Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Episode #20 | 3. Juli 2026
Muss es schwer sein, um schön zu sein?
Ein schöner Gedanke: Über das Ende vom Immer-besser-werden-Müssen und ein Stück Holz, von dem ich noch nicht weiß, was es wird.
Kennst du das: Kaum fange ich etwas Neues an, will ich es schon können. Der Fehler wird zum Feind, bevor der erste Versuch überhaupt fertig ist. Das ist kein Lernen. Das ist Kontrolle, die sich als Fleiß verkleidet.
Was wäre, wenn genau das Gegenteil trägt? Wenn ein Stück Holz erst dann etwas werden darf, wenn ich aufhöre, es zu wissen? Wenn Neugier leichter macht, was Druck nur schwerer macht?
In dieser Episode geht es um einen Bildhauer-Workshop ohne Plan. Um einen Newsletter, der einen alten Reflex bloßstellt. Und um die Frage, ob Schönheit wirklich schwer erkämpft werden muss.
Transkript
Es ist Sommer. Sommer, Sonne, vielleicht auch hoffentlich mal Regen, und es zieht mich raus aus der Stadt, weg aus Berlin, einfach mal etwas anderes zu machen. So mein Plan, wenn ich in der nächsten Woche für ein paar Tage in die Uckermark fahre. Denn ich habe mich zu einem Bildhauer-Workshop angemeldet. Ich habe keine Ahnung, denn das habe ich noch nie gemacht, bildhauerisch tätig zu sein. Jedenfalls nicht in Holz und auch nicht als große Skulptur. Aber so stelle ich mir das ein bisschen vor.
Was mich heute im Vorfeld wirklich freut, ist, dass ich Lust habe, einfach mal etwas mit meinen Händen zu machen. Ich traue mir das zu, und ich vertraue auf meine Neugier. Und ja, ich verfolge nicht das Ziel, damit einen Preis zu gewinnen oder meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber ich verfolge ein anderes Ziel, denn wie sehr anders ist die Welt, die mich in meinem Alltag umgibt? Ich arbeite an Kundenprojekten, ich entwickle mich weiter, ich lerne dazu und werde im besten Fall auch immer besser in meinem Tun. Und dieses Dazulernen, besser werden, schneller, größer, erfolgreicher, das ist doch irgendwie so das Prinzip unserer heutigen Arbeitswelt, oder?
Und dann flatterte mir heute ein Newsletter ins Postfach, der mich neugierig gemacht hat, denn der Autor schreibt dort, beschreibt dort norwegische Sportler, die gerade eine ganze Reihe Siege errungen haben, und diese Siege entstanden aber nicht aus dem mir so gut bekannten Leistungsdruck heraus, schreibt der Autor, sondern neben aller Disziplin und dem Ehrgeiz, einen Sieg zu erringen, der natürlich notwendig ist, gingen sie in ihren Trainings sehr neugierig, also fast tüftelnd, an Problemlösungen heran. Das klingt jetzt nicht ganz so nach dem wohlbekannten Leistungszwang, nicht nach dem Druck, sondern das klingt ein bisschen nach der Lust am Probleme beheben. Also neue Wege ausloten. Da steckt viel Lebendigkeit drin. Jedenfalls liest sich das so für mich. Und eben diese Neugier.
Wann? Wann geht eigentlich diese spielerische Neugier bei der Weiterentwicklung verloren? Vielleicht ist ja genau das der Grund, weshalb ich mich so sehr auf diese nächste Woche freue. In meiner Kindheit ging ich zum Keramikzirkel. Im letzten Jahr, während eines Kuraufenthalts, wurde ich zum Plastizieren geschickt. Therapie durch manuelle Arbeit. Mit den Händen formen, Kopf ausschalten, klingt ja gut. Was übrigens gar nicht der richtige Ansatz ist, denn ich darf meinen Kopf ja bei meiner handwerklichen Arbeit durchaus nutzen. Er darf mich gerne unterstützen, aber er sollte mich nicht einschränken, indem er mir schon vorher ganz feste Regeln aufoktroyiert und mich unter den Druck setzt, ein ganz bestimmtes Ergebnis erzielen zu müssen.
Ist es diese Bestimmtheit, die uns so schwer besser werden lässt oder anderes probieren lässt? Klar wollen Sportler gewinnen, das ist ja die oberste Regel beim Spielen. Und natürlich möchte ich auch eine wunderschöne Skulptur erschaffen. Ich habe zwar keine Idee, aber ich stelle es mir so vor. Formen und Spielen, das gehört ja in diesem Fall zusammen, also spielerisch formen.
Ich erschaffe etwas mit meinen Händen, und ich weiß heute noch nicht, dass ich das kann.
Das ist doch mal ein schöner Gedanke, finde ich.
Schön ist doch genau dieser Moment, wo etwas, das ich mir gerade noch gar nicht zutraue und von dem ich nicht weiß, ob ich es wirklich kann, wenn die Aussicht auf dieses Tun plötzlich ganz leicht wird. Einfach, weil ich es will, weil ich neugierig bin, weil ich mich erfreuen möchte, ohne sofort auf das perfekte Ergebnis zu schielen. Ja, ich mag den Gedanken, dass ich ohne den Zwang eines perfekten Ergebnisses einfach meiner Neugier am Tun nachgehen kann.
Ergebnisoffen – das klingt nach Leichtigkeit.
Was wird entstehen? Ich bin gespannt.
Und wie ist das bei dir? Wo in deinem Leben könntest du genau so etwas gerade ausprobieren, ohne diesen so wohlbekannten Druck, einzig durch deine Neugier und die Lust am Tun, etwas Neues auszuprobieren und dir dabei der Schönheit dieses Prozesses bewusst zu werden? Es könnte ja sogar passieren, dass du ganz nebenbei womöglich neue Ideen und Fähigkeiten entwickelst. Was meinst du? Ist das schön?