weil ich ja sowieso auch glaube, dass ich nur, wenn ich in meinem inneren Frieden bin, auch nach außen in den Frieden gehen kann. Und der innere Frieden, und da komme ich jetzt gleich auf den dritten Punkt zu, den schaffe ich ja nur, wenn ich es schaffe, tatsächlich mich anzunehmen in all meinen Facetten, wie ich bin und wie es mir gerade geht. Also ohne Opfer zu sein, wie du so schön sagst, den Schmerz, den ich empfinde, bei dem, was ich sehe, was ich erlebe, was ich lese, anzunehmen, in mir selbst zu erkennen, dass der da ist. Und auch wieder eben da in einen inneren Frieden zu gehen und zu sagen: Ja, das bin ich, das ist da, das ist ein Teil davon, von meinem Leben. Und die Metta-Meditation, das finde ich sehr spannend, also Metta, was auch immer. Die wird als Metta-Meditation bezeichnet, tatsächlich. Okay, die erscheint mir in dem Zusammenhang natürlich als ein ganz gutes Hilfsmittel, also eine Möglichkeit, einen Weg zu finden, in mein Inneres zu gehen, in mein Herz zu gehen, in meinem Herzen anzunehmen, was ist, und es zu öffnen, um auch den Raum für draußen haben zu können. Habe ich das so richtig verstanden?
Eva Scheller: Ja, wunderbar. Das ist eine tolle Zusammenfassung, Jana. Danke.
Jana: Diese Metta-Meditation, wo du dir selbst etwas wünschst und dann natürlich auch anderen etwas Gutes wünschst, ist das nicht auch so eine Art Praxis der Schönheit? Gutes und Schönes wird ja auch immer zusammengenommen.
Eva Scheller: Ja, das ist ziemlich sicher eine Praxis der Schönheit, weil ich damit meinen Geist darauf lenke, was mich unterstützt. Und dieses: Möge ich glücklich sein, möge ich gesund sein, möge ich geborgen sein, möge ich in Frieden leben. Das sind alles schöne Wünsche.
Jana: Allerdings, auf jeden Fall schöne Wünsche, ja. Ich finde auch noch ganz interessant, als du mir das erzählt hast, ist mir eingefallen, es gibt eine kleine Übung, die ich anderen Menschen schon mitgegeben habe bei dem Thema, was finde ich schön, bei der Frage, was finde ich schön. Die Übung besteht aus zwei Menschen, die sich gegenüber sitzen, und der eine fragt den anderen: Was findest du schön? Und hat dann die Aufgabe, Zuhörer zu sein. Und der Gefragte, der spricht aus seinem Innern heraus: Was finde ich schön? Und wenn ihm erstmal nichts einfällt – mit der Zeit kommt da schon was. Und das muss gar nicht so lange ausgebaut werden. Und dann wird umgekehrt gefragt: Was hast du gesehen? Also der Zuschauer wird befragt: Was hast du gesehen? Und das ist nämlich das, was ich am interessantesten finde an der ganzen Geschichte, dass der Zuschauer oft feststellt, erst mal als allererstes, wenn jemand gefragt wird, was findest du schön, geht der Blick oft, der geht nach innen. Das Ergebnis ist: Wenn ich gefragt werde, was ich schön finde, gehe ich nach innen.
Eva Scheller: Ja, das ist die Verbindung mit einer Erinnerung an etwas Schönes, würde ich jetzt mal sagen, dieses Nach-Innen-Gehen. Und da liegt meistens ein großer, nicht gehobener Schatz an Schönem in diesen Erinnerungen. Ich gehe gerne mit dem Blick nach draußen bei der Frage, was ich schön finde. Also, ich gucke einfach vor meine Haustüre sozusagen. Wenn ich allerdings im Gespräch bin, so wie du die Situation schilderst, dann würde ich auch erst vielleicht kurz meine Augen schließen, um nachzuspüren, was ich in mir habe an schönen Erinnerungen, schönen Gedanken.
