Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.
Episode #5 | 20. März 2026
Ist Englisch schöner als Deutsch?
»Ich habe eine englische Stimme.«
Sania Jardine über Sprache als Liebesgeschichte, Fremdheit als Superpower und die Frage, was KI beim Sprachenlernen nicht kann.
Kann man sich in eine Sprache verlieben? Nicht in das, was sie bedeutet. Nicht in das, was sie ermöglicht. Sondern in sie selbst. In ihren Klang, ihr Gewicht, vielleicht sogar die Art, wie sie im Mund liegt?
Bumblebee. Serendipity. Abundance.
Es gibt Wörter, die man sich merkt wie Gesichter. Man geht eine Beziehung ein. Ein kurzer Flirt. Manchmal auch, mit der Zeit, eine große Liebe.
Wie bei jeder Liebesgeschichte gibt es so Phasen: Den Moment, wo dir ein Wort entgleitet und trotzdem verstehst du es irgendwie. Die Not, wo du merkst: ich vergesse es immer wieder und das Staunen, wo du bemerkt, dass es immer wieder zurück kommt. Und dann gibt es vielleicht auch den Moment, wo du aufhörst, dich anzustrengen. Wo die Sprache einfach fließt. Kein Kampf. Kein Krampf und auch kein Zaudern mehr. Das ist der Moment, wo aus einer guten Beziehung eine schöne wird.
Ist das auch ganz gezielt möglich? Aus einer eher anstrengenden Beziehung zu Englisch eine schöne Liebesbeziehung werden zu lassen? Darüber habe ich mich mit Dr. Sania Jardine unterhalten. Und auch um die noch tiefer liegende Frage: Wer bin ich eigentlich auf Englisch? Bin ich da noch dieselbe Person wie auf Deutsch?
Dr. Sania Jardine ist »The Language Pig«. Mit ihrer Kombination aus Englisch-Expertise und Coaching hilft sie Menschen, ihr Fachwissen und ihre Persönlichkeit auf Englisch zu kommunizieren. Wir kamen unterwegs natürlich auch nicht an der KI vorbei und fanden heraus, dass die schöne Sprache nie solo unterwegs ist: Da gibt es noch Dialekt, Akzent und Nicht-Verstehen. Akzentfreies Englisch geht gar nicht.
Sania Jardine
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sania-jardine/
Podcasts:
How I met my English – https://thelanguagepig.com/podcast/
Ready but Stuck – https://thelanguagepig.com/ready-but-stuck/
Transkript
Jana: Sania Jardin ist Englisch-Coach. Sie hat 14 Jahre in England gelebt, das heißt, sie ist nicht theoretisch zweisprachig, sondern sie ist es wirklich, jedenfalls aus meiner Sicht. Sanja coacht Menschen, die an sich Englisch können, es aber nicht benutzen, die sich selbst im Weg stehen, wenn es darauf ankommt. Ihr Motto bringt das auf den Punkt: Sei du selbst, auch auf Englisch! Ich möchte heute herausfinden, was Sprache, Fremdsprache mit Beziehung zu mir selbst, in mir sozusagen, zu tun hat und begrüße deshalb ganz herzlich Sanja.
Sania Jardine: Liebe Jana, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein heute.
Jana: Und da Sprache ja, also die schöne Sprache, für mich als allererstes eine Assoziation mit Klang und Wörtern zusammenbringt, steige ich doch ganz einfach ein. Gibt es ein englisches Wort oder einen Satz, der dich bis heute nicht loslässt, weil er so schön klingt?
Sania Jardine: Ja, das ist natürlich eine ganz und gar nicht einfache Frage. Wenn man in so einer Sprache schwimmt quasi den ganzen Tag, weil man je nach Laune und Stimmung und Tageszeit und je nachdem, was man gerade so gelesen hat, andere Wörter im Kopf hat, die man gerade besonders liebt. Aber du hast ja sicherlich Gedanken dazu, woran du so denkst, wenn du sagst Wörter, die schön klingen. Du hast ja auch Wörter, die du besonders gerne magst.
Jana: Ganz genau, das ist natürlich mit einem Hintergedanken gefragt, weil ich selbst zu den Menschen gehöre, die sich eher unsicher sind, was Sprache angeht. Aber ich liebe Sprache. Ich mag Sprache. Und zwar auch wirklich Sprache, die ich gar nicht unbedingt verstehe, weil sie so toll klingt. Ich finde, es gibt Sprachen, die haben eine Melodie, die ist unverwechselbar. Also man weiß sofort, ah, das ist Spanisch, ah, das ist Russisch, ah, das ist Englisch. Ohne, dass ich auch nur ein Wort verstehe, sozusagen. Und ja, ich habe Lieblingswörter. Ich trage immer wieder Lieblingswörter vor mich hin. Und zwar war es lange Zeit Stuff. Ich finde, das klingt einfach nach Zeug. Also ich höre am Klang, was es heißt. Komischerweise. Ich muss es ja gar nicht übersetzen. Nicht unbedingt, nicht zwangsweise. Ich habe aber inzwischen neue Lieblingswörter, wie zum Beispiel Bumblebee ist so ein Wort. Ich mag Hummeln, ich mag das Brummen vom Hummeln. Aber bei Bumblebee kommt ja gleich noch mit dazu, dass die Hummeln immer so ein bisschen einen leicht trunkenen Eindruck hinterlassen, wenn sie durch die Gegend brummen. Und dieses Bumble drückt das dermaßen präzise aus. Also geht gar nicht besser. Und das mag ich total gerne an dem Wort.
