Seite auswählen

Ist das schön?!

Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.

Episode #4 | 14. März 2026

Morgen. Aber nicht heute

Bücher waren für mich als Kind mehr als nur Seiten und Druck. Sie waren Fluchtorte, an denen ich träumen konnte. In meiner heutigen Episode teile ich, wie ich die Welt der Bücher als Schriftsetzerin entdeckte und welche Bedeutung Handwerk für die Buchgestaltung hat.

Sprache wird Materie – das ist Handwerk! Es ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft, die Schönheit des Geschriebenen festzuhalten.

Am 15. März ist der Tag der Druckkunst! Besuche Werkstätten und erlebe die »schwarze Kunst« live. Lass uns gemeinsam die Schönheit des Handwerks feiern!

Heute. Für die Schwarze Kunst

Von wegen schwarze Finger und so

Als Kind bin ich in Büchern verschwunden. In Lexika, Indianerbüchern, Biologie, Balladen. Quer, springend, neugierig – nicht von vorne nach hinten, sondern wie man durch eine fremde Stadt schlendert.

Was lag also näher, als Schriftsetzerin zu werden?

Diese Sonderfolge erscheint heute im Rahmen des Podcasthon – einer weltweiten Charity-Aktion von Podcaster:innen für gemeinnützige Organisationen. Mein Beitrag gehört dem Verein für die Schwarze Kunst. Weil mein beruflicher Weg ohne dieses Handwerk nicht existieren würde. Und weil Schönheit, die niemand mehr beherrscht, verloren geht.

Morgen, am 15. März, ist Tag der Druckkunst. Museen und Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz öffnen ihre Türen. Orte, an denen die Schwarze Kunst nicht hinter Glas steht – sondern läuft, riecht, klingt. Mit schwarzen Fingern nach Hause gehen inklusive.

Höre dir unbedingt diese kurze Episode an! Ich habe die Arbeitsgeräusche einer Tiegeldruckpresse (Baujahr 1964) von Uwe Bald Letterpress, Druckerei aus Höxter, eingebaut. In seiner Druckerei gilt: #FühlDasHandwerk.

Verein für die Schwarze Kunst: https://verein-fuer-die-schwarze-kunst.de/

Tag der Druckkunst: https://www.tag-der-druckkunst.de/

Podcasthon 2026: https://podcasthon.org/de

Transkript

 

Morgen. Aber nicht heute.

Ich bin neun Jahre alt.

Ich sitze in einem fremden Kinderzimmer und ich bin glücklich.

Nicht wegen der anderen Kinder und auch nicht wegen des ungewohnten Spielzeugs, sondern ich bin glücklich, weil ich ein Buch gefunden habe, und zwar das Kinderlexikon „Von Anton bis Zylinder“.

Und in diesem Buch bin ich gerade verschwunden.

Das klingt vielleicht merkwürdig, aber wer das kennt, dieses Gefühl, wenn man ein Buch aufschlägt und plötzlich ganz woanders ist, der weiß genau, wovon ich spreche.

Und an dieser Stelle würde ich jetzt gerne über die Schönheit sprechen, die riecht.

Und die Schönheit, die man anfassen kann, die aus Blei gegossen wurde und die im Hintergrund auch ganz schön Lärm macht.

Aber aus einem sehr geheimnisvollen Grund beende ich diese Episode just an dieser Stelle schon wieder. Denn die ganze Folge, ja, die kommt erst morgen. Warum?

Weil ich beschlossen habe, am Podcasthon 2026 teilzunehmen. Und der startet erst am Samstag und geht dann eine ganze Woche. In dieser Woche veröffentlichen Podcasts weltweit ihre ganz eigene Episode zur Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen oder, wie in meinem Fall, eines Vereins, der das handwerkliche Können bewahrt und an nachfolgende Generationen weitervermittelt.

Morgen bin ich also dabei und spreche über meine große Liebe, die mich über die Bücher zu schönen Büchern gebracht hat und über eine deutschlandweite Veranstaltung, die am Sonntag an vielen Orten ihre Türen öffnet und zum neugierigen Vorbeischauen oder gar Mitmachen einlädt.

Habe ich dich neugierig gemacht? Na dann, sei neugierig!

 

Heute. Für die Schwarze Kunst.

Die heutige Episode ist einem besonderen Thema gewidmet. Ich unterstütze heute im Rahmen des Podcasthon den Verein für die schwarze Kunst.

Und das hat sehr viel mit meinem beruflichen Werdegang zu tun. Gestern in meiner eigentlichen Episode, in der vorbereitenden Episode und neugierig machenden, sprach ich davon, wie ich schon als Kind in Büchern verschwunden bin.

Bücher waren für mich nie einfach Bücher. Sie waren Rückzug in eigene Welten und an Orte, wo ich träumen konnte. Ich habe viel gelesen, und zwar Querbeet: Indianerbücher, Balladen von Goethe und Schiller, Biologiebücher, Märchen, Fantasy Bücher und auch Lexika. Vor allem die Lexika lassen mich ja querlesen, neugierig von einem Thema zum anderen springen. Nicht von vorne nach hinten im klassischen Sinne, sondern eher, wie man durch eine fremde Stadt schlendert. Hier abbiegen, dort stehen bleiben, weitergehen.

Das Wort Schönheit kannte ich damals noch nicht. Weder für die Bücher, noch dafür, wie man Bücher so entdecken kann. Aber das Gefühl war da, das hier ist genau richtig, das ist meins, das ist schön.