Jana: Und der Witz an der ganzen Sache ist, dass das dazu geführt hat, dass ich sage: Schönheit ist Frieden, weil man nämlich einfach friedlich ist. Und das war letzten Endes die, finde ich, ganz wichtige Erkenntnis für mich. Wenn ich nach innen gehe, werde ich friedlich. Und deswegen erzähle ich das hier, weil dieses Nach-Innen-Gehen ja in mein Herz gehen heißt, also zu mir kommen, in meinen ganz inneren Raum kommen. Und ich glaube, schon alleine der Gedanke, ich setze mich an erste Stelle, ich wünsche mir Gutes, bevor ich es den anderen wünsche. Und das in meinem Inneren, um mich auch zu öffnen, das ist doch schon mal ein ganz großer Schritt zum inneren Frieden, um dann eben auch den Raum für andere zu haben und nach außen gehen zu können. Also ich finde das übrigens überhaupt nicht komisch, dass man sich an die erste Stelle setzen sollte.
Eva Scheller: Ich finde das auch nicht komisch, nur ist es in unserer Kultur nicht so üblich.
Jana: Ja, das stimmt.
Eva Scheller: In dieser fürsorglichen Weise, sich selbst etwas zuzusprechen und damit sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ich finde das einen sehr interessanten Gedanken mit der Schönheit. Das schöne Suchen macht friedlich. Ich habe da so eine kleine Geschichte dazu, die ich gerne erzählen würde. Weil ich tatsächlich schon länger diese Praxis habe, das Schöne zu finden oder das Schöne zu sehen in allem. Auch hier wieder dieses, eines meiner großen Themen ist ja die Nicht-Dualität, also dieses Jenseits von Bewertung sein. Und kann ich das halten? Kann ich das halten auch, wenn es Dinge sind, die ich eigentlich nicht schön finde oder ablehne? und ich war mal in sehr schlechter Laune auf dem Weg in meine Hamburger Praxis unterwegs, zu Fuß, weil es so geschneit hatte, ich konnte nicht mit dem Fahrrad fahren und man kam da ganz schlecht öffentlich hin. Also ich morgens früh schlecht gelaunt durch das verschneite Hamburg stapfen. Und dann gehe ich so eine kleine Straße entlang, so eine Einbahnstraße mit Kopfsteinpflaster, und es brettert ein riesengroßer Laster durch diese kleine, enge Straße, der zu einem Lebensmittelkonzern gehört und in den Supermarkt Lebensmittel gebracht hat. Und ich sehe diesen Laster und es stinkt natürlich, und der ist einfach laut und schmutzig. Und ich habe mich in diesem Moment total in diesen Laster verliebt. Oh, ich war schockverliebt in diesen Laster, weil ich plötzlich, es fiel mir wie Schuppen von den Augen, wie wunderschön das ist, dass es solche Gerätschaften gibt, die von A nach B unsere Nahrung bringen und die bei jedem Wind und Wetter unterwegs sind, und diese Menschen, die diese Laster steuern, also die Menschen, die sie erfunden haben, die Menschen, die sie gebaut haben, die Menschen, die sie steuern, und dass ich dann am Ende Nahrung auf dem Tisch habe. Und das war so ein ganz großes Lehrstück, das mir da geschenkt worden ist. Also ich habe mir das nicht ausgesucht, sondern ich hatte plötzlich wie so eine kleine Erleuchtung. Und das ist überall. Diese Form von Schönheit finden wir auch in dem, was wir vielleicht unangenehm, laut, schlecht riechend und so weiter empfinden.
Jana: Ja, da gehe ich voll mit dir mit. Vor allen Dingen, als du angefangen hast mit deiner Erzählung, war ich natürlich die ganze Zeit darauf aus, von dir zu hören, dass du dann in so einer kleinen Kopfsteinpflasterstraße bist und die Stille, die ja durch Schnee entsteht, genießt. Und plötzlich aus deiner Grumpy-Situation in eine Faszination switcht. Nein, so war es nicht.
Eva Scheller: Und ich war wirklich friedlich nachher. Ich war mit der Welt, so wie sie war, sehr versöhnt nach meiner Grathe-Situation.