Sania Jardine: Und das finde ich ganz faszinierend. Und ich glaube, genauso funktioniert es auch, wenn man sich so in Wörter verknallt ein bisschen. Und deshalb kann man auch so spontan und kurzfristig verliebt sein in Wörter. Und das ist ja häufig genauso. Es ist ein Wort, das man witzig findet, weil sowas wie Stuff irgendwie witzig klingt und dann auch noch so gut zu dem passt, was es bedeutet. Oder Bumblebee, das hat ja auch noch so einen Rhythmus drin. Ich habe ja auch schon gesagt, Serendipity ist so ein Wort, wo ich finde, Der Rhythmus ist so passend irgendwie. Und dann gibt es ja Wörter, die mag man einfach, weil man den Klang total schön findet, weil die irgendwie besonders harmonisch klingen oder eben gar nicht harmonisch. Und also wenn Menschen mir so das erzählen, welche Wörter ihnen gut gefallen, weil ich kann es nicht mehr so ganz nachvollziehen, weil es sich bei mir eben so ständig ändert. Und manchmal sind es so total verrückte Wörter. Und das weiß ich, dass es bei mir auf jeden Fall ganz lange so war, dass ich mich immer total gefreut habe, wenn ich ein Wort gesehen habe, dass eben diese Buchstabenverbindungen drin hat. Also C-I-O-S oder sowas. Also audacious oder capricious oder so Wörter, die schon so quasi so Buchstaben-Diven sind. Weil dann Menschen, die die Sprache eben noch nicht so gut kennen, dieses Wort angucken und sagen, Hä? Wie wird denn aus diesen Buchstaben dieses Wort bitte? Und das finde ich irgendwie auch so charmant, weil das so eigensinnig ist. Und dann gibt es eben so Wörter, die man halt mag, weil man die Bedeutung besonders gerne mag. Also es gibt ganz unterschiedliche Gründe, aus denen man sich so spontan jetzt mal kurz, wie in einem Flirt, in ein Wort kurzzeitig verknallen kann. Und das kann sich ja eben wirklich ständig ändern. Oder man hat eins, dass man mal so eine Weile mit sich rumträgt und besonders gerne mag und dann ändert sich das wieder.
Jana: Bevor ich jetzt auf den Flirt eingehe, weil da muss ich natürlich noch mal nachhaken, gehe ich auch noch mal auf dieses eine Wort ein, was du sagtest, und zwar Serendipity. Serendipity. Welches ich ja von der Bedeutung her so ganz großartig finde. Magst du das Wort wegen des Klangs oder auch wegen seiner Bedeutung?
Sania Jardine: Da mag ich tatsächlich beides. Und das ist, ich mochte es erst wegen des Klangs, weil ich diese Vorstellung vom glücklichen Zufall so schön finde. Dieses, ach, sowas, was sich so spontan zufällig ergibt. Und dann habe ich eben darüber gesprochen beim Sprechen gemerkt, wie witzig dieser Klang ist, dass das eben klingt wie so ein Stein, den man übers Wasser hüpfen lässt. Ja, genau, schönes Beispiel, so dieses Titschen. Genau, Titschen, du sagst. Welches Werk nehme ich denn? Titschen. Und das kam aber erst beim Sprechen, dass ich gemerkt habe, eigentlich ist das ein total witziges Wort.
Jana: Wie geht es mit dem Wort Abundance? Weil das wird ja auch Abundanz geschrieben, sozusagen, ich mit meiner deutschen Aussprache. Abundance. dachte so, oh Gott, wie muss ich dieses Wort sprechen? Als ich es dann aber gehört habe, dachte ich so, Fülle, Abundance, das ist ja, das klingt ja schon nach Fülle. Das klingt ja nach Weite, nach Großwerden, nach Schönheit. Das ist auch eines meiner Lieblingswörter gerade, weil ich wirklich bin ganz fasziniert von dem Zusammenspiel zwischen Klang und Ausdruck. Ja, wie so eine Nutzererfahrung.
Sania Jardine: Aber das ist ja im Design wahrscheinlich auch so, dass man manchmal irgendwas schön findet und gar nicht so sagen kann, warum. Und dann merkt man, das ist, weil es angenehm zu benutzen ist. Weil es stimmig ist. Weil es stimmig ist.
Jana: Ja, oder weil es selbsterklärend ist. Weil es einfach so gut gestaltet ist, dass ich nicht drüber nachdenken muss, wie ich es benutzen muss. Ach spannend, ja. Dann erfüllt Design wirklich seine Aufgabe.
Sania Jardine: Also eher so diese Erfahrung, die man hat mit einem Wort oder mit...
Jana: Ja, so, na dann komme ich doch aber jetzt nochmal zurück. Auf den Flirt. Auf deinen Flirt. Und dass du dich andauernd, also du hast jetzt schon zweimal gesagt, dass du dich ganz schnell verliebst auch mal und wahrscheinlich auch wieder entliebst, keine Ahnung. Also warum sprichst du von Verlieben, von Flirt, von was meinst du damit?
