Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Episode #18 | 19. Juni 2026
Ich höre dir nicht zu
Ein schöner Gedanke: Über Zuhören als Kampf, Resonanz als Frieden und eine Übung, die beides beweist.
Kennst du das: Mitten im Gespräch bin ich oft schon bei meiner Antwort. Ich höre und sortiere gleichzeitig, gleiche ab, positioniere mich. Das ist kein Zuhören. Das ist ein Gespräch mit mir selbst, das zufällig jemand anderen als Anlass hat.
Was wäre, wenn echter Kontakt genau da beginnt, wo dieses innere Sortieren aufhört? Wenn der Körper loslässt, die Schultern sinken, der Atem ruhiger wird und ich aufhöre, mit meinem Gegenüber wie in einem Tischtennis-Ping-Pong kämpfen zu müssen?
In dieser Episode geht es um Zuhören als das, was es meistens nicht ist. Um den Körper als Resonanzkörper. Und um eine kleine Übung zu zweit, die zeigt, was passiert, wenn ein Mensch sich wirklich zeigen darf, ohne dass jemand sofort antwortet.
Und am Ende bleibt eine Frage, die ich dir mitgebe.
Transkript
Schönheit ist Frieden. … atmen
Schönheit ist Frieden.
Mit dieser wilden These gehe ich seit zwei Jahren in die Welt.
Natürlich ist mir klar, dass diese These wirklich wild ist, denn wenn ich mir die globalen Zustände anschaue und Nachrichten höre, wie soll Schönheit Frieden sein? Aber bevor du mich jetzt ganz und gar für meschugge hältst, spule ich mal ganz schnell zurück vor den Moment, wo dieser Satz aus mir rauspurzelte.
Ich singe in einem Chor und eines der Stücke, die wir sehr, sehr gerne immer wieder vortragen, heißt „Hallo, Hallo“. Es geht ganz kurz zusammengefasst darum, dass sich zwei Menschen begegnen — auf der Straße oder an der Kasse oder wo auch immer — und sagen: Hey, hallo. Und ja, hallo. Und wie geht’s und was macht der Job und ja, muss. Ja, muss ja. Und naja, ist halt. Das Leben ist, wie es ist. Und am Ende trennen sie sich wieder, beide mit hinter vorgehaltener Hand, und denken: Verdammt, woher kannte ich den eigentlich? Ich habe den Namen sogar vergessen.
Das führt natürlich immer wieder zu totalen Lachern. Und genauso flüchtig kommen einem ja oft Gespräche vor, beziehungsweise Begegnungen. Und wenn das dann mal nicht so ist, ja, dann passiert etwas.
Neulich ist mir etwas passiert, wo genau das Gegenteil stattfand. Mir wurde gesagt, in einem kurzen Gespräch, ich werde beneidet. Mein Gegenüber sagte mir — es war ein Mann —, er beneide mich darum, dass ich ein solches Thema habe, dass ich eine solche Passion habe, dass ich immer wieder über Schönheit spreche und dass sich das so durchzieht durch mein Leben. Ich höre ja irgendwie nicht auf, über Schönheit zu reden. Ich kann das gar nicht.
Und natürlich habe ich auch andere Themen, aber es kommt immer wieder durch. Und wenn ich über Schönheit rede, dann würde ich — so die Aussage meines Gegenübers — erstrahlen. Weil ich eben nicht aufhören kann, weil ich so richtig mittendrin bin, weil ich anfange, nicht nur mit Worten zu sprechen, sondern mit meinem ganzen Körper. Denn in dem Moment tue ich etwas, was ich nicht nur tue, sondern was ich bin. Also vollkommen durchdrungen von dem Thema Schönheit.
Und in dem Moment habe ich ein bisschen innegehalten. Was ist da jetzt gerade passiert?
Ich spule nochmal ein bisschen zurück. Bin ich eine gute Zuhörerin? Ich behaupte ja, ich behaupte, dass ich ziemlich gut zuhören kann. Und doch erwische ich mich natürlich dabei, dass ich in Gesprächen immer schon nachdenke, was ich antworte, dass ich denke, ich weiß eigentlich schon, was mein Gegenüber mir sagen will, und ins Wort falle. Dass ich in meinem Innersten, wenn es zum Beispiel unbekannte Menschen sind, mit denen ich in einer Runde sitze, nach Antworten suche, die möglichst klug klingen oder dass ich etwas Sinnvolles beitragen will oder auch wie ich meine Gegenhaltung, meine Gegenmeinung vortragen kann.
Das heißt, in Gesprächen bin ich immer auch sofort nicht nur mit meinem Gegenüber beschäftigt. Ich höre sozusagen gar nicht zu, sondern ich gleiche ab. Ich bin mit mir beschäftigt. Es ist ein Ping-Pong. Vielleicht kennst du das — mit Sicherheit kennst du das. Dieser Schlagabtausch. Jedenfalls ist das kein tatsächliches Zuhören. Das ist kein Gespräch mit dem Gegenüber, sondern das ist ein Gespräch mit mir selbst.