Jana: Sehr schön, das finde ich gut. Das finde ich richtig gut. Ich muss nochmal zurückkommen auf deine Meditation, die Metta-Meditation. Weil die ja, obwohl es um das Gute geht, um die guten Wünsche in mir, für mich, für andere, für das Leben, für die Gesundheit, für das Dasein, das klingt für mich alles sehr nach Stille, nach „Ich gehe eben in mich rein“. Also, du willst ja auch das Herz mit Wurzeln verankern. Gleichzeitig finde ich aber, dass eine solche Herzoffenheit ja totale Überfülle ist. Fülle bis Überfülle. Wenn ich mich richtig öffne, dann ist das Fülle. Und nun ist ja die Stille eher was in mich Reingehendes, Enges.Und die Fülle so das gigantische Große. Und stimmst du mir da zu oder siehst du das eher anders?
Eva Scheller: Also nach meiner Erfahrung ist Stille alles andere als eng. Ich glaube, dass tatsächlich alles in der Stille gründet. Auch das Herz. Wir brauchen den stillen Raum, um überhaupt dahin zu kommen, dass wir spüren, was unser Herz sagt, was unser Herz möchte. Und in der Stille ist alles enthalten. Denn wenn ich mich nämlich hinsetze und still bin, vielleicht auch mit einer Frage, die es mir schwerfällt zu lösen, dann kommen die Antworten zu mir. Weil ich dann nämlich genau das höre, was ich sonst nicht höre. Das, worüber ich hinweggehe. Und darin liegt für mich eine unglaublich große Fülle. Weil ich in der Stille bin, bin ich verbunden mit allem, was lebt und was ist, und mit allem, was atmet, und auch mit allem, was nicht atmet, aber unsere gemeinsame Ko-Kreation der Welt ausmacht. Das ist für mich Stille.
Jana: Das ist sehr spannend, weil ich für mich selbst als eine Formder Dimensionen der Schönheit festgestellt hatte, dass Stille die eine Seite ist und Fülle die andere Seite ist. Aber ich hatte in dem Zusammenhang, glaube ich, stärker den Fokus darauf, dass die Fülle etwas Lautes ist. Und da kommen wir dann schon wieder in ein anderes Thema, weil die Stille ist halt still. Aber ich kann das sehr gut nachvollziehen. Also in dem Moment, wo ich in der Stille bin und wo plötzlich alles weg ist, was von außerhalb auf mich einstürmen könnte, in dem Moment erscheint ja alles, was in mir drin ist, und kann plötzlich den Raum einnehmen. Und das kann natürlich ganz schön aufploppen bei dem, was in mir drin ist. Heißt das eigentlich auch, dass das Herz, kommen wir nochmal auf das Herz und die Herzwurzeln zurück, dass das Herz halt eigentlich ein Organ ist ohne feste Größe? Also, man kann ihm eigentlich keine Größe zuordnen, sondern es ist mal riesig und dann geht es wieder kleiner. Ist es so wandelbar und braucht es deshalb Wurzeln?
Eva Scheller: Also meine Idee war eher, dass ich Wurzeln brauche, dass ich Herzwurzeln brauche, weil das Herz immer da ist, und das Herz hat tatsächlich ein vielfach größeres elektromagnetisches Feld als das Gehirn. Also, das Herz wirkt auch, wenn ich mir dessen nicht klar bin. Wir haben einen ganz weiten, großen Herzraum. Und die Frage, wie ich mich damit verbinden kann und wie sich das anfühlt, ob es sich eher offen oder eher geschlossen anfühlt, das ist eine Frage des Zustands meines Nervensystems. Und ich brauche Entspannung, ich brauche Stille, um in diesem Herzraum zu sein. Also, das ist jetzt mein Ansatz und das ist meine Erfahrung. Und ich glaube, dass unsere Herzen ganz groß sind, wirklich ganz, ganz groß sind. Also jetzt natürlich nicht unsere organischen Herzen, da wäre es ja schlecht, wenn wir vergrößerte Herzen hätten, aber unsere spirituellen Herzen, unsere energetischen Herzen. Und das ist ja tatsächlich auch der Brustraum, wo das Herzchakra gesagt wird, dass es sitzt, und dieses elektromagnetische Feld, das jetzt nicht eine spirituelle Erfindung ist, sondern tatsächlich erforscht ist von der Wissenschaft. Das ist ja da. Und ich glaube, wir brauchen mehr Vertrauen in die Kraft unserer Herzen. Aber dieses Vertrauen können wir nur finden, wenn wir keine Angst haben. Also wenn wir nicht in diesem Fight-, Flight-, Freeze-, in diesem Stressmodus sind. Weil im Stressmodus haben wir kein Vertrauen. Das ist ja gerade das Thema, dass das Vertrauen ersetzt wird durch reaktive Muster.