Sania Jardine: Ja, das ist ja, ich sage ja mal, Englisch war, ist eine meiner großen Lieben in meinem Leben, weil ich mich einfach in diese Sprache sehr schnell sehr verliebt habe. Ich habe die einfach schon immer sehr gerne gemocht. Ich weiß, dass es nicht allen Menschen so geht. Ich weiß, dass es auch sicherlich mit Erfahrungen zu tun hat, die ich hatte in der Zeit, in der ich Englisch noch so gelernt habe. Und ich finde, man kann zu einer Sprache wirklich so eine Beziehung aufbauen und eine langfristige Phase, in der man sich mit einer Sprache oder einer Sprache gewöhnt, die erst lernt, sie dann und dann immer irgendwie vertrauter mit ihr wird. Das ist ja wie Beziehungsaufbau. Und ja, deshalb sage ich, ich sage das auch immer nur halbspaßig, dass eine Sprache zu lernen eigentlich Beziehungsarbeit ist. Und da gibt es natürlich so Momente, in denen es mal kriselt. Und dann gibt es aber so Momente, in denen man denkt, das war jetzt aber charmant. In denen man sich eben was findet und denkt, oh wow, das ist ja gerade wie kurz verliebt sein. Oder das ist aber mal was Witziges, was ich mit dieser Sprache machen kann. Das schaue ich mir noch mal genauer an. Also so eine Neugier, das hat schon was mit Attraktion auch zu tun. Sagt man Attraktion? Nee. Attraktivität. Attraktivität, danke. Siehst du, was würde ich eher sagen? Genau, also man wird so ein bisschen reingezogen von der Sprache. Und manchmal fühlt sich das sehr freundschaftlich an. Manchmal ist es aber wirklich so, das ist aber ein schönes Gefühl, dieses Wort zu sagen. Oder ich fühle mich ganz anders, wenn ich so spreche oder so. Und das ist eben sehr vielschichtig. Und deshalb, also entlieben tue ich mich selten, weil ich habe ein ganz großes Herz für meine Sprache.
Jana: Genau. Da passen viele rein oder passt eine große Sprache rein?
Sania Jardine: Da passt ganz viel rein.
Jana: Hast du mehrere Liebesbeziehungen zu Sprachen?
Sania Jardine: Zu Sprachen kann ich gar nicht sagen, weil ich tatsächlich glaube, Englisch ist die große Liebe. Ist die große Liebe. Ich flirte ab und zu mal mit Französisch, aber das ist eher so eine Sommerliebe.
Jana: Genau. Okay. Wenn du sagst, du sprachst jetzt gerade von diesem Gefühl, was sich ja auch breit machen kann in einem, in dem Moment, wo man die Sprache spricht, wo man merkt, who's funktioniert, ich verstehe das, ich kann mich darin ausdrücken, ich kann darin baden, es ist plötzlich meins. Würdest du sagen, dass das tatsächlich geht? Ich bin als deutschsprechende Person genauso wie als englischsprechende Person oder schlüpfe ich in ein anderes Kleid?
Sania Jardine: Das ist diese Frage, hat man unterschiedliche Persönlichkeiten in unterschiedlichen Sprachen ein bisschen. Da gibt es tolle Studien auch dazu, wie sich Menschen verhalten oder wie sie sich empfinden, wenn sie eine Fremdsprache sprechen. Ich würde nicht sagen, dass ich eine ganz andere Person bin, aber ich würde sagen, dass unterschiedliche Aspekte so zum Schillern, also unterschiedlich schillern irgendwie oder ein bisschen stärker so in den Vordergrund treten. Also ich weiß, dass ich zum Beispiel auf Englisch ein bisschen mutiger bin, so in dem, wie ich mich ausdrücke. Ich glaube, ich bin ein bisschen klarer. Und das kommt jetzt auch von, wie es mir andere Menschen spiegeln, dass ich noch einen etwas klarer definierten Humor habe auf Englisch. Also ich sage immer, ich bin ein bisschen witziger auf Englisch, weil ich mich mehr traue, wahrscheinlich und weil auch die Sprache für meine Art von Humor gut passt. Und was wirklich tragisch ist, ich fluche viel mehr auf Englisch. Nein! Ja, ich fluche ganz schlimm auf Englisch. Das hat eine Chefin von mir mal gesagt. Die meinte, ja, ich weiß ja, dass du fließend sprichst und so. Wir haben halt zusammengearbeitet. Und sie meinte, so richtig, richtig geglaubt hat sie mir das mit dem muttersprachlichen Niveau. Erst als sie mich dann mal beim Fluchen erwischt hat. Und sie meinte, also im Englischen sagt man, you swear like a builder. Also wie so ein Bauarbeiter. Und ich kann situativ angemessen fluchen auf Englisch.
Jana: Aber sehr, sehr schön ausgedrückt situativ.
Sania Jardine: Und ich sage immer, das liegt daran, dass meine Mutter mich eben auf Deutsch sozialisiert hat. Und auf Englisch war das eben Fernsehen. Das ist tatsächlich so. Und das hängt natürlich auch ein bisschen damit zusammen, dass man in der Fremdsprache diese emotionale Bindung nicht so hat an bestimmte Wörter. Also wenn hier das berühmte F-Wort, das wird ja im Deutschen so verwendet, als sei das so ein Hups. Also ich habe letztens eine Kochshow gesehen, das war Tagesfernsehen. und da hat jemand das F-Wort gesagt, wir wissen alle, was ich meine und es wurde nicht rausgeschnitten. Das kann ich mir im britischen Fernsehen nicht vorstellen, weil man einfach an diese, weil man anders emotional auf Schimpfwörter reagiert in der eigenen Sprache. Und deshalb habe ich da vielleicht auch nicht so die Hemmung im Englischen.