Moment, ich spule jetzt mal wieder ein bisschen vor. Denn was wäre, wenn echter Kontakt in dem Moment beginnt, wo eben jene Bewertung, jene Selbstreflexion, jenes Ping-Pong aufhört? Wenn ich mich auf mein Gegenüber wirklich einlasse, ihm wirklich zuhöre.
Denn im Grunde genommen weiß ich: Wenn es um eine wirklich relevante Antwort geht, taucht in meinem Inneren sofort eine Antwort auf, wenn ich sie brauche. Ich kann mir vertrauen. Und ich brauche vor allen Dingen nicht immer zu antworten.
Und deswegen, wieder vorspulen: Wenn ich einfach nur zuhöre und nicht das Gefühl habe, ich muss jetzt sofort eine Antwort generieren, dann entspanne ich mich. Mein ganzer Körper entspannt sich. Ich werde etwas lockerer. Meine Stimme senkt sich ein bisschen. Mein Atem geht leichter. Die Schultern senken sich. Der Bauch darf sich wölben. Und ich merke: Ich muss nichts beweisen. Ich werde einfach friedlicher.
Und mein Körper wird zu einem Resonanzkörper. Ich bin ein Resonanzkörper, der mitschwingt. Ich höre nicht nur, sondern ich nehme wahr. Ich nehme alles auf.
Und diese Resonanz bedeutet nicht, dass ich in dem Moment im Gleichklang bin mit meinem Gegenüber. Da kann durchaus Reibung sein. Ich muss ja nicht alles, was mir gesagt wird, für richtig befinden, ihm zustimmen oder gar Verständnis dafür entwickeln, Gott bewahre. Aber ich kann zuhören, aufnehmen und schauen, was passiert mit mir und was passiert mit meinem Gegenüber.
Wenn ich wirklich zuhöre, vergesse ich mich übrigens ein bisschen. Ich bin eben nicht mit mir beschäftigt, sondern ich höre zu. Und in dem Moment bin ich so ein bisschen außen vor. Habe diesen inneren Kampf nicht, dieses Ping-Pong auch nicht.
Aber das hat natürlich nicht zwangsläufig mit Schönheit zu tun, sondern das ist eine Kompetenz: wirklich zuhören zu können.
Ich spule mal ganz nach vorn zurück zu meiner wilden These. Schönheit ist Frieden.
Wenn ich einem Menschen zuhöre, ohne sofort zu werten oder zu antworten, dann öffne ich einen Raum für mein Gegenüber. Der Sprechende hat Zeit und Ruhe, in sich zu gehen und sehr genau hineinzuhorchen, was er wirklich sagen, was er tatsächlich zum Ausdruck bringen möchte. Auch für den Sprechenden ist das eine Situation, in der er sich entspannen kann. Und das wird ebenfalls körperlich sichtbar. Der Blick geht dann oft nach innen. Die Stimme wandert auch beim Gegenüber ein bisschen nach unten. Die Haltung wird weicher und lockerer, denn er hat Zeit und muss nicht zusehen, dass er in aller Kürze alles rüberbringt, was er gerade sagen wollte.
Dann sprechen wir ja auch ein bisschen schneller.
Der Witz ist: Wenn ich einem Menschen dabei zuschaue, wie er einfach sprechen kann, und ich ihm nur zuhöre, und wie mein Gegenüber in die Entspannung geht — ja, sogar die Gesichtsmuskulatur weich wird —, dann wird dieser Mensch schön. Denn dieser Mensch hat plötzlich eine ganz andere Ausstrahlung.
Jetzt kommt’s. Er wird friedlich.
Diese Beobachtung ist eine kleine, klitzekleine Basis dafür, dass ich sage: Schönheit ist Frieden. Und das lasse ich jetzt einfach mal so stehen.
Ich möchte dir zum Schluss noch eine Übung mitgeben. Eine schöne Möglichkeit, auf das eigene Zuhören zu achten und auf das, was das Gegenüber sagt.
Schnapp dir eine Person deines Vertrauens und setzt euch gegenüber, ob nun am Küchentisch, auf dem Sofa oder auf einer Bank im Wald — egal. Bestimmt vorher, wer zuhört und wer spricht. Der Zuhörer fragt: Was findest du schön? Und die Gefragte antwortet, was aus ihr herauswurzelt. Alles, was hochkommt in dem Moment. Völlig frei, zeitlich unbegrenzt, soweit das möglich ist, und ungestört.
Wenn du fertig bist mit dem Äußern deiner Gedanken, wird der Zuhörer gefragt: Was hast du gehört? Er hat Zeit und Raum, sich zu erinnern und zurückzugeben, was er gehört hat.
Und es kommt noch eine zweite Frage am Ende: Was hast du gesehen? Der Zuhörer ist nämlich nicht nur Zuhörer, sondern auch Beobachter. Und da finde ich, wird es spannend. Denn in dem Moment fängt man an zu schauen: Was habe ich denn gesehen? Wie hat der Sprecher, die Sprecherin erzählt? Wie sah das aus?
Und dann bleibt die Frage am Ende: War das schön?