Jana: Ja, damit sind wir nochmal genau da, was wir ganz am Anfang besprochen haben, was du ganz am Anfang erklärt hattest, dass es so wichtig ist. Sehr spannend. Du sprachst vorhin auch von Freude. Kann ich darauf nochmal zurückkommen? Jetzt habe ich vergessen, wie du auf Freude gekommen bist, aber ich weiß, dass ich mich einen Moment lang gewundert habe, dass du sagtest: In dem Moment kannst du auch auf die Freude zurückgreifen, oder ist die Freude die andere Seite? Was war das?
Eva Scheller: Das war dieses Zusammenspiel von dem Schmerz anerkennen und Freude kultivieren. Weil wir leben in dieser Welt, dass entweder ich habe Schmerz oder ich habe Freude. Und das ist nicht wahr. Ich persönlich war schon auf vielen Beerdigungen, und da war Schmerz und da war Lachen, weil es auch eine Feier des Lebens der Person war, die gestorben ist, weil wir uns Geschichten erzählt haben und uns gefreut haben. Und dann haben wir wieder geweint. Und dann haben wir uns wieder Geschichten erzählt und uns erinnert. Und das war schön. Und sowas kennen wir eigentlich alle, dass wir im Schmerz, also wenn wir Angst um jemanden haben oder wenn wir Angst um unsere Gesundheit haben, also wenn irgendwelche Themen kommen, die uns belasten, die uns schmerzen, dann können wir aber trotzdem noch genießen, dass der Kaffee so schön riecht oder der Tee. Und das ist immer gleichzeitig da. Wir haben es nur in unserer Kultur nicht so leicht, solche vermeintliche Paradoxe anzuerkennen und zu pflegen. Und je mehr ich es übe, in der Freude zu sein, desto mehr können auch Freudewurzeln wachsen. Die kann ich auch wachsen. wenn ich das übe, dann fällt mir oft so ein freudiger Augenblick zu. Und zwar, das sind ganz kleine Erlebnisse, Interaktionen. Da läuft eine Ameise über die Terrasse und es sieht so schön aus. Weil dieses Tier genau weiß, was es tut. Also nicht intellektuell, aber es ist so eins mit dem Sinn seines Lebens. Und das ist schön. Und daran kann ich mich freuen. Die Katze, die ist auch eins mit dem Sinn ihres Lebens. Die ist nur unzufrieden, wenn wir ihnen nicht das gute Futter geben. Da ist sie ein bisschen mäkelig. Da ist sie ein bisschen verwöhnt. Ja, genau. Das meine ich damit. Mit diesem eigenen Schmerz anerkennen, Freude kultivieren. Da kam das.
Jana: Ja, und Freude ist schön. Und die Freude steckt genauso wie die Schönheit halt in jedem einzelnen kleinen winzigen Moment. Ich muss lediglich bloß in Anführungszeichen in der Lage sein, in dem Moment die Äuglein zu öffnen und es zu sehen. Ich kann es üben.
Eva Scheller: Genau, ich kann Schönheit üben, ich kann Freude üben, ich kann Freundlichkeit üben, ich kann Liebe üben. Das ist ja das Tolle am Menschsein, dass wir so lernfähig sind. Also nicht nur auf einer intellektuellen Ebene, das meine ich jetzt nicht, sondern auf der verkörperten Ebene, auf der Gefühlsebene, auf der Herzebene.
Jana: Und genau darum geht es halt auch in dem Angebot, was du jetzt dort geschaffen hast, das nämlich zu üben und mal reinzugehen in das. Das wird sich über zwei Wochen hinziehen. Kannst du nochmal ganz kurz erzählen?
Eva Scheller: Das sind 15 Tage, da gibt es vier Live-Calls, wo es um diese jeweiligen Themen geht, und dann am Ende gibt es noch einen Abschluss zum Austauschen. Dann gibt es Impulse per E-Mail und ein Workbook, in dem du alles nochmal nachlesen und dir Notizen machen kannst.