Jana: Da staune ich übrigens auch. Also aus amerikanischen Filmen kennt man das ja mit diesem blieb, beziehungsweise auch im Britischen. Also entweder es wird rausgeschnitten oder es wird halt ein blieb drüber gemacht. Oder die Spracheinschätze und die Altersbegrenzung
Sania Jardine: wird dann davon beeinflusst. Also wenn sehr viel geflucht wird, dann steht da ja manchmal, dass es dann entsprechend in Altersbegrenzung mit reflektiert ist.
Jana: Ja. Die Frage war ja, ob man in eine andere Rolle schlüpft oder in ein anderes Kleid. Und im Grunde genommen hast du das ein ganz klitzeklanes bisschen schon bestätigt, als du sagtest, dass du dann auch anfängst, also schon auch mit einem anderen Humor zu sprechen oder so einen bisschen klareren Ausdruck und so. Und ich kann das gut verstehen. Also ich finde, dass man das auch machen kann, also in so verschiedene Rollen schlüpfen, dass das ja auch eine schöne Möglichkeit ist, mal die Perspektive zu wechseln.
Sania Jardine: Das ist ganz wichtig. Ich beschreibe das gerne mal als Superpower. Ich mag dieses Wort eigentlich nicht, aber das ist eine bewusste Wortwahl, weil so viele Menschen eben dieses in der Fremdsprache unterwegs sein, so als ein Makel oder als Mangel irgendwie empfinden. Und ich sage, nee, das ist eine Superpower. Also ich benutze das in dem Kontext. Und gerade dieses, ich habe mal nicht meine normale Perspektive, ist ja ein Geschenk. Das versuchen wir ja ganz häufig ganz bewusst hervor, irgendwie beizuführen, dass wir mal aus unserem eigenen Denkkreis rauskommen und dann mal in einer Fremdsprache unterwegs zu sein und zu sagen, aha, was passiert denn, wenn ich mal auf English Journale oder wenn ich mal mein Thema gerade auf Englisch beschreibe und ich kann mal nicht so darüber sprechen, wie ich es gewohnt bin, wie ich es immer mache mit den Wörtern, die ich auch immer benutze. Und das ist quasi schon so ein Automatismus. Da bemerkt man manchmal spannende Phänomene, dass man plötzlich denkt, warum denke ich das eigentlich die ganze Zeit? Ich sage das immer so, aber eigentlich denke ich das gar nicht mehr. Oder warum drücke ich das eigentlich immer so aus? So meine ich das gar nicht. Und das ist natürlich auch spannend, dass dieses Reiben mit der Fremdsprache eigentlich auch sehr viele Erkenntnisse zum Vorschein bringen kann. Und dass diese Erfahrung dann ja wieder total spannend ist und eben nichts mit Mangel zu tun hat, sondern dass aus dieser Reibung einfach so spannende Einsichten dann entstehen.
Jana: Ja, und tatsächlich eine andere Perspektive. Das erinnert mich übrigens daran, jetzt gehe ich in einen Themenwechsel, das ich noch gar nicht vor allzu langer Zeit von dir mal gehört habe, Und das unfassbar clever ist, wenn man Englisch sprechen lernen möchte, wenn man einfach Englisch in sich selbst, seine Selbstgespräche auf Englisch führt. Und ich fand diesen Trick voll cool, weil ich ja immer noch Hemmungen habe, mich auszudrücken nach außen, obwohl ich viel schon verstehe, mich aber nicht ausdrücke. Und in dem Moment, wo ich aber anfange, in meinem Innersten auf Englisch zu sprechen, zu denken, nicht zu sprechen, zu denken, habe ich festgestellt, das wirkt tatsächlich auch nach außen, weil ich fange an, eins deiner Sätze meinem Partner gegenüber oder meinen Töchtern gegenüber plötzlich auf Englisch zu sagen. Erstmal nur kurze Sätze. Ja, dadurch verliert sich ein bisschen so diese Hemmung. Das ist ein schöner Trick, sozusagen, den ich da gelernt habe bei dir.
Sania Jardine: Ja, also das ist witzig, dass du sagst, das ist schon alleine dadurch, dass du die Gedanken auf Englisch so ein bisschen formulierst, passiert, sich so ein bisschen anfreundet, dass das eben auch zu einem gehört. Und dass die Innenwelt, ihr habt das letztens in einem Interview mit der Anne so schön gesagt, dieses, ich kann meine Innenwelt ausdrücken in dieser Sprache. Und das ist ja eine schöne Erfahrung, wenn man merkt, das passt. Ich habe irgendwie den Weg nach außen von innen. Und dann, wenn man das auch noch laut ausspricht, dann gewöhnt man sich auch noch daran, ach, meine Stimme kann so klingen. Ich habe ja schon eine englische Stimme. Ja, die ist ja schon da. Ich darf sie aber auch mal rauslassen. Und du bist ja dafür eh prädestiniert. Du hast ja eine Katze. Also wenn man Haustiere hat, dann kann man sowieso gut mit sich selbst sprechen, weil man immer auch einen Gesprächspartner hat. So kann man das auch formulieren.
Jana: Ja. Sanja, ich gehe jetzt mal nochmal in eine ganz andere Richtung, die mich persönlich sehr beschäftigt. Wahrscheinlich, vermutlich auch dich. Und das Ganze nennt sich künstliche Intelligenz. Wir können ihr nicht mehr aus dem Weg gehen. Du bietest seit einiger Zeit schon Ready But Stuck als wöchentlichen Impuls im Abonnement an. Das ist ein Podcast auf Englisch, ein kurzer Podcast auf Englisch. Und dazu gibt es auch immer ein Transkript zum Mitlesen und Nachlesen und auch noch Reflexionsfragen, die ich immer ganz großartig finde, um dann halt auch wirklich selbst ins Schreiben oder ins innere Denken zu kommen. Und in einer der letzten Folgen ging es dir auch um die Nutzung von künstlicher Intelligenz, von KI. Wofür nutzt du denn KI in deiner Arbeit?
Sania Jardine: Ja, also ich hatte bei der Folge tatsächlich ein bisschen Sorge, dass ich so eine Büchse der Pandora aufmache. Weil das so ein emotionales Thema ist. Und weil ich selber gar nicht auf der Entweder-oder-Seite stehe. Also ich benutze KI schon. Also KI selbst benutzen wir ja, wenn es um Sprachen geht, eh schon. Also wenn man DeepL benutzt, benutzt man eine KI. Das ist nur eben keine generative KI. Ich benutze tatsächlich auch generative KI manchmal. Und wenn ich jetzt so an Beispiele denke, die auch direkt für meine Kundenarbeit jetzt zum Beispiel wichtig sind, benutze ich KI gerne immer dann, wenn ich so generische Informationen, also nicht Informationen, sondern wenn ich generische Inhalte brauche. Das ist ja immer so ein Nachteil von generativer KI, dass die so doch nicht besonders einfallsreiche Sachen manchmal generiert. Und das kann man aber ausnutzen, wenn man zum Beispiel Diskussionsfragen schreiben lässt über ein Thema, zu dem ich mich gar nicht auskenne. Also wenn ich jetzt mit jemandem arbeite und die haben ein Thema und ich habe da keine Ahnung davon, dann sage ich, mach mir doch mal 20 Diskussionsfragen dazu. Und dann kann ich nämlich meiner anderen Person diese Diskussionsfragen vorlegen und sagen, wie findest du die denn? Ja, also das ruhig auch transparent zu machen, das gibt mir die KI und was hältst du denn von diesen Fragen? Und gerade wenn man sich jetzt auf irgendwie eine Präsentation vorbereitet oder irgendein Netzwerk-Event oder so, dann kann man ja sich so eine riesengroße Liste anschauen und sagen, weißt du was, die Frage höre ich tatsächlich immer, weil es gibt ja einen Grund, warum in dem Fall jetzt Claude oder ChatGPT da dran denkt, weil die eben ständig aufkommt. Und damit werden so diese Standardsachen, die man sonst gerne mal so vergisst oder wo man selber sagt, ach naja, da habe ich schon eine Antwort drauf, weil die höre ich ja eh immer und sich dann nicht darauf vorbereitet, dann bereitet man sich eben darauf vor, weil man die nochmal da sieht. Oder man sagt, nee, die Frage ist Mist, aber wenn ich diese Frage lese, habe ich eine andere Idee. Also die sind dann so ein Denkanstoß quasi für Menschen. Also dafür benutze ich es tatsächlich relativ viel. Oder kleine Aufgaben zu stellen, die irgendwie mit der Arbeit zu tun hatten, die wir schon gemacht haben. Dass ich sage, ich habe die und die Wörter, die folgen alle dem und dem Muster. Gib mir doch mal bitte Sätze damit. Weil ich ja sonst, also das ist so ein Klassiker. Und das kann ja auch wirklich jeder damit machen. Da brauche ich ja nichts besonders Kritisches oder Spannendes oder so. Sondern es geht einfach darum, bitte gib mir irgendwas, woran ich jetzt nicht denken würde.
Jana: Viele Menschen nutzen KI ja tatsächlich, um sich zu verständigen, also weil sie selbst die Sprache nicht können. Das ist natürlich total hilfreich, wenn ich auf der Straße von jemandem auf Ukrainisch angesprochen werde oder Polnisch oder Belgisch oder was weiß ich und dann gar nicht verstehe, dann kann ich mir natürlich sehr schnell mithilfe von KI ganz wunderbar übersetzen lassen. Aber was kann mir die KI denn tatsächlich beim Sprachenlernen, wenn ich selbst lerne, nicht abnehmen?