Nach meiner Schulzeit lag es also wirklich nahe, einen Beruf zu wählen, der irgendwas mit Büchern zu tun hat. Ich wurde Schriftsetzerin, wobei ich meinen Freundinnen damals lediglich sagen konnte, ich setze keine Öfen. Aber was ein Schriftsetzer wirklich tut, davon hatte ich keine Ahnung.

Dann öffnete sich eine ganz neue Welt. Plötzlich lernte ich Bücher in ihrer, ich möchte sagen, dritten Dimension kennen. Ich setzte Bleitypen, die mir in der Kombination mit Farbe ziemlich schwarze Finger einbrachten. Ich entdeckte Papiere in den verschiedensten Gewichten und dass man das zwischen den Fingern spüren kann, ob es zu leicht, zu schwer oder manchmal auch zu glatt ist. Und ich stand an Maschinen, die voller Gleichmaß in ihrer schnaufenden Rotation Bogen für Bogen ausspucken.

Es ist also ein Beruf, wo all die Gedanken und Worte eine Form annehmen und eben zu Büchern werden. Sprache wird Materie. Ihre Bedeutung wird sichtbar. Und das ist eben keine Metapher, sondern das ist Handwerk. Und Handwerk ist schön. Schön auf eine Art, die man nicht erklären kann, weil man es nicht gefühlt, gehoben, bewegt, gehört oder auch gerochen hat.

Heute gestalte ich Bücher, schöne Bücher. Ich bin nicht mehr diejenige, die die Buchstaben setzt und das macht auch so gut wie niemand mehr, denn mein Beruf, wie ich ihn damals gelernt habe, ist in der Art nicht mehr da. Er ist nur noch museal erlebbar.

Aber ich bin immer noch diejenige, die fragt, was macht ein Buch schön? Ist es das Papier? Ist es die Gestaltung? Ist es die Schrift oder das Verhältnis von Text und Weißraum? Ist es das Format und wie es in der Hand liegt? Mein ganz persönlicher Maßstab ist immer die Frage: Möchte ich das Buch anfassen und könnte ich gar in dem Buch verschwinden, so wie früher?

Das Handwerk, das mich geprägt hat, Bleisatz, Buchdruck, buchbinderische Weiterverarbeitung, das gibt es noch, museal, meistens auch in kleinen Druckereien. Aber es braucht Menschen, die es festhalten. Und der Verein für die schwarze Kunst macht genau das. Die hier gelehrten und bewahrten Techniken gehören zum handwerklichen und industriellen Kulturerbe Deutschlands. Der Verein bildet ein großes, lebendiges Netzwerk aus Druckern, Setzern, Gestaltern und Enthusiasten der schwarzen Kunst und er vernetzt Werkstätten. Er vergibt Stipendien und er gibt Fachwissen weiter an die nächste Generation.

Und zwar nicht als Museum, sondern eben als gelebtes Handwerk. Es gibt sogar eine Walz. Kenne ich eigentlich nur von Zimmermännern, aber es gibt auch eine Walz für Schriftsetzer:innen. Frisch Ausgebildete wandern durchs Land, von Offizien zu Offizien und Arbeiten mit den alten Meistern, soweit noch vorhanden, und alten Techniken, auch soweit noch vorhanden.

Und das ist keine Nostalgie, sondern das ist Haltung. Das ist die Überzeugung, dass Schönheit, die niemand mehr beherrscht, verloren geht. Und dass das ein echter Verlust wäre.

Warum veröffentliche ich diese Episode gerade heute? Weil am morgigen Sonntag, am 15. März, der Tag der Druckkunst ist. An diesem Tag öffnen Museen und Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Buchdruckereien, Bleisatzwerkstätten, Typografiesammlungen, Papiermühlen.

Orte, an denen die schwarze Kunst nicht hinter Glas steht, sondern läuft, riecht. klingt. Man kann hinfahren, man kann zuschauen, man kann es anfassen und auch mitmachen und vielleicht mit schwarzen Fingern nach Hause gehen.

Ist das schön? Ja, das ist schön.

Und damit endet diese besondere Episode im Rahmen des Podcasthons. Ich freue mich sehr daran teilzunehmen. Der Podcasthon ist vermutlich die größte Charity-Podcasting-Aktion weltweit. Eine Woche lang werden Tausende von Podcasts eine Wohltätigkeitsorganisation ihrer Wahl hervorheben. Das ist schon eine Menge. Also wenn ich sage Tausende – bisher haben sich 2500 angemeldet. Weltweit.

Wenn dir meine Episode gefallen hat, dann besuche auch die Website des Podcasthon. Denn dort gibt es ja noch eben viel, viel mehr durch die Stimmen von Podcaster:innen zu entdecken.

Mein Beitrag gehört dem Verein für die schwarze Kunst, weil ich glaube, dass die Schönheit des Handwerks es wert ist, gehört und unterstützt zu werden. Und die Veranstaltungen und auch die Orte zum Tag der Druckkunst findet ihr auf deren Website, einschließlich einer Karte, auf der alle Veranstaltungsorte verzeichnet sind. Ich verlinke das natürlich in den Shownotes.

Und ich verlinke auch noch den Verein für die schwarze Kunst und auch die Seite für den Podcasthon. Also wenn Fragen sind, geht einfach auf die Links und guckt weiter. Und wenn du am Sonntag die schwarze Kunst leibhaftig erleben möchtest, na dann, fahr hin!