Jana: Toll, tolles Angebot. Ich glaube, wir brauchen viel mehr solche Angebote, um in dieser recht anstrengend merkwürdigen Zeit, in der wir uns gerade befinden, bei uns zu bleiben.
Eva Scheller: Und das Thema ist tatsächlich, dass viele Leute glauben, sie hätten keine Zeit dafür, weil sie Wichtigeres tun müssen. Das finde ich auch immer wieder bemerkenswert, weil wir immer noch auf den schnellen Fix und etwas, was alle die Probleme dann zack löst, warten. Und nach meiner Erfahrung eines schon ziemlich langen Lebens gibt es das nicht. Und ich habe gestern in dem Buch einen wunderbaren Satz gelesen, der hat mir sehr zu denken gegeben und mir sehr gefallen. Und zwar ging es auch um Interviews, und einer der interviewten Menschen hat gesagt: In indigen lebenden Kulturen verbringen die Menschen 30 Prozent ihrer Zeit mit dem, was wir als Arbeit bezeichnen würden. Und den Rest ihrer Zeit verbringen sie damit, durch Rituale, durch Kreativität, dass sie sich mit dem Außen abstimmen und ihre Gefühle auf das Außen einschwingen. Und dann dachte ich mir: Wie toll ist das denn? Wir brauchen diese Regulierung unserer selbst, und es geht, also ich versuche ja immer, das in kleinen Häppchen anzubieten, dass die Menschen sagen: Ja, das kann ich noch irgendwo unterbringen. Nur das Thema ist das: Es wäre ja so wunderbar, wenn wir Zeit hätten, uns damit zu befassen. Mit der Friedlichkeit, die wir durch Schönheit erlangen können, mit der Balance, die wir durch Atem erlangen können, mit dem Lachen, das wir Freude erlangen können, und so weiter.
Jana: Sich Zeit nehmen, ja, das ist auch ein schönes Thema. Zeit, da stimme ich dir völlig zu. Übrigens, ich finde, das war jetzt ein ganz tolles Schlusswort. Aber bevor wir zum Schluss kommen, meine liebe Eva, habe ich in meinem Podcast eine kleine Eigenart, und zwar ein Quiz. Und ich bitte dich jetzt darum, ich habe hier zwölf Fragen. Die sind immer anders. Also nicht bei jedem Interviewten die gleichen, sondern 12 Fragen. Ich werde das nicht auswerten, auch nicht wissenschaftlich. Und die einzige Einschränkung besteht darin, dass du nur mit Ja oder Nein antworten darfst. Geht also ganz fix. Fange ich mal an:
- Liebe Eva, ist Stille schön? –> Ja
- Ist Schmerz schön? –> Ja
- Ist Meditation schön? –> Ja
- Ist ein offenes Herz schön? –> Ja
- Ist Selbstfreundlichkeit schön? –> Ja
- Ist es schön zu schweigen? –> Ja
- Ist Veränderung schön? –> Ja
- Ist Chaos schön? –> Ja
- Ist unbegrenzte Liebe schön? –> Ja
- Und jetzt komme ich noch zur letzten Frage, die ein bisschen abdriftet. Ist es schön, mit einer KI zu sprechen? –> Da habe ich leider so gut wie keine Erfahrung mit. Ich sage mal: Nein.
Jana: Ja, wie wunderbar. Dann haben wir auch ein Nein dabei. Du bist ein sehr lebensfroher, sehr lebensoffener Mensch. Also ich glaube, es ist eine große Bereicherung, mit dir gemeinsam, Dinge zu lernen, zu erfahren und sich weiterzuentwickeln. Dann frage ich dich doch jetzt ganz am Schluss noch in einem Satz mal zusammengefasst: Was ist denn das Schönste an deiner Arbeit?
Eva Scheller: Das Schönste an meiner Arbeit ist, wenn Menschen in Resonanz zu dem gehen, was ich anbieten kann.
Jana: Das lasse ich jetzt einfach so stehen und sage an dieser Stelle ganz herzlichen Dank für deine vielen Gedanken. Und ich wünsche dir einen ganz tollen Kurs, viele Teilnehmer und viele Erkenntnisse, die daraus erwachsen, und ganz feste Herzwurzeln, die dich gut verbinden, und die anderen Menschen natürlich auch.
Eva Scheller: Vielen, vielen Dank, liebe Jana.