Sania Jardine: Also ich finde den Unterschied, den du aufmachst, ganz wichtig. Für sich selber auch zu unterscheiden, was soll die KI denn für mich tun? Und wenn ich irgendwo in London an einer Straßenkreuzung stehe und mir ist das Portmoney geklaut worden, aber ich habe noch mein Telefon in der Hand und ich kann nicht besonders gut Englisch sprechen oder ich bin so gestresst, dass ich gerade auf gar nichts mehr Zugriff habe. Das ist ja in der Fremdsprache auch so, dass man, wenn man wirklich unter Druck steht, man hat es eilig, es ist irgendwas passiert oder man ist aus irgendwelchen Gründen nicht so ganz bei sich, dann ist sowas ja im schlimmsten Fall tatsächlich lebensrettend. Aber man kann einfach sehr schnell Hilfe holen. Man kann sehr viele, sehr praktische Dinge in der Durchführung mit diesen Geräten machen. Ich kann im Restaurant meinen Bildschirm auf die Speisekarte halten und sie mir übersetzen lassen. das ist aber natürlich was anderes als die Sprache lernen zu wollen oder so langfristige Beziehungen zu der Sprache aufzubauen und ja, auch da gibt es eben kein Ja und Nein gerade wenn du jetzt sowas sagst wie ich möchte mich daran gewöhnen, meine eigene Stimme in der Sprache zu hören und jemand, es gibt ja Menschen für die ist das eine wirklich große Überwindung, da gibt es ganz große Hürden ja dann finde ich es jetzt nicht problematisch mit einer KI zu sprechen einfach um mal das Erlebnis zu haben, ich werde verstanden. Ja, auch wenn es die KI ist, die natürlich maximal hilfreich ist, aber überhaupt mal zu sagen, ich traue mich mal, das laut auszusprechen und zu gucken, transkribiert das Teil das denn jetzt richtig? Werde ich verstanden? Erziele ich damit das, was ich eigentlich erzielen möchte? Damit man dann darauf vertraut, dass es in der echten Welt auch klappen könnte. Also da finde ich, oder auch, dass man überhaupt auch den Zugriff auf Sprache ermöglicht. Ich will jetzt nicht sagen demokratisiert, aber es sind Sachen möglich für Menschen, die hätten das vor fünf Jahren noch nicht so üben können. Und das bricht aber in dem Moment zusammen, wo man überlegt, man hätte gerne eine echte Beziehung mit der Sprache und vielleicht auch mit echten Menschen. Also alles, was komplexer ist, was unvorhersehbarer ist, was irgendwie mit Beziehungen mit Menschen zu tun hat, kann die KI natürlich nicht. Und da wird dieses hilfreich sein und wirklich alles verstehen wollen und immer wirklich besonders unterstützend zu sein, das wird dann halt auch eine Falle. Weil man dann eben in dem Moment, wo man da mit echten Menschen zu tun hat, damit leben muss, dass diese Hürden dann eben da trotzdem da sind. Dass Menschen irgendwie nicht so aufmerksam zuhören, nicht so viel mitinterpretieren, irgendwie ein Missverstehen, einen nicht mögen. Im schlimmsten Fall kann es ja passieren, dass man eben vor jemandem steht, der irgendwie auch gestresst und genervt ist. Und diese ganzen Sachen zu verhandeln, das lernt man dann halt nicht. Und das kann dann im schlimmsten Fall eben dazu führen, dass das dann noch schwieriger erscheint, weil man es eben nicht geübt hat. Und deshalb finde ich es, also ich finde es tragisch, wenn auch teilweise Sprachcoaching oder was auch immer man macht, auch Gruppensessions in Unternehmen oder so mit KI-Tools ersetzt werden, dass dann gesagt wird, mach doch das, kannst du ja auch sprechen, üben.
Jana: Ja, bei Babbel zum Beispiel geht das, das weiß ich, dass man dort auch mit KI tatsächlich direkt sprechen kann und üben kann.
Sania Jardine: Ich meine jetzt auch so, dass man überhaupt Unterricht hat. Achso. Das ist ja dann nochmal was anderes, wenn man einen Co-Pilot hat oder so, der alles direkt übersetzt. Das ist natürlich total praktisch, man spart ganz viel Zeit. Aber jetzt mal so nur um das, wenn ich als Unternehmen irgendwie das Ziel habe, die sollen sich in einem Meeting austauschen können, dann ist es ja okay, so einen Dolmetscher mitlaufen zu lassen, weil man eben schnell dieses Ziel erreicht. Wenn aber mein Ziel ist, dass ich möchte, dass die Menschen in meinem Unternehmen selbstbewusst, authentisch, mit ihrer Expertise, mit der Sprache irgendwo auftreten können, dann müssen die auch mal mit anderen Menschen sprechen. Und das kann eben so eine KI nicht ersetzen, dass man da mal dieses Bedeutung verhandeln, Beziehungen verhandeln machen muss. Das kommt eben darauf an, was man gerne haben will. Will ich jetzt Brot bestellen oder möchte ich gerne irgendwie gute Kundenbeziehungen aufbauen?
Jana: Das bringt mich gleich noch zu einem anderen Gedanken. Ich glaube, wir haben ihn vorhin schon mal ganz kurz angeschnitten, aber ich würde ihn gerne nochmal aufs Tablett bringen. Und zwar finde ich es ja nicht nur schön, sondern sogar phänomenal, wenn ich merke, ich verstehe das. Also etwas selbst zu verstehen. Meine ersten AHA-Effekte waren beim Lesen und Verstehen des Lesens sozusagen. Aber inzwischen fortgeschrittener, dann ja auch in der Sprache. Ich höre einen Song und verstehe plötzlich, worüber da gesungen wird, wo ich vorher ausgeschlossen war. Ich konnte einfach nicht verstehen. Und wie ich jetzt plötzlich so merke, oh, okay, gerade Musik ist ja auch ein schönes Medium, um Verstehen zu lernen. Gesprochenes Verstehen zu lernen, weil so viel wiederholt wird, die haben immer so viele Wiederholungsschleifen drin. Und man hat natürlich auch die Möglichkeit mitzulesen, wenn man irgendwelche Apps benutzt, Spotify oder so, da hat man ja dann oft die Texte sogar angezeigt. Das macht es natürlich noch einfacher, aber einfach so. Also dieses Gefühl, selbst zu verstehen, das wollte ich gerade sagen, das ist so schön für mich, wenn ich nichts übersetzt bekommen muss von außen, sondern es selber kann. Kennst du das Gefühl? Obwohl du schon so lange in zwei Sprachen oder mehr unterwegs bist?
