Ist das schön?!
Der Podcast über die Kraft, die im Schönen steckt.
Episode #3 | 6. März 2026
Stille gibt es nicht.
Und das ist schön.
Ein schöner Gedanke: Über die Frage, wie Schönheit eigentlich klingt.
Eigentlich wolle ich über Stille sprechen. Denn ich dachte, Stille ist die reinste Form von Schönheit.
Doch dann habe ich genauer hingehört.
In dieser Solo-Episode spreche ich über Stille als Illusion, Klang als Bad und Heimat als Herzschlag und warum die Antwort auf eine simple Frage viel tiefer führt als erwartet.
Transkript
Stadtbaden.
Über dieses Wort bin ich neulich gestolpert. Und musste kurz innegehalten. Stadtbaden. Kennst du das?
Eine Physiotherapeutin hat mir dieses Wort geschenkt. Wir sprachen darüber, wo ich herkomme: Berlin. »Ich habe noch einen Koffer in Berlin.«, war ihre Bemerkung dazu. In Berlin wäre sie dreißig Jahre als Fotografin unterwegs gewesen.
Und dann sagte sie ganz beiläufig: »Manchmal setze ich mich einfach in den Zug und fahre nach Berlin. Dann muss ich einfach Stadtbaden.«
Stadtbaden.
Waldbaden, das kennen wir. Das ist inzwischen fast schon ein Wellness-Begriff. Man geht in den Wald, atmet tief durch, lässt die Stille auf sich wirken. Die Energie der Bäume, die ätherischen Öle, der weiche Boden unter den Füßen. Ich kenne die Wirkung. Sie ist real.
Aber Stadtbaden? Ist das dasselbe? Kann eine Stadt dasselbe leisten wie ein Wald?
Ich glaube: ja. Und ich glaube, der Schlüssel dazu ist Klang.
Ich wollte heute ursprünglich über Stille sprechen. Denn ich dachte, Stille ist die reinste Form von Schönheit. Ihr kennt das vielleicht — dieser Moment, wenn frischer Schnee gefallen ist und die Welt plötzlich gedämpft klingt. Diese Atempause, wenn die Stadt anhält. Das ist echte Magie.
Aber dann habe ich angefangen, genauer hinzuhören. Und ich musste feststellen: Stille im Sinne von nichts hören, die gibt es nicht.
Wenn ich nachts im schönen Haus am Meer liege und denke, es ist ganz still, dann klappert doch irgendwo ein Fensterladen. Dann knackt es im Gebälk. Dann schreit ein Nachtvogel. Und ganz weit weg, kaum hörbar, fliegt ein Flugzeug über mich hin. Ganz in der Ferne höre ich das Meer rauschen. Und meistens ist es sowieso windig.
In der Stadt sind die Geräusche näher. Straßenbahnen. Die verwehte Ansage vom fernen Bahnhof. Eine Fahrradklingel. Das Gurren einer Taube. Das leise Schnarchen meiner Katze, das mich lächeln lässt.
Stille ist keine Abwesenheit von Klang. Stille ist das irgendwie Vertraute.
Und das Vertraute, das ist es, was wirkt. Nicht weil es leise ist, sondern weil es uns trägt. Weil wir darin ankommen. Weil wir wissen: das kenne ich. Das bin ich. Hier gehöre ich hin. Das ist ein bisschen wie Heimat.
Das ist Stadtbaden. Du tauchst ein in die Geräusche deiner Stadt — und sie halten dich.
Und übrigens: Spatzen und Kinder klingen überall gleich auf der Welt. Als ich vor sehr langer Zeit sehr weit weg wohnte, da gaben mir das Zwitschern der Spatzen und die hellen Kinderstimmen genauso ein Gefühl von Heimat, das mich hielt.
Ich habe mich gefragt, wie Schönheit klingt.
Wirklich gefragt.
Weil ich für diesen Podcast Musik brauchte: ein Intro, ein Outro, einen Jingle.
Ich hatte dazu einen Musiker eingeladen. Ja, wie klingt denn nun Schönheit?
Und ich wollte auf gar keinen Fall eine klassische Musik. Kein gleichmäßiges Klavierspiel, das harmonisch vor sich hin plätschert. Das wäre dem Thema nicht gerecht geworden.
Also habe ich nachgedacht, haben wir nachgedacht. Und sind auf das Bild gestoßen:
Ein leerer Raum ist wie ein Herzschlag. Ein stiller Raum auch. Er ist wie ein Herzschlag. Er ist nie wirklich still. Er pulsiert.
Was entstanden ist, ist eine wilde Mischung: Ein einfahrende S-Bahn in den Bahnhof und eine Durchsage. Eine Fahrradklingel. Taubengurren. Das Klirren von Gläsern im Hintergrund und auch das Murmeln von Gesprächen an anderen Tischen in einem Restaurant.
Es ist aber auch Wellenrauschen. Und weit weg: Waldvögel.
Und darunter ein leicht treibender Rhythmus — weil Schönheit nie aufhört. Sie schlägt weiter.
Das ist der Klang von Schönheit. Zumindest meiner. Und ich wette, eurer klingt anders.
Stadtbaden. Damit fing es an.
Waldbaden.
Und was ist mit dem Rest?
Ich denke an Menschen, die morgens in ihrer Küche stehen. Der Wasserkocher, der anfängt zu rauschen. Das Klacken des Toasters. Vielleicht Musik aus dem Radio, vielleicht nur Stille — aber diese Stille ist voll. Voll von Vertrautem. Voll von Alltag. Voll von Leben. Lebendigkeit
Das ist Küchenbaden.
Und es ist schön. Nicht trotz seiner Gewöhnlichkeit, sondern wegen ihr.
Die Schönheit wartet ja nicht auf den richtigen Moment. Sie ist in dem, was immer schon da ist. Sie klingt nach dem, was dich trägt. Nach Heimat. Selbst wenn die Heimat manchmal eine Straßenbahn ist.
Ich gebe dir heute eine Aufgabe mit. Eine kleine, versprochen.
Höre bewusst hin.
Nicht nach Musik.
Einfach nach dem, was da ist.
Die Geräusche in der Küche.
Oder der Ort draußen vor dem Fenster.
Der Wind. Der Herzschlag. Dein Atem.
Vielleicht ein Vogel. (Spatz)
Und frage dich dabei nur eine Frage:
Ist das schön?