Sania Jardine: Ich merke das jetzt natürlich eher bei den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, klar. Ja, also wenn man dann so ein Gespräch hat und plötzlich so nach 20 Minuten sage ich dann, und, wie war das jetzt so für dich? Und die Person sagt, wow, ja, ich habe alles verstanden, was du zu mir gesagt hast. Und ehrlich gesagt, ich habe auch das Gefühl, dass du mich verstanden hast. Es geht ja in beide Richtungen. Und das ist ja so eine ganz besondere Art von Magie, zu merken, da sprechen Menschen in einer anderen Sprache und die verstehen, was ich meine. Und ich konnte irgendein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt. Also ich konnte etwas, das für mich zentral ist und relevant ist und das mich ausmacht. Ich konnte das kommunizieren. Das ist fantastisch. Und das hat für mich tatsächlich auch mit Sprache, mit Musik angefangen. Also wenn ich jetzt zurückdenke an die Zeiten, in denen ich wirklich ganz am Anfang mich mit Englisch auseinandergesetzt habe. Ich war ein sehr nerviges Kind. Ich war nämlich so ein Kind, das sich hinsetzt und Musik hört und dann die Texte mitschreibt. Immer wieder, ohne Kopfhörer. Mit dem Kassettenrekorder. Also meine arme Familie. Aber genau dadurch habe ich eben dieses Ohr, glaube ich, für die Sprache auch tatsächlich entwickelt. Und wie du sagst, nur dadurch, dass man es selber macht, dass man selber die Laute identifiziert und auch erst mal gar nicht so Wert drauf legt, verstehe ich das jetzt alles, sondern eher kann ich diese Laute korrekt identifizieren oder komme ich irgendwie dran? Deshalb finde ich das schlimm, wenn sich so ein bisschen darüber lustig gemacht wird, wenn Menschen Lieder falsch transkribieren. Das läuft ja immer mal wieder so durch YouTube, dass irgendjemand ein Lied mitsingt und das ist total falsch. Und ich denke, Mensch, die Person hat sich wirklich hingesetzt und hat zugehört. Und das ist eine ganz tolle Fähigkeit. Das sollte man auf jeden Fall beibehalten, auch wenn man nur 80 Prozent der Zeit die richtigen Töne hört.
Jana: Das ist eben so ein Beziehungsaufbau mit der Sprache. Da komme ich nochmal an einen Punkt, wo ich so denke, da gibt es noch einen Haken. Und zwar, weil du gerade sagtest, wo sich andere Leute lustig machen, weil man es nicht richtig verstanden hat oder sowas. Und das ist Dialekt oder eben Slang oder so. Also kennt man ja gerade von Musik, Musikstücken natürlich auch ganz stark. Ich selbst bin Berlinerin und unter Umständen falle ich auch tief in meinen Berliner Dialekt. Der ist dann sicherlich nicht immer richtig zu verstehen für andere. Wie ging dir das eigentlich gerade in Großbritannien? Also ich kenne es so, die Schotten versteht man ja gar nicht. Wie kommst du klar so mit Mundart oder mit Dialekt und ist das sehr problematisch?
Sania Jardine: Ja gut, das ist wahrscheinlich im Deutschen genauso. So, dass man manche eben besser versteht, andere nicht so gut versteht. Und das ist in England tatsächlich auch ein bisschen ähnlich, dass bestimmte Dialekte als etwas, die haben einen anderen Status als andere. Also das ist ja hier auch so. Und deshalb sind Sprachschulen häufig auch in Gegenden, in denen der Dialekt einen etwas höheren Status hat, sage ich mal. Die sind ja alle gleichberechtigt und Vielfalt sollte ja eigentlich schön sein. Aber das ist auch in England nicht so. Und ich habe in Birmingham studiert und an der Uni wird ja sowieso ein etwas anderes Englisch gesprochen, denke ich mal, weil die Menschen ja aus unterschiedlichen Gegenden kommen. Aber in der Gegend in Birmingham, der Akzent, naja, das ist jetzt nicht der, den man unbedingt sich angewöhnen will. Und der ist aber schön, natürlich ist der schön, weil das gehört zur Region und das ist total schön, wenn man beginnt, den zu verstehen. Und natürlich ist das am Anfang schwieriger und ich weiß auch, dass ich das immer sehr unangenehm fand, wenn ich Menschen, die so ein Dialekt sprechen, dann irgendwie fünf, sechs, sieben Mal fragen musste, ob ich sie verstehe. Weil natürlich bei denen nicht unbedingt ankommt, dass es jemand, deren Englisch nicht so gut ist, sondern die denken, naja, weil ich halt ein Brummie bin. Ja, also das ist ganz spannend. Und da werden eben genau die gleichen Sachen verhandelt, dass so Dialektfragen, es geht nie darum, ob man verständliches Englisch spricht, sondern es geht immer darum, was für eine Art von Dialekt sprichst du und was denke ich über Menschen, die diesen Dialekt haben. Und das finde ich total schade, wenn das dann den Menschen abtrainiert wird, weil diese Vielfalt ja ganz fantastisch ist.
Jana: Das wäre jetzt ein neues Fenster. Das will ich jetzt nicht öffnen. Aber Dialekte zu erhalten, Sprachenvielfalt zu erhalten, ist natürlich an sich ein Riesenthema.
Sania Jardine: Unterschiedliche Arten von Englisch zu sprechen. Das kommt ja auch wieder dazu. Welches Englisch hättest du denn gern? Genau, also Menschen sagen, ich möchte gerne fließend und akzentfrei sprechen. Ach, welchen Akzent hättest du denn dann gerne? Akzentfrei geht gar nicht. Weil es völlig egal ist, ob das jetzt ein regionaler ist oder nationaler Akzent oder ob das nur mit deiner Peergroup zusammenhängt, weil du eben junger Mensch bist und kein älterer Griechisch-Professor oder so. Die sprechen ja alle anders.
Jana: Ja, ja, ja, ja, international alle ganz anders. Da komme ich auf eine letzte Frage, einfach so, weil es sich so ergibt. Und zwar, kannst du dich daran erinnern an einen Moment, wo es schöner war, nicht zu verstehen, als zu verstehen?
Sania Jardine: Das ist eine spannende Frage. Ich habe eine Idee dazu. Hast du dazu Gedanken?
Jana: Nee, tatsächlich nicht. Also, weil ich oft genug nicht verstehe.
Sania Jardine: Das Einzige, was mir jetzt so ganz spontan einfällt, ist manchmal, wenn man irgendwo in einem Café sitzt und die Menschen sich am Nachbartisch unterhalten und man so abgelenkt wird von dem Gespräch, das da stattfindet, denke ich mir manchmal, das wäre jetzt echt toll, wenn die eine Sprache sprechen würden, die ich nicht verstehe, weil dann könnte ich mich besser auf mein Gegenüber konzentrieren.
Jana: Also Sprache, Beziehung, das Ich, vielleicht das zweite Ich und so, das ist alles sehr, sehr spannend. Ich möchte jetzt gerne zum Abschluss kommen. Und wie in allen meinen Interviews möchte ich noch ein kleines Quiz mit dir führen. Das sind zwölf Fragen. Du hast die Möglichkeit mit Ja oder Nein zu antworten. Die Frage ist immer: Ist das schön?
- Ist es schön, mit einer KI zu sprechen? –> Nein.
- Ist ein Wort, das man nicht versteht, schön? –> Ja.
- Würdest du sagen, dass Stille eine Sprache ist? –> Ja.
- Findest du Englisch schöner als Deutsch? –> Ja.
- Jetzt kommt eine Frage, da muss ich hinterher noch mal kurz drauf eingehen. Sind Schweine schön? –> Ja.
- Sind grammatikalische Regeln schön? –> Ja.
- Ist dein Wörterbuch schön? –> Ja.
- Ist es schön, etwas in einer Fremdsprache auswendig zu können? –> Uff, auswendig?! Nein. Ja, nein, ja. Kommt drauf an, es kommt drauf an, darf ich sagen: Es kommt drauf an? Das ist so eine Coach-Antwort: Es kommt drauf an, was meinst du damit? Jana: Eine Gegenfrage Ist abgelehnt.
- Ist Schweigen schöner als Reden? –> Nein
- Ist es schön Wenn Kinder eine Sprache lernen? –> Ja.
- Ist ein Gespräch in gebrochenem Englisch schöner als keins? –> Ja.
- Ist vorlesend schön? –> Ähm, da darf ich auch keine Gegenfrage stellen. Dann sag ich mal ganz ketzerisch nein.
Jana: Das ist hart. aber interessant.
Ich möchte jetzt noch mal ganz kurz zum Schluss auf eine Sache eingehen und zwar hast du einen wirklich total lustigen Namen. Also ich kenne dich schon viele Jahre und ich stolpere immer noch hin und wieder über diesen Namen und denke so, wie kann sie sich The Language Pig nennen?
Sania Jardine: Deshalb die Frage mit dem Schwein. The Language Pig ja, das kam irgendwann mal. Den Namen gab es tatsächlich, bevor ich mich selbstständig gemacht habe mit English Coaching. Also der kam so direkt gleich am Anfang auf. The Language Pig. Und das hatte damals was damit zu tun, dass mich jemand eierlegende Wollmilchsau fürs Sprachenlernen, Coaching und so weiter und alles drumherum genannt hat. Und dann kam der Gedanke mit dem Trüffelschwein dazu. Dann kam noch dazu, dass ich Schweine sehr gerne mag. Sie sind jetzt nicht so meine Lieblingstiere, aber ich finde Schweine ganz faszinierend, weil die so intelligent und verspielt sind. Und es war wirklich im Gespräch und ich sagte, naja, ich bin halt ein Language-Pig. Und dachte dann: eigentlich intelligentes Tier, total verspielt, hat irgendwie bei manchen Menschen total schlechten Ruf, also polarisiert so ein bisschen. Das passt ganz gut zum Englisch. Und mittlerweile ist das ein ganz guter, kann man sagen, Resonanzkörper geworden. Also Menschen, bei denen das Neugier, so eine positive, freundliche Neugier auslöst, die passen dann auch meistens ganz gut zu mir. Und dadurch ist das so ein schöner Name geworden, mit dem ich mich doch sehr identifiziere, obwohl ich selber gar nicht mehr so drüber nachdenke. Aber ich merke an den Reaktionen von anderen Menschen, dass die Reaktion, die das auslöst, meistens ein ganz guter Hinweis
Jana: Das ist ein toller Schlusssatz, dem kann ich gar nichts mehr hinzufügen. Liebe Sanja, ich danke dir ganz herzlich für diesen Einblick in deine schöne Welt der Sprache bedanke mich bei dir
Sania Jardine: danke dir, es hat mir sehr viel Spaß